Über den Anbau von Feldholz in sogenannten Kurzumtriebsplantagen wird seit einigen Jahren stark diskutiert. Doch der Flächenumfang ist in Deutschland mit 4.000 bis 5.000 Hektar - davon rund 700 Hektar in Niedersachsen - noch recht überschaubar. Was hält die Landwirte zurück?
Anbau noch in den Kinderschuhen
Die Idee des Anbaus von Holz auf landwirtschaftlichen Flächen ist nicht neu. Seit den 50er Jahren gibt es Versuchs- und Kulturflächen, auf denen das Wachstum von schnell wachsenden Baumarten untersucht wird.
Auf der sicheren Seite
Rechtliche Sicherheit für den Anbau auf landwirtschaftlichen Flächen schaffte die Novelle des Bundeswaldgesetzes. Flächen, auf denen schnellwachsende Baumarten angebaut werden, fallen nun nicht mehr unter den Waldbegriff. Der landwirtschaftliche Flächenstatus bleibt erhalten.
Gleichzeitig ist in der EG VO 73/2009 die Kurzumtriebsfläche als beihilfefähige Fläche deklariert worden. Dies ist für Landwirte enorm wichtig, um Prämienansprüche geltend machen zu können. Das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung hat gleichzeitig eine Liste mit den zugelassenen Baumarten herausgegeben. Darunter fallen derzeit folgende Baumarten: Pappeln, Weiden, Robinien, Birken, Erlen, Eschen und Eichen.
Folgende Standortanforderungen der Baumarten müssen bei der Anlage einer Kurzumtriebsplantage gewährleistet sein:
- Geringere Ansprüche an die Bodenqualität;
- Niederschläge > 600 mm pro Jahr oder mind. 300 mm in der Vegetationsperiode oder Grundwasseranschluss;
- gute Durchwurzelbarkeit;
- pH-Werte von 5,5-6,5;
- Gewährleistung der Befahrbarkeit zum Erntezeitpunkt (Dezember - März);
- Evtl. Schutzmaßnahmen bei erhöhtem Wilddruck oder Einkalkulieren von Ausfällen;
- drainierte Flächen sind nicht geeignet (Drainage wird von Bäumen kaputt gewachsen).
Obwohl die Ansprüche gegenüber annuellen landwirtschaftlichen Kulturen geringer sind, hält sich die Verbreitung der Feldholzkulturen bisher in Grenzen. Warum ist das so? Dieser Schritt will gut überlegt sein, da man sich mit dem Anbau der Bäume auf einen Zeitraum von ca. 20-25 Jahren festlegt.
Hohe Anfangsinvestition
Gleichzeitig ergeben sich relativ hohe Anfangsinvestitionen (ca. 2.500-3.500 €/ha), der Kapitalrückfluss geschieht jedoch deutlich verzögert, nämlich zum Zeitpunkt der Ernte. In einem Kurzgutachten für die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) e. V. haben die Wissenschaftler Sheridan und Kuhlmann von der Universität Giessen im Jahre 2010 die Konkurrenzfähigkeit von Feldholz gegenüber anderen landwirtschaftlichen Fruchtfolgen untersucht. Im Ergebnis ist Feldholz gegenüber den meisten Ackerfrüchten konkurrenzfähig, jedoch gegenüber Silomais leider nicht.
Ein Abwägungsprozess
Eine Kalkulationshilfe auf Excel-Basis ist bei der LEL Schwäbisch Gmünd erhältlich, womit einzelbetriebliche Planungen detailliert betrachtet werden können. In zahlreichen Projekten auf Bundes- und Länderebene werden in nächster Zukunft weitere Ergebnisse zu erwarten sein.
Welche Nachteile der Anbauform die Zurückhaltung der Landwirte auslösen mag, ist im Folgenden kurz zusammengefasst:
- Konträr zur gewohnten landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsweise;
- lange Bindung der Flächen;
- unregelmäßiger Geldfluss mit relativ hohen Anfangsinvestitionen;
- hoher Wassergehalt des Erntegutes;
- geringe Rohstoffdichte;
- Technik noch nicht weit verbreitet.
Dem gegenüber besitzt die Kurzumtriebswirtschaft jedoch eine Reihe von Vorteilen, die in Zukunft mehr und mehr zum Tragen kommen dürften:
- Extensive Kultur;
- bricht Arbeitsspitzen;
- einmal anlegen und dann mehrmals nutzen;
- Holz ist ein gewohnter Rohstoff mit breitem Einsatzspektrum;
- allgemein steigende Nachfrage nach Holzhackschnitzeln;
- Grenzertragsstandorte können wieder gewinnbringend genutzt werden;
- Potenzial für ökologische Aufwertung in ausgeräumten Agrarlandschaften;
- Möglichkeit der Gewinnsteigerung über Anlage von Mutterquartieren (Stecklingsverkauf) oder Veredlung (Verkauf von Wärme, sog. Contracting).
Die Rahmenbedingungen für eine Kurzumtriebsplantagenwirtschaft sind weitgehend geschaffen. Mit Hilfe von Pilotvorhaben und laufenden Forschungsprojekten werden die Anbauverfahren und Züchtung vorangetrieben und weiter etabliert. Auch in der Pflanz- und Erntetechnik steckt noch Innovationspotenzial. Unterstützung leisten in diesem Bereich spezialisierte Dienstleister. Der Anbau schnellwachsender Baumarten wird damit zu einer Alternative zu konventionellen Kulturen, über die es sich nachzudenken lohnt, die aber einer sorgfältigen Planung der Kulturanlage, Bewirtschaftung und Vermarktung bedarf.