Samstag, 26.05.2012
Ökostrom: Preisunterschiede von 18 Prozent zwischen deutschen Städten
Berlin - Die Zahl der Ökostromkunden ist im vergangenen Jahr um mehr als 28 Prozent gestiegen. Die Preise, die deutsche Haushalte zahlen, sind dabei sehr unterschiedlich.
Aktuell zahlen Bürger für den Ausbau der Ökoenergie eine Umlage von 3,59 Cent je Kilowattstunde.
© Ernst Rose/Pixelio
Aufgrund der Ereignisse in Fukushima verzeichneten viele Stromanbieter in den vergangenen Monaten eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage nach Ökostromprodukten, welche gegenwärtig wieder etwas nachlässt. Darüber hinaus ist jedoch ein genereller, langfristiger Trend hin zu umweltfreundlicher Energieversorgung erkennbar. Dies zeigt unter anderem die aktuelle Ökostromumfrage von Energie & Management, der zufolge die Zahl der Ökostromkunden im vergangenen Jahr um mehr als 28 Prozent gestiegen ist. Bezogen 2010 noch etwa 2,3 Millionen Kunden grünen Strom, legen mittlerweile rund 3,2 Millionen Verbraucher in Deutschland Wert auf eine umweltbewusste Energieversorgung.
Preisniveau von 200 deutschen Städten untersucht
Jedoch zahlen deutsche Haushalte sehr unterschiedliche Ökostrompreise, wie eine aktuelle Studie des unabhängigen Verbraucherportals toptarif.de (www.toptarif.de) zeigt. Untersucht wurde das Preisniveau von Ökostromprodukte in den 200 größten deutschen Städten. Dabei wurde für jede Stadt der Durchschnitt der 20 günstigsten Ökostromangebote für einen vierköpfigen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden ermittelt. Im Ergebnis zeigen sich Preisunterschiede von bis zu 18 Prozent zwischen den untersuchten Städten.
Teurer Osten: Görlitz zahlt 18 Prozent mehr als Aschaffenburg
So kostet Ökostrom im Bundesdurchschnitt rund 792 Euro pro Jahr, das
sind im Mittel etwa 23 Cent pro Kilowattstunde. In Aschaffenburg zahlt
der vierköpfige Musterhaushalt mit rund 722 Euro jährlich bundesweit am
wenigsten für grünen Strom. Ähnlich preiswert ist Ökostrom in Ratingen,
Grevenbroich und Lingen an der Ems.
In den ostdeutschen Städten hingegen sind Ökostromprodukte mit
durchschnittlich 827 Euro am teuersten und liegen damit rund 35 Euro
über dem Bundesschnitt.
Am tiefsten in die Tasche greifen müssen dabei
Verbraucher in Görlitz – ihnen werden für Ökostrom etwa 878 Euro in
Rechnung gestellt. Im Vergleich zu den günstigen Konditionen in
Aschaffenburg ergibt sich ein Preisunterschied von rund 156 Euro bzw.
knapp 18 Prozent pro Jahr. Vergleichbar fällt das Preisniveau in
Wittenberg, Flensburg und Zwickau aus – hier zahlen Verbraucher im
Mittel etwa 863 Euro für grünen Strom.
In den Millionenstädten Berlin, Hamburg und Köln bewegt sich der Preis
für Ökostrom mit durchschnittlich 800 Euro im Mittelfeld des
festgestellten Preisniveaus aller untersuchten Städte. In München
erhalten Verbraucher Ökostromprodukte zu günstigeren Konditionen – sie
zahlen mit rund 764 Euro knapp 4,5 Prozent weniger.
Ursachen für Preisdifferenzen: Wettbewerbsdichte und unterschiedliche Netzentgelte
"Die Preisunterschiede lassen sich vor allem dadurch erklären, dass
viele Anbieter von Ökostromprodukten keine deutschlandweit einheitlichen
Preise setzen, sondern mit regional unterschiedlichen Konditionen
operieren", erklärt Dr. Rainer Brosch von toptarif.de.
Hinsichtlich der Preisfindung orientieren sich die Anbieter von
Ökostrom dabei in vielen Fällen an den Konditionen der örtlichen
Grundversorger und bieten Ökostrom ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde
günstiger an als diese.
Eine entscheidende Rolle bei der Preissetzung
spielen zudem die Durchleitungs- und Transportkosten, welche der
Stromanbieter an den jeweiligen Netzbetreiber zahlen muss. Diese können
regional unterschiedlich ausfallen und werden ebenfalls in der
Preiskalkulation für den Endkunden berücksichtigt. "Darüber hinaus
agiert nicht jeder Anbieter von Ökostrom bundesweit. Das zieht regionale
Unterschiede hinsichtlich Wettbewerbsdichte und Preisniveau nach sich",
so Brosch.
Wechsel zu einem günstigeren Anbieter spart mehrere Hundert Euro
Unabhängig vom Preisniveau vor Ort lohnt ein Vergleich der Konditionen
für Ökostrom zwischen den verfügbaren Anbietern. Denn auch in ein und
derselben Region gibt es zum Teil große Differenzen zwischen einzelnen
Tarifen. Am meisten sparen kann, wer noch nie einen Wechsel vollzogen
hat und in den zumeist teuren Tarifen grundversorgt wird – laut
Bundesnetzagentur gilt das immerhin noch für 45 Prozent der deutschen
Haushalte. Diese Kunden können bei einem Wechsel zu Ökostromprodukten
noch einmal etwa einhundert Euro mehr sparen als Verbraucher, die aus
einem alternativen Tarif des Grundversorgers zu Ökostrom wechseln.
Verbraucherschützer empfehlen bei einem Wechsel zu Ökostromanbietern
nicht nur auf den Preis zu schauen, sondern auch darauf zu achten, dass
der gewählte Anbieter mindestens eines der Qualitätssiegel TÜV, Grüner
Strom Label oder ok-Power Label trägt. „Nur bei Produkten mit
entsprechenden Qualitätssiegeln können Verbraucher sicher sein, dass
durch den Bau von neuen Ökostromanlagen auch wirklich ein Zusatznutzen
für die Umwelt entsteht“, betont Brosch. Die genannten Label bieten
Kunden hierfür eine erste Orientierung.
Die Preise von Ökostrom in den untersuchten deutschen Städten finden Sie hier. download...
pd
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