Freitag, 25.05.2012
Putenhalter überarbeiten "Bundeseinheitliche Eckwerte"
Berlin - Der Verband Deutscher Putenerzeuger (VDP) hat die Überarbeitung der "Bundeseinheitlichen Eckwerte" angestoßen. Das freiwillige Regelwerk ist für die Putenbranche bindend.
Politiker, Wissenschaftler und Tierschützer lädt der Verband Deutscher Putenerzeuger dazu ein, sich an der Überarbeitung der bundeseinheitlichen Eckwerte zur Putenerzeugung zu beteiligen.
© agrar-press
Zu den Beratungen
hat der Verband Deutscher Putenerzeuger (VDP), der selbst Mitglied im Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft
(ZDG) ist, nicht nur Experten aus Wissenschaft, Politik und
Wirtschaft an einen Tisch geholt, sondern insbesondere auch
Vertreter von Tierschutzorganisationen: "Uns ist wichtig, mit allen
relevanten gesellschaftlichen Institutionen gemeinsam und
konstruktiv an einer kontinuierlichen Weiterentwicklung sämtlicher
Aspekte der deutschen Putenwirtschaft zu arbeiten", erklärte
der VDP-Vorsitzende und ZDG-Vizepräsident Thomas Storck
vergangene Woche in einer Presseinformation.
Nach dem Auftakt
der Beratungen im März 2011 widmeten sich aktuell rund
30 Experten in Unterarbeitsgruppen den Themen Haltungsbedingungen,
Tiergesundheit und Tierbetreuung. Voraussichtlich Mitte
2012 wolle man mit einem neuen Regelwerk zu einem Abschluss
der Beratungen kommen.
Tierschützer werden als wichtige Gesprächspartner bezeichnet
Den Tierschutz als aktiven Partner mit
ins Boot zu holen, sei den Putenerzeugern ein besonders wichtiges
Anliegen gewesen, betonte Storck. Schon die ursprüngliche
Fassung der Eckwerte aus dem Jahr 1999 sei von Vertretern der
Tierschutzorganisationen ebenso begleitet worden wie die nachfolgenden
Beratungen in den Jahren 2004 und 2005. "Tierschutzexperten
sind seit mehr als einem Jahrzehnt wichtige
Gesprächspartner für die deutsche Putenwirtschaft", hob der
VDP-Vorsitzende hervor. Storck wollte allerdings nicht verhehlen,
dass die zum Teil drastischen Forderungen der Tierschutzorganisationen
deutliche Kraftanstrengungen von der Branche
verlangten: "Das stellt eine Herausforderung dar; vor allem aber
sind wir froh über den gemeinsamen Willen zu einer Lösung."
Wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen
Laut VDP werden in dem aktuellen Beratungsprozess sämtliche
Aspekte der Putenhaltung aufgrund neuester wissenschaftlicher
Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen untersucht.
So spielten in der Unterarbeitsgruppe "Haltungsbedingungen"
Parameter wie Licht, Stallklima, Einstreu, Futter, Wasser,
Stallstrukturierung und Besatzdichte eine Rolle. Kannibalismus
und Federpicken, Schnabelbehandlung und Medikamenteneinsatz
würden in der Unterarbeitsgruppe "Tiergesundheit/
Fitness/Verhalten" detailliert beleuchtet, ebenso Mortalität,
Fütterung, Rückmeldung aus Schlachtbetrieben und Lokomotion.
Die Mitglieder der dritten Unterarbeitsgruppe "Tierbetreuung/
Kontrolle" befassten sich unter anderem mit Sachkunde,
Umgang mit kranken Tieren und Dokumentation.
Eckwerte haben einen rechtsähnlichen Charakter
Seit ihrer
Etablierung im Jahr 1999 hätten die "Bundeseinheitlichen Eckwerte"
einen rechtsähnlichen Charakter erlangt und wesentlich
zu einer bundesweiten Anhebung des Tierschutzniveaus in der
Putenhaltung beigetragen, betonte Storck. Die freiwillige
Selbstverpflichtung der Branche auf ein Regelwerk zur Putenhaltung
sei in dieser Detailgenauigkeit in Europa einzigartig
und fülle ein bis dato existierendes rechtliches Vakuum, denn
bis heute fehlten europaweit einheitliche rechtsverbindliche
Vorgaben an die Putenhaltung. "Wir unterstützen ausdrücklich
Forderungen nach einer Schaffung von EU-weiten Regelungen
im Rahmen der europäischen Tierschutzpolitik", betonte
Storck, der in den Eckwerten durchaus eine Vorbildfunktion
für eine europaweite Regelung im Sinne einer "EU-Putenhaltungsrichtlinie"
erkennt. Die deutschen Eckwerte für die Hähnchenhaltung
seien damals Vorbild für die "EU-Hähnchenhaltungsrichtlinie" geworden.
AgE
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