Brüssel - Für den Absatz von Nichtquoten-Zucker hat die EU-Kommission verschiedene Vermarktungswege geöffnet. 400.000 Tonnen EU-Zucker ohne Quote sollen auf dem Binnenmarkt verkauft werden.
Agrarkommissar Dacian Ciolos ist der Meinung, dass das Quotensystem beim Zucker an seine Grenzen stößt.
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Nach einer Entscheidung am Donnerstag im Verwaltungsausschuss in Brüssel beträgt die Überschussabgabe 85 Euro je Tonne und die Verkaufsmenge wird auf 50.000 Tonnen pro Antragsteller beschränkt.
Weiterhin erhöht die Kommission die mögliche Ausfuhrmenge in Drittländer von bisher 650.000 Tonnen Nichtquoten-Zucker um 700.000 Tonnen auf 1,35 Millionen Tonnen und schöpft damit den von der WTO vorgegebenen Rahmen aus. Schließlich wird der Import von Zucker ausgeschrieben. Im Dezember können zunächst nur "Vollzeitverarbeiter" auf den Import von Rohzucker bieten. Ab Januar sind Gebote von allen möglich, die Zucker auf dem Weltmarkt kaufen möchten.
Die Kommission will mit den drei Maßnahmen sicherstellen, dass die rund fünf
Millionen Tonnen Zucker in der EU ohne Quote abgesetzt werden. Lediglich ein
Überhang von 450.000 Tonnen soll ins kommende Wirtschaftsjahr genommen
werden.
EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos erklärte, das Quotensystem müsse
bald abgeschafft werden, um dem Markt die Steuerung zu überlassen.
"Die zyklische EU-Zuckermarkt-Situation zeigt einmal mehr die Grenzen
der Quotenregelung und ihre strukturellen Mängel. Zudem behindern sie
die Produzenten. Obwohl diese in den letzten Jahren sowohl auf dem
europäischen Markt als auch auf den Weltmärkten ihre
Wettbewerbsfähigkeit bewiesen haben. Ein Ende der Quoten bedeutet nicht,
dass Marktmaßnahmen auslaufen. Parallel zum Auslaufen der
Quotenregelung habe ich modernisierte Marktinstrumente mit echten
Sicherheitsnetzen vorgeschlagen. Die unter anderem die
Erzeugerorganisationen stärken und verbindliche Verträge, vor der
Aussaat, zwischen Erzeugern und Verarbeitern vorsehen", erklärte der
Agrarkommissar.
Versorgungssicherheit mit Zucker
"Das primäre Ziel ist es die Versorgung des EU-Marktes sicherzustellen.
Sowohl durch Import-Erleichterungen als auch durch die Freigabe von
Nichtquoten-Zucker innerhalb der EU wurden äußerst effiziente Maßnahmen
gesetzt, zusätzliche Mengen für den europäischen Markt zu sichern",
erklärte ein Sprecher der Kommission.
Nichtquoten-Zucker - in der Regel für den EU-Lebensmittel-Markt nicht
zugelassen - ist an und für sich für den Export, Bio-Ethanol oder die
chemische Industrie vorgesehen. Jene Menge, die keine Verwendung findet,
wird auf das nächste Wirtschaftsjahr übertragen, wodurch die
Produktionsquote in diesem Jahr dementsprechend reduziert wird.
Hohe
Weltmarkpreise - wie im letzten Jahr - führen dazu, dass die benötigten
Zuckermengen im Rahmen der bestehenden Einfuhrbestimmungen nicht gedeckt
werden können. Dieser Mangel kann auf zwei Arten gelöst werden:
Entweder durch zusätzliche Importe oder durch eine Freigabe von
Nichtquoten-Zucker für den Binnenmarkt. Damit alle Beteiligten in der
Zuckerindustrie profitieren hat die Generaldirektion Landwirtschaft
beide Maßnahmen vorgeschlagen.
Der Zuckerkonsum am EU-Lebensmittel-Markt liegt ziemlich stabil bei 16,5
Millionen Tonnen. Bei einer Produktionsmenge von 13,7 Millionen Tonnen sind Zuckerimporte
notwendig. Im Rahmen der "Everything But Arms " (Alles außer
Waffen)-Vereinbarung haben Exporteure aus den wenigsten entwickelten
Ländern unbegrenzten zollfreien Zugang zum EU-Markt. Zusätzlich bestehen
für diese Staaten günstige Importquoten-Arrangements, an denen die EU
aber einen Importzoll von 329 bis 419 Euro je Tonne hält. "Ein
Auslaufen der Zuckerquoten ist eine logische Weiterentwicklung der
Zuckermarkt-Reform aus dem Jahr 2006 und der "Everything But Arms"-Vereinbarung", betont Ciolos.