Mittwoch, 22.05.2013
EU-Milchsektor-Reform: Pflichtverträge weiter strittig
Brüssel - Bei ihren Kompromiss-Verhandlungen zu den künftigen Vertragsbeziehungen im Milchsektor haben EU-Parlament, Ministerrat und Europäische Kommission keinen Durchbruch erzielt.
Auf dem Weltmarkt ist Milch momentan knapp und die Rohstoffpreise steigen.
© Almotti/pixelio
Wie "Dow Jones Marktreport Fleisch & Milch" aus Brüsseler Kreisen erfuhr, sind die Fragen weiterhin strittig, ob eine europaweit gültige Pflicht zum Abschluss von Lieferverträgen und eine Mindestlaufzeit eingeführt werden oder nicht. Auch eine vom EU-Parlament geforderte Sonderregelung für Milch und Milchprodukte mit der Klassifizierung "geschützte Ursprungsbezeichnung" und "geschützte geografische Angabe" bleibt weiterhin strittig.
Die Abgeordneten verlangen, dass die neue Verordnung den Mitgliedstaaten die Möglichkeit einräumt, Regeln zur Mengen- und Angebotssteuerung dieser speziell geschützten Erzeugnisse aufzustellen. Die EU-Kommission und zahlreiche Staaten im Ministerrat - darunter Deutschland - lehnten diese Forderung jedoch ab, hieß es aus Verhandlungskreisen. Sie fürchten, es könne damit eine Quotenregelung "durch die Hintertür" geschaffen und der funktionierende Binnenmarkt gestört werden.
Weitere Gespräche noch in diesem Monat
Nach Informationen von Dow Jones verlangt das EU-Parlament in
diesem Streitpunkt ein Entgegenkommen des Rates. Im Gegenzug dazu
könnten die Abgeordneten möglicherweise von ihrer Forderung nach einer
europaweiten Vertragspflicht abrücken und freiwillige
Vertragsabschlüsse im Milchsektor mittragen, hieß es weiter. Offen
blieb jedoch, wie ein Kompromiss bei der Mindestlaufzeit von
Lieferverträgen aussehen könnte. Auch wenn mit Blick auf die
Konfliktpunkte kein Durchbruch erzielt wurde, sei die
Gesprächsatmosphäre positiv gewesen, hieß es nach dem Treffen.
Die unlängst von der deutschen Milchindustrie geäußerte
Einschätzung, wonach die Verhandlungen kurz vor dem Scheitern stehen
und die Debatte über die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik verschoben
werden könnte, wurde zurückgewiesen. Die polnische
EU-Ratspräsidentschaft ist offenbar bemüht, die Gespräche noch während
ihrer Amtszeit bis Jahresende zu einer Lösung zu bringen, und auch das
EU-Parlament scheint sehr an einem Kompromiss interessiert zu sein.
Vertreter der EU-Regierungen im Sonderausschuss
Landwirtschaft werden
sich den Angaben zufolge voraussichtlich am 21. oder 28.11.2011 erneut
mit dem Thema befassen.
Weitere Trilog-Runde für Dezember vorgesehen
Eine weitere Runde der Trilog-Kompromissverhandlungen zwischen den
Mitgliedstaaten, dem Europaparlament und der EU-Kommission ist für
Dezember vorgesehen. Dem Vernehmen nach könnte die eigentlich für
Dezember geplante Abstimmung im EU-Parlament über die neue Verordnung
auf Anfang 2012 vertagt werden. Mit dieser Verschiebung könnte die neue
Vorschrift dann schon in erster Lesung - und damit vergleichsweise
schnell - unter Dach und Fach gebracht werden, wenn sich die
Europaabgeordneten und die 27 Staaten zuvor auf eine gemeinsame
Kompromisslinie verständigt haben.
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