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Sonderthemen | 30.03.2011

Weitere Umbrüche in Niederungen

Die Hochdruckwetterlage hat zur Erholung von Wintergetreide und Winterrapsbeständen geführt. Vor allem auf hochwassergeschädigten Flächen blieb bislang eine Verbesserung der Wintersaaten aus, so dass derzeit noch in nennenswertem Umfang Umbrüche vorgenommen werden.

 
Die Kamille muss frühzeitig vor der Knospenbildung ausgeschaltet werden. Foto: Wendt
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Die Kamille muss frühzeitig vor der Knospenbildung ausgeschaltet werden. Foto: Wendt
Aufgrund der im Herbst durchgeführten Herbizidmaßnahmen sind in den dann folgenden Sommersaaten Nachbauauflagen der Präparate zu beachten.

Winterraps

Besonders Septembersaaten sind häufig schwächer entwickelt und zeigen ein lückiges Bestandsbild. Ergeben Kontrollen noch einen bekämpfungswürdigen Unkrautbesatz mit Kamille, Kornblume oder Distel, kann mit Lontrel oder Effigo (zusätzlich Klette) behandelt werden. Effigo darf nicht in Wasserschutzgebieten eingesetzt werden und der Einsatz sollte erfolgen, wenn die Knospen noch nicht offen liegen. Durch Frost, Trockenheit oder Nässe geschwächte Bestände sollten nicht behandelt werden und mögliche Tankmischungen beschränken sich auf Effigo und Pyrethroide. Korrekturen gegen Ausfallgetreide oder Ackerfuchsschwanz können z.B. mit Fusilade Max oder Panarex durchgeführt bzw. bei nachgewiesener FOP-Resistenz des Ackerfuchsschwanzes sollte auf Focus Ultra ausgewichen werden.

Witterungsbedingt kam es seit dem 20. März zu vermehrten Fängen besonders des Großen Rapsstängelrüsslers. Hierbei war die Region nord-östlich Hannover am stärksten betroffen. Der Rapsstängelrüssler kann bereits nach kurzem Reifungsfraß mit der Eiablage beginnen, so dass bei Überschreiten der Bekämpfungsschwelle zeitnah Insektizidmaßnahmen erforderlich werden. Die Bekämpfungsschwelle beim Großen Rapsstängelrüssler liegt bei 10 Käfern und beim Gefleckten Kohltriebrüssler bei 30 Käfern pro Gelbschale in drei Tagen. Wird bei den Gelbschalen ein Abdeckgitter verwandt, halbieren sich die Bekämpfungsschwellenwerte.

Die unterschiedlichen regionalen Fangergebnisse machen deutlich, wie wichtig die schlagspezifischen Ergebnisse der Gelbschalen sind, um gezielt vorzugehen. Treten in den Gelbschalen nur Rüsselkäfer auf, können Pyrethroide der Klasse II wie Karate Zeon, Fastac Super Contact oder Bulldock eingesetzt werden. Treten gleichzeitig Rapsglanzkäfer auf, sollten zur Resistenzvermeidung Pyrethroide der Klasse I wie Trebon oder Restmengen von Talstar 8 SC eingesetzt werden. Rapsglanzkäfer können vor Ausbildung der Knospenanlagen des Rapses keine Schäden verursachen. Mavrik besitzt keine Indikation gegen Kohltriebrüssler und Rapsstängelrüssler. Die vor kurzem nach § 11 Abs. 2 PSG genehmigten B1 Präparate Plenum 50 WG und Avaunt sollten nur bei Starkbefall durch Rapsglanzkäfer zum Einsatz kommen.

Treten in lückigen Rapsbeständen jetzt blühende Unkräuter auf, dürfen diese B1 Präparate nicht zum Einsatz gelangen. Maßnahmen zur Wachstumsregulation in Winterraps stehen bei einer Wuchshöhe von etwa 20 bis 25 cm an, wobei eine wüchsige Witterung Voraussetzung ist, um den Wirkungsgrad abzusichern. Aufgrund der langen Vegetationsruhe bilden jedoch überwachsene, dichte Bestände derzeit die Ausnahme, so dass die Aufwandmengen der zugelassenen Präparate eher im unteren bis mittleren Bereich liegen können. Geschwächte Rapsbestände, als auch sehr lückige Rapsschläge sollten, wenn überhaupt, nur mit niedrigen Aufwandmengen behandelt werden, um die Entwicklung der Seitentriebe zu fördern.
Neben den bereits bewährten Azolfungiziden sind zwei neue Präparate mit wachstumsregulierender Wirkung zur Saison zugelassen. Mit Orius steht ein weiteres Tebuconazol-haltiges Präparat zur Verfügung, wobei der Wirkstoffgehalt im Vergleich zum Folicur reduziert ist und damit die Aufwandmenge entsprechend angehoben werden muss. Zudem ist Tilmor, bestehend aus Prothioconazol und Tebuconazol, zur Verbesserung der Standfestigkeit und zur Phomabekämpfung als neues Präparat zugelassen.

Wintergetreide

Herbizidmaßnahmen im Herbst zeigen im Allgemeinen eine gute Wirkung. Ungräser und Unkräuter auf bislang nicht behandelten Flächen haben überwiegend kleine Wachstumsstadien, so dass gute Voraussetzungen für wirkungsvolle Frühjahrsmaßnahmen bestehen. Ergeben Kontrollen in Wintergerste noch einen Ackerfuchsschwanz- oder Windhalmbesatz, sollte umgehend Axial 50 in voller Aufwandmenge gegen Ackerfuchsschwanz eingesetzt werden. Axial Komplett wäre eine breitere Lösung gegen Gräser und Unkräuter insbesondere bei Kletten- und Kamillebesatz.

In Winterroggen, Winterweizen und Triticale wäre der Einsatz von Traxos ein Präparat zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz möglich. Nach Beendigung der Nachtfrostphase sind nun die Bedingungen gegeben, dass Einsätze von Sulfonylharnstoffen wie Atlantis WG, Broadway oder Husar OD gegen Ackerfuchsschwanz und Windhalm in Winterweizen, Triticale und Roggen erfolgen können. Die besten Wirkungsvoraussetzungen für Sulfonyharnstoffe sind dann gegeben, wenn wir am Tage eine Luftfeuchtigkeit von mehr als 60 % haben. Bei Luftfeuchten deutlich unter 60 % sollten die Anwendungen daher auf gerade abgetrockneten Beständen am späten Vormittag oder gegen Abend erfolgen, um den Wirkungsgrad abzusichern.

Beachten Sie den Wirkstoffwechsel insbesondere dann, wenn Nachbehandlungen von Herbstmaßnahmen erforderlich werden. So sollten Sie ein FOP-Präparat wie z.B. Traxos benutzen, wenn im Herbst bereits ein Sulfonylharnstoff wie Lexus angewendet wurde. In Weizenspätsaaten bietet sich auch die Möglichkeit an, die Ackerfuchsschwanz- oder Windhalmbekämpfung mit der ersten CCC-Gabe zu kombinieren, vorausgesetzt der Winterweizen befindet sich zumindest zu Beginn der Bestockung und zeigt bereits eine deutliche Wurzelbildung (Kronenwurzel über 3 cm). Beachten Sie dabei, dass bei Kombinationen von CCC mit Atlantis oder auch Broadway die Aufwandmenge des Wachstumsreglers auf 0,5 bis 0,6 l/ha in Weizen reduziert werden sollte. Ebenso ist in diesen Spätsaaten sicherzustellen, dass Ungräser und Unkräuter bereits aufgelaufen sind, da die genannten Präparate überwiegend blattwirksam sind.

Zuckerrüben

Die stabile Hochdruckwetterlage der vergangenen Tage wurde verstärkt zur Zuckerrübenaussaat genutzt. Herbizidmaßnahmen in Zuckerrüben haben sich in der Regel in den Auflauf der Unkräuter (Keimblattstadium) bewährt. Vorauflaufanwendungen mit Chloridazon- oder Metamitron-haltigen Präparaten wären nur unter feuchten Bodenbedingungen berechtigt, wenn ein überdurchschnittlich starker Besatz an Ausfallraps oder auch Hundspetersilie zu erwarten ist.

Für Chloridazon-haltige Produkte wie Rebell, Pyramin WG oder Terlin DF sollte die Auflage NG 407 Beachtung finden, dies bedeutet keine Anwendung Chloridazon-haltiger Produkte auf reinem Sand, schwach schluffigem Sand oder schwach tonigem Sand. Zudem sollten diese Wirkstoffe in Wasserschutzgebieten und Gebieten zur Trinkwassererzeugung nicht zum Einsatz gelangen. In den übrigen Gebieten sollte der Einsatz von Chloridazon-haltigen Präparaten auf das notwendige Maß begrenzt sein.

Bei frühe Zuckerrübensaaten muss bei den derzeit niedrigen Bodentemperaturen mit verzögerter Keimung und Auflauf gerechnet werden. Daher sind intensive Kontrollen auf Waldmäuse erforderlich. Waldmäuse graben gleich nach der Saat die Rübenpillen aus und fressen die Samenanlagen. Da die Mäuse die Pillen reihenweise über längere Strecken knacken können, entsteht oft großer Schaden. Daher ist unverzüglich nach der Zuckerrübensaat das Auslegen einer Ablenkfütterung aus keimunfähigen Getreide- oder Sonnenblumensamen empfehlenswert.

 
 
Lesen Sie hierzu auch
  • Produktion und Förderung Hofreport: Vom Acker des Eichhofs
  • Aus der Wirtschaft In Arbeit: Herbizidtolerante Zuckerrüben
  • Video Hofreport - Folge 2: Vom Acker des Eichhofs
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Keywords Herbizide | Pflanzenschutz | Wintergetreide | Winterraps | Wintersaat | Zuckerrüben
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