Freitag, 25.05.2012
Im Wettstreit um Furchen und Dämme
Pflügen gehört nach wie vor zu den landwirtschaftlichen Grundqualifikationen. Sogar Weltmeisterschaften werden in dieser Disziplin ausgetragen. Im kleinen Heidedorf Prabstorf wurde am vergangenen Sonntag der 32. Landesentscheid im Leistungspflügen ausgetragen. Die beiden Sieger dürfen Niedersachsen im kommenden Jahr auf Bundesebene vertreten.
Nur deutlich sichtbare Furchendämme, die sauber ausgeräumt waren und gleichmäßig verliefen, überzeugten die Punktrichter.
Foto: Peter Andryszak
Die gewaltigen Schlepperräder laufen exakt in der Spur. Metallisch glänzend spaltet der Pflug die Bodennarbe. Satte, schwarze Erde quillt hervor und bildet schnurgerade Wälle, bis das komplette Feld wie „umgestülpt und frisch gekämmt" aussieht. Die jungen Landwirte – unter ihnen als einzige weibliche Konkurrenz Anne Hartmann – gehen mit äußerster Konzentration ans Werk. Bis hierher haben sie sich bereits über Kreis- und Gebietsentscheide nach vorn gepflügt. Jetzt geht es um den Landestitel: Wer wird Niedersachsens Superpflüger?
Alles super organisiert
Elke Rather von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist die zuständige Fachfrau für Berufsbildung, Landjugend und Wettbewerbe. Leistungspflügen, bestätigt sie, sei ein echtes Highlight für den Berufsnachwuchs. Neben den jährlichen Qualifikationen werden die Landesmeisterschaften im zweijährigen Turnus veranstaltet. Warum dieses Mal in Prabstorf? „Ein Glücksfall! Die Kreislandjugend Lüchow-Dannenberg hatte angeregt, ihren 50. Jubiläums-Kreisentscheid gemeinsam mit unserem Wettbewerb zu planen. Alles war super organisiert!"
Tausende Zuschauer verfolgten das spannende Schauspiel auf dem abgeernteten Kartoffelacker. Bereits am Tag zuvor waren die 26 Teilnehmer mit Schlepper und „schwerem Gerät" angereist. Der erste Prüfungsteil bestand aus einem theoretischen Test mit Fragen zur Fachkunde und Allgemeinbildung. Am Sonntag ging es dann zur Sache. Zwei Disziplinen standen zur Wahl: Beet- oder Drehpflügen. Je nach Pflugart und Scharzahl bekam jeder Proband seine eigene Parzelle zugewiesen. Dann lief die Zeit… Rather erklärt, worauf es beim Pflügen ankommt. „Die Furchendämme sollten deutlich sichtbar, sauber ausgeräumt, gerade und gleichmäßig verlaufen – also keine Berg- und Talbahnen!" Auch die Pflugtiefe müsse genau eingehalten werden. „Entscheidend ist das richtige Einstellen des Pfluges auf die Bodenverhältnisse", betont sie. „Wer dazu in der Lage ist, kann auch andere Maschinen effektiv einsetzen."
Über den Tellerrand
Gar nicht so einfach, unter den kritischen Augen von Gremium und Publikum die Ruhe zu bewahren. Auch Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen fieberte von der ersten bis zur letzten Furche mit. Immer wieder nahmen die Richter Vermessungen vor, notierten mit spitzen Bleistiften und übten konstruktive Kritik. Chancen hatte nur, wer Trecker und Technik perfekt beherrschte. Punktabzüge gab es bei abweichender Tiefe, ungeplanten Leerfahrten, doppelten Schlepperspuren oder fahrlässigem Verhalten.
Natürlich können nicht alle – wie Anne Hartmann und Clemens Rippke – einen Pokal mit nach Hause nehmen. Fest steht, die Veranstaltung ist für jeden Teilnehmer ein Gewinn. „Hier haben die jungen Leute Gelegenheit, ihr Können auf hohem Niveau zu vergleichen und mal über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen", unterstreicht Rather. Auch der Spaß kam bei „Furchenfete" und Schleppergeschicklichkeits-Ralley nicht zu kurz.
Die Frage, ob Pflügen noch zeitgemäß sei, stelle sich nicht. „Bei bestimmten Böden oder wenn es darum geht, den Unkrautdruck ohne chemischen
Pflanzenschutz zu senken, ist der Einsatz des Pfluges nach wie vor sinnvoll und erforderlich", ist Rather überzeugt.
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