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Um die Bedenken gegen die Liberalisierung abzubauen, sollten aber unbedingt Sicherheitsnetze für landwirtschaftliche Erzeugnisse geschaffen werden, unterstrich Lamy auf der Konferenz "Countdown to Copenhagen: Climate Change, Agriculture and Global Food Security " des International Food and Agricultural Trade Policy Council (IPC). Außerdem gestehe die Welthandelsorganisation der Landwirtschaft eine Sonderrolle mit zahlreichen Ausnahmen im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren zu. Der durchschnittliche Agrarzoll betrage 25 Prozent, der Industriezoll hingegen nur 8 Prozent. Die WTO müsse für einen verlässlicheren Handel mit landwirtschaftlichen Gütern sorgen, bei dem die Länder auch in Zeiten knapper Lebensmittel nicht mit Grenzschließungen reagieren würden. Der höhere Selbstversorgungsgrad mit Ernährungsgütern sei jedenfalls keine Lösung, vor allem nicht für Länder wie Ägypten oder Saudi-Arabien, die unter Wassermangel litten, so Lamy.
Von Braun: Landwirtschaft gehört auf Kopenhagen-Agenda
Joachim von Braun, Präsident des International Food Policy Research Institutes, betonte wiederum im Hinblick auf die im Dezember stattfindende Klimakonferenz, die ein Kyoto-Nachfolge-Abkommen hervorbringen soll, dass der Agrar- und Ernährungsbereich mehr in die Vorbereitungen einbezogen werden sollte. "Erste Forderung: Landwirtschaft und Landnutzung gehören auf die Agenda in Kopenhagen ", so von Braun. Angesichts der Tatsache, dass für 2050 eine Weltbevölkerung von 9,2 Mrd. Menschen prognostiziert werde, sei es von höchster Priorität, die Lebensmittelproduktion um 50 Prozent zu steigern, jedoch Treibhausgase im selben Ausmaß zu verringern, sagte Tim Groser, Handelsminister und Beauftragter für Klimawandel in Neuseeland. Er hält eine Kohärenz des Kyoto-Protokolls und des WTO-Handelssystems für unabdingbar, um klare Rahmenbedingungen für klima- und handelspolitische Maßnahmen zu schaffen.
Fischer Boel: GVO haben in Entwicklungsländern mehr Berechtigung
Den "Schwarzen Peter " bei den Auswirkungen des Klimawandels würden primär die Entwicklungsländer ziehen, meinte Namanga Ngongi, Präsident der "Alliance for a Green Revolution in Africa ", laut APA. "Afrika trägt am wenigsten zum Klimawandel und zur globalen Erwärmung bei, leidet aber am meisten darunter ", so Ngongi, der ebenso wie von Braun den Anbau von geeigneten gentechnisch veränderten Organismen (GVO) - etwa mit einer größeren Dürreresistenz oder mehr Vitamin A - befürwortet. Der GVO-Einsatz würde in Afrika weit mehr Berechtigung finden als in Europa, ergänzte EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel. Sie fordert jedoch auch eine klare Abgrenzung zur traditionellen Landwirtschaft. "Wir in Österreich wollen gentechnikfrei bleiben, weil wir meinen, dass ein derartiger Anbau inkompatibel mit der kleinbäuerlichen Landwirtschaft und auch der biologischen Produktion ist ", stellte der österreichische Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich wiederum die österreichische Perspektive dar. (aiz)

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