Samstag, 26.05.2012
Landwirtschaftsausblick: Agrarprodukte bleiben teuer
Berlin/Paris - Starke Schwankungen auf den Rohstoffmärkten und höhere Lebensmittelpreise: Das prognostizieren OECD und FAO in ihrem gemeinsamen "Landwirtschaftsausblick 2011-2020".
Durch die Auswinterungsschäden bei Winterweizen und Wintergerste hat sich die Sommergerstenfläche erhöht.
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Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
und die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) haben am Freitag in Paris ihren gemeinsamen "Landwirtschaftsausblick 2011-2020 " vorgestellt.
Der Bericht geht zwar davon aus, dass die Rohstoffpreise nach einer erfolgreichen Ernte unter ihre extrem hohen Werte vom Anfang des Jahres fallen werden. Höhere Erzeugerkosten, schwächeres Wachstum und gestiegene Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln sowie Biokraftstoffen werden nach Einschätzung der Autoren aber im kommenden Jahrzehnt die Durchschnittspreise nach oben treiben.
Getreide könnte im Vergleich zu den Jahren 2001 bis 2010
inflationsbereinigt um etwa 20 Prozent teurer werden, Fleisch sogar um 30 Prozent.
Steigende Rohstoffpreise, höhere Inflation
Gestiegene Rohstoffpreise führen in den meisten Ländern zu einer höheren
Inflation bei Lebensmitteln. Das gibt Anlass zur Sorge: In einigen
Entwicklungsländern sieht der Bericht Gefahren für die wirtschaftliche
Stabilität und die Ernährungssicherheit, bis hin zur Unterernährung bei
den ärmsten Mitgliedern der Gesellschaft. Vor allem die Länder der
Sub-Sahara werden Probleme haben, die Nachfrage zu befriedigen, da hier
die Bevölkerung schneller wächst als die heimische Produktion.
"Höhere
Preise sind zwar gut für Landwirte, für jene Menschen aber, die ohnehin
schon einen großen Teil ihres Einkommens für Essen aufwenden müssen,
sind sie eine Katastrophe", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria.
Mehr Transparenz auf Finanz- und Rohstoffmärkten gefordert
"Deshalb fordern wir die Regierungen dazu auf, die Information und
Transparenz nicht nur der Finanz-, sondern auch der Rohstoffmärkte zu
stärken; Investitionen zu fördern, die zu höherer Produktivität in
Entwicklungsländern führen können; handelsverzerrenden Maßnahmen
abzuschwören und den schwächsten Ländern dabei zu helfen, besser mit der
Unsicherheit der Märkte umzugehen", so der Generalsekretär.
Auch der Generaldirektor der FAO, Jacques Diouf, betonte, den
Preisschwankungen und ihren negativen Folgen müsse mit koordinierten
politischen Maßnahmen entgegengearbeitet werden: "Investitionen in die
Landwirtschaft und ländliche Entwicklung von Entwicklungsländern sind
der Schlüssel", sagte Diouf. "Dort leben 98 Prozent der Menschen, die heute
noch Hunger leiden."
Wachstum im Agrarsektor verlangsamt sich
Dem Ausblick zufolge wird die weltweite landwirtschaftliche Produktion
im kommenden Jahrzehnt langsamer wachsen als in den vergangenen zehn
Jahren: Die Schätzungen liegen bei 1,7 Prozent jährlich, im Vergleich zu 2,6 Prozent
von 2001 bis 2010. Das größte Potenzial für Zuwachs sieht der Bericht in
den Schwellenländern.
Eine Verlangsamung prognostiziert der Report auch für das Wachstum des
Fischereisektors, der erstmalig in den OECD/FAO-Landwirtschaftsausblick
Eingang findet. Die Prognosen gehen davon aus, dass die Produktion bis
2020 um 1,3 Prozent jährlich zunehmen wird - um einiges weniger als im
Vorjahrzehnt. Waren die Erträge aus Aquakulturen bis 2010 noch um 5,6 Prozent
jährlich gestiegen, so wird der Ausbau bis 2020 nur noch bei etwa 2,8 Prozent
liegen. Der Fischfang auf hoher See hingegen stagniert oder sinkt sogar.
Bereits in vier Jahren, so die Experten, werden Zuchtbetriebe die
Hauptquelle für Speisefisch bilden. Im Jahr 2020 wird knapp die Hälfte
der gesamten Fischereiproduktion, also auch Fische für Futter und
industrielle Nutzung, aus Aquakulturen stammen.
Osteuropa, Asien und Lateinamerika steigern Verbrauch
Insgesamt sieht der Bericht den stärksten Pro-Kopf-Anstieg bei der
Lebensmittelnachfrage in Osteuropa, Asien und Lateinamerika. Fleisch,
Milchprodukte, pflanzliche Öle und Zucker stehen auf der Nachfrageliste
ganz oben.
Auch Biokraftstoffe werden den Bedarf an bestimmten
Agrarprodukten weiter steigern: Die Schätzungen gehen davon aus, dass im
Jahr 2020 etwa 13 Prozent des Getreides, 15 Prozent der pflanzlichen Öle und 30 Prozent der
gesamten Zuckerrohrproduktion für die Herstellung von Kraftstoffen
verwendet werden wird.
aiz
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