Samstag, 26.05.2012
Nord-Regierungschefs fordern schnellen Ausbau der Stromnetze
Boltenhagen - Die fünf norddeutschen Bundesländer fordern mehr Tempo bei der Ablösung der Atomkraft durch erneuerbare Energien. Auf ihrer Tagung am Donnerstag in Boltenhagen in Mecklenburg-Vorpomnmern ermahnten die Nord-Ministerpräsidenten in einer gemeinsamen Erklärung den Bund, den Bau von Offshore-Windkraftanlagen vor den deutschen Küsten durch wirkungsvolle Bürgschafts- und Förderprogramme voranzutreiben.
Zudem fordern sie ein Netzausbau-Beschleunigungsgesetz, damit zügig neue Stromleitungen für den Transport von Ökostrom von Nord nach Süd gebaut werden können. «Wir sind uns einig, dass der Umstieg deutlich beschleunigt werden muss. Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien», betonte Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschef Erwin Sellering (SPD).
Schleswigs-Holsteins Regierungschef Peter Harry Carstensen (CDU) bekräftige seine Bereitschaft zur konsequenten Energiewende. Er werde in Kürze Gespräche mit den Betreibern der beiden nach Havarien bereits vor Jahren vom Netz genommenen Atomkraftwerke in Geesthacht bei Hamburg und Brunsbüttel führen. «Ich hoffe, dass wir es hinkriegen, dass die überhaupt nicht mehr ans Netz gehen», sagte der Unionspolitiker. Auch sein niedersächsischer Amtskollege David McAllister (CDU) äußerte sich sicher, dass der Atomausstieg in Deutschland nach den Ereignissen in Japan «schneller als bisher geplant» erfolgt. Einen zeitlichen Rahmen nannte er nicht.
Übereinstimmend wiesen die Regierungschefs der Nordländer eine entscheidende Rolle bei der Energieversorgung der Zukunft zu. So will Schleswig-Holstein die Landesfläche für Windparks verdoppeln. Insbesondere aber Offshore-Anlagen vor den Küsten böten großes Potenzial. «Windkraftanlagen gehören dahin, wo Wind ist», sagte Carstensen. «Der Ausbau der Stromnetze ist eine Aufgabe von nationaler Bedeutung», machte Gastgeber Sellering deutlich. Der Bund stehe in der Pflicht. Neue Leitungen seien unabdingbare Voraussetzung für den Transport des Windstroms aus dem Norden zu den Großverbrauchern im Westen und Süden Deutschlands. Der Ausbau müsse schnell gehen. «Wir haben mit beschleunigten Verfahren beim Bau neuer Verkehrswege in den neuen Bundesländer gute Erfahrungen gemacht. Wir sind uns aber auch alle einig, dass bei solchen Verfahren die Rechte von Bürgern und Verbänden nicht beschnitten werden», betonte Sellering.
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