Samstag, 26.05.2012
Zuchtrinder aus Österreich gefragter denn je
Wien - Zuchtrinder aus Österreich sind im Ausland gefragter denn je. Das belegt die aktuelle Exportstatistik der Zentralen Arbeitsgemeinschaft österreichischer Rinderzüchter (ZAR).
Im ersten Halbjahr 2011 lagen die Exporte um 125 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums.
© günther gumhold/pixelio
Demnach wurden im ersten Halbjahr 2011 bei einer guten Preislage insgesamt 19.700
Zuchtrinder ausgeführt; das ist gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres eine Steigerung um 125 Prozent. Ein Anteil von 83 Prozent der ausgeführten Zuchtrinder verließ den EU-Binnenmarkt und ging in Drittländer. Mengenmäßig gestalteten sich die Exporte ähnlich der österreichischen Rassenverteilung in der Gesamtpopulation: 80 Prozent der Zuchtrinder waren Fleckvieh, 13 Prozent Braunvieh, fünf Prozent Holstein, ein Prozent Grauvieh und 0,8 Prozent gehörten der Rasse Pinzgauer an.
ZAR-Geschäftsführer Franz Sturmlechner hob hervor, dass der Verkauf von Zuchtvieh für die österreichischen Rinderhalter neben Milch und Fleisch zu einer wesentlichen Einnahmequelle geworden sei. Bei zunehmend volatilen Märkten für Milch und Rindfleisch sei dieses zusätzliche Standbein ein stabilisierender Faktor für die Rinderzüchter geworden. Vor allem der Export von Zuchtvieh in Länder außerhalb der EU habe in den vergangenen Jahren stetig an Bedeutung gewonnen.
Türkei wichtigster Absatzmarkt
Aktuell ist die Türkei der führende Abnehmer österreichischer Zuchtrinder und gibt sowohl bei der Menge als auch beim Preis den Ton an. Von Januar bis Juni dieses Jahres wurden fast 12.400 Rinder zum Herdenaufbau an den Bosporus geliefert; das entspricht einem Anteil von 63 Prozent der Gesamtausfuhren. Sturmlechner gab zu bedenken, dass die Abhängigkeit von einem derart großen Kunden auch ein gehöriges Risiko in sich berge. Sollten beispielsweise politische oder veterinäre Probleme auftreten, seien verheerende Auswirkungen zu erwarten.
Traditionelle Märkte weiterhin wichtig
Nicht zuletzt deshalb sei die österreichische Rinderzucht bemüht, sowohl historische Absatzregionen zu pflegen als auch neue Zukunftsmärkte zu öffnen. Reges Interesse an Zuchtvieh aus Österreich zeigten zum Beispiel einige Länder innerhalb der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), die man jedoch bis dato kaum bedient habe. Das zweitwichtigste Ziel österreichischer Zuchtviehexporte war laut Sturmlechner nach wie vor Italien. Im ersten Halbjahr 2011 seien 3.000 Zuchtrinder in das Nachbarland geliefert worden. An dritter Stelle folgte Algerien mit 1.540 angekauften Tieren.
Remontierung aus eigener Herde
Sturmlechner machte deutlich, dass das derzeit gute Preisniveau auch seine Schattenseiten habe. So werde es für die heimischen Rinderzüchter immer wichtiger, die Remontierung möglichst aus der eigenen Herde heraus zu meistern, um den teuren Zukauf zu vermeiden. Vor allem die wachsenden Betriebe seien hier besonders gefordert. Umso wichtiger werde es in diesem Zusammenhang für die Rinderhalter, ein noch größeres Augenmerk auf die Nutzungsdauer und somit die Gesundheit ihrer Tiere zu legen. Vor allem langlebige, stabile Kühe seien wirtschaftlich noch nie so entscheidend gewesen wie in der aktuellen Hochpreisphase, stellte der Geschäftsführer fest.
Positive Preisentwicklung längst überfällig
Nach den Worten von ZAR-Obmann Anton Wagner wurden mit dem Gesundheitsmonitoring Rind diesbezüglich bereits frühzeitig die notwendigen Voraussetzungen geschaffen. Die positive Preisentwicklung sei längst überfällig gewesen und von den Züchtern sehnlichst erwartet worden. Diese hätten noch vor kurzem für ihre hochwertigen Rinder oft nur Mastpreise erlöst, mit dem der züchterische Mehraufwand in keiner Form abgegolten worden sei. Die derzeitige Situation sorge endlich wieder für gute Stimmung und Zuversicht unter den Betrieben. Auch wenn der Preis kurz- und mittelfristigen Schwankungen unterliege, deuteten derzeit alle Zeichen darauf hin, dass Zuchtrinder langfristig zum gefragten Investitionsgut würden, zeigte sich Wagner überzeugt.
AgE
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