15.12.2009
Hintergrundpapier verabschiedet
Verbände warnen vor faulen Kompromissen bei grüner Gentechnik
Berlin/Hamm - Bauern- und Umweltverbände haben die Bundesregierung und die EU-Kommission dazu aufgefordert, nicht an der derzeit in der EU geltenden Nulltoleranz bei der Einfuhr gentechnisch veränderter Organismen zu rütteln.

Der AbL-Vorsitzende, Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf.
"Der Gentechnik-Reisskandal LL601 und der aktuelle Gentechnik-Leinsamenskandal zeigen, genauso wie die Verunreinigungen bei den Futtermittelimporten, dass die Gentechnik-Industrie bewusst Kontaminationen verursacht bzw. nichts im Griff hat und die sogenannte 'Koexistenz' unmöglich ist. Bauern- und Umweltverbände fordern die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, an der in der EU gesetzlich vorgeschriebenen Nulltoleranz nicht zu rütteln", so Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V. und Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) anlässlich der Veröffentlichung eines gemeinsamen Hintergrundpapiers von 19 Organisationen zur aktuellen Diskussion um die Nulltoleranz für nicht zugelassene gentechnisch veränderte Organismen (GVO). Unterschrieben wurde das Papier unter anderem von Bioland, demeter, BUND, Nabu und Naturland.
Baringdorf: Erwarten Wahlfreiheit für Landwirte und Bürger
"Wir erwarten, dass sie sich klar und deutlich für das Recht auf eine gentechnikfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft einsetzen und somit eine tatsächliche Wahlfreiheit für Bauern und Bürger sicher stellen", fordern die Verbände die EU-Kommission und die Bundesregierung auf. "Wenn andere Länder - allen voran die USA - ihre Verunreinigunsproblematik nicht in den Griff bekommen wollen, darf deren Verhalten nicht zum Maßstab für das EU-Recht werden", so Baringdorf weiter.
Die EU tue gut daran, an der konsequenten Umsetzung des Vorsorgeprinzips festzuhalten. Andere Exportländer, die Futtermittel in die EU einführen, könnten sich sehr wohl auf diese Markterfordernisse einstellen. "Wer es mit der Wahlfreiheit Ernst meint, muss politisch die Rahmenbedingungen in Zukunft so setzen, dass konventionell und biologisch wirtschaftende Betriebe ohne Wenn und Aber gentechnikfrei füttern und erzeugen können", so Graefe zu Baringdorf.
Futtermittelnotstand: Kein realistisches Szenario
"Das von der Agrarindustrie gepushte Szenario, wenn die EU nicht endlich die Nulltoleranz für nicht zugelassene GVO aufheben würde, drohe der Futtermittelnotstand und schließlich das Aus der Fleischproduktion in Europa, hält einer Überprüfung nicht stand: Es gibt nur wenige Fälle und geringe Mengen von verunreinigten Futtermitteln. 90 Prozent der Verunreinigungen haben nur ein Land als Verursacher: die USA. Brasilien und Argentinien - nach den USA die Nummer zwei und drei im Anbau von gentechnisch veränderter Soja - haben keinerlei Verunreinigungen mit nicht zugelassenen GVO verursacht."
Der Anteil der US-Soja-Lieferungen in die EU spiele nur eine untergeordnete Rolle. "Entgegen den Szenarien liefert die USA weiter in die EU. Und: Auch die USA ihrerseits ist nicht gewillt, von ihren Behörden nicht zugelassene GVO ungeprüft ins Land zu lassen. Diese Fakten sind in unserem gemeinsamen Hintergrundpapier belegt," so Hubert Weiger abschließend. (pd)
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