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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Pflanze » Ölsaaten » Rapsbilanz-EU ]
Freitag, 25.05.2012
Ölsaaten | 06.06.2011 Redaktion agrarheute.com

Raps: Trockenheit dämpft Ertragsaussichten

Warberg - Die Mengenschätzungen für die europäische Rapsernte werden immer weiter nach unten korrigiert. Die EU bleibt deshalb auf umfangreiche Drittlandsimporte angewiesen.
Die Bayern-LB hat ihre Produktreihe 'Rohstoffabsicherung' erweitert.© Mühlhausen/landpixel
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Die Bayern-LB hat ihre Produktreihe 'Rohstoffabsicherung' erweitert.
© Mühlhausen/landpixel
Oliver Balkhausen vom Hamburger Handelshaus Toepfer International rechnet in den 27 EU-Partnerländern zur demnächst anlaufenden Rapsernte 2011 mit einem Aufkommen von weniger als 19 Millionen Tonnen Rapssaaten, nach 20,7 Millionen Tonnen im Jahr davor.
 
Das amerikanische Landwirtschaftsministerium weist die EU-Rapsernte 2011 bisher noch mit 20,0 Millionen Tonnen aus, was aber ebenfalls nicht annähernd für eine vollständige Bedarfsdeckung aus eigener Produktion reichen würde. Damit bleibt die EU im kommenden Wirtschaftsjahr auf umfangreiche Drittlandsimporte angewiesen, die Balkhausen beim diesjährigen Futtermittelhandelstag auf mehr als drei Millionen Tonnen bezifferte.

Enge Versorgungsbilanz führt nicht zwangsläufig zu steigenden Preisen

Die absehbar enge Versorgungsbilanz muss aber nicht zwangsläufig zu weiter steigenden Rapsnotierungen führen: "Das Preisniveau ist schon jetzt sehr hoch", betonte Balkhausen vor 120 Branchenvertretern auf Burg Warberg.
 
Ihren Zukaufbedarf haben die europäischen Ölmühlen in den vergangenen Jahren zumindest teilweise in der Ukraine gedeckt. Dort wächst aufgrund von Auswinterungsschäden nur eine mittlere Rapsernte von 1,7 Millionen Tonnen heran, was wenig Raum für umfangreiche Exporte in die EU lässt. Alternative Herkünfte wären Balkhausen zufolge Australien sowie gegebenenfalls Kanada, wo die Canola-Aussaat durch anhaltende Regenfälle weit hinter dem normalen Zeitplan zurückliegt.

Schäden durch extreme Trockenheit

Der Marktexperte von Toepfer International begründete seine pessimistische Mengenschätzung für die EU-Rapsernte mit der extremen Frühsommertrockenheit in Frankreich sowie Teilen Deutschlands. Der Raps sei im Herbst vielerorts zu spät in den Boden gekommen und durch den harten Winter bereits vorgeschädigt gewesen.
 
Durch die wochenlange Trockenheit seit März seien mittlerweile irreversible Ertragsschäden beim heranwachsenden Raps entstanden. Besonders kritisch ist die Situation dem Marktexperten zufolge in Frankreich, wo es seit Anfang April regional nicht einmal 30 mm Niederschlag gegeben hat.
 
Die deutsche Rapsernte 2011 sieht man bei Toepfer International aktuell in einer Spanne zwischen 4,40 und 4,80 Millionen Tonnen. Das Hamburger Handelshaus schätzt damit etwas optimistischer als der Deutsche Raiffeisenverband (DRV), der die hiesige Winterrapsernte Mitte Mai auf 4,44 Millionen Tonnen taxiert hatte, was um knapp 23 Prozent unter dem Druschergebnis von 2010 liegen würde.

Versprittung als Preistreiber?

Raps: Trockenheit dämpft Ertragsaussichten
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Raps: Trockenheit dämpft Ertragsaussichten
Auf der Verbrauchsseite geht man bei Toepfer davon aus, dass die Verwendung pflanzlicher Öle in der EU 2011/12 gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozent auf 24,7 Millionen Tonnen ansteigen wird. Davon werden Balkhausen zufolge rund 13 Millionen Tonnen pflanzliche Öle zur Herstellung von Nahrungsmitteln abgezweigt, ein seit vielen Jahren nahezu konstanter Wert.
 
Dagegen wachse die Nachfrage nach Pflanzenöl zur Herstellung von Biodiesel äußerst dynamisch. Seit dem Wirtschaftsjahr 2005/06 habe sich der Rohstoffbedarf der Biodieselhersteller auf 10,3 Millionen Tonnen Pflanzenöl mehr als verdoppelt. Die Rapsernte 2011 sei ebenso wie die potentiellen Importmengen zu gering, um die Erfüllung der europäischen Biodiesel-Mandate vollständig garantieren zu können.
 
Die energetische Verwertung von Rapssaaten erweise sich damit als Preistreiber, weshalb sich zunehmend Widerstand gegen eine noch weiter zunehmende Rapsversprittung rege.

Rapsschrot senkt Importabhängigkeit bei Sojamehl

Die akute Knappheit an Rapssaaten in der EU und das damit einhergehende hohe Preisniveau könnte kurzfristig auch den zuvor über Jahre dynamisch wachsenden Rapsschrotverbrauch in der Europäischen Union dämpfen, vermutet der Marktexperte. Auf lange Sicht werde der Rapsschrotverbrauch aber wieder zunehmen, von zuletzt 13 Millionen Tonnen auf geschätzte 15 Millionen Tonnen im Jahr 2020.
 
Positiver Nebeneffekt: Die Importabhängigkeit beim Sojamehl würde durch den vermehrten Einsatz von Rapsschrot zumindest nicht weiter wachsen. Preisbestimmend bei den Rapssaaten ist Balkhausen zufolge eindeutig die Energiekomponente, während das Rapsschrot eher ein Nebenprodukt darstellt.

Sonnenblumen- und Sojamarkt

Raps: Trockenheit dämpft Ertragsaussichten
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Raps: Trockenheit dämpft Ertragsaussichten
Entlastung für den knapp versorgten Rapsmarkt könnte von den Sonnenblumensaaten kommen, da im Schwarzmeerraum eine große Sonnenblumenernte heranreift. In Russland und der Ukraine sei 2011 ein Aufkommen von 15,9 Millionen Tonnen Sonnenblumensaaten denkbar, nach nur 13,5 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr. In welchem Umfang Sonnenblumenextraktionsschrot teures Raps- und Sojaschrot substituieren könne, müsse allerdings abgewartet werden.
 
Alles andere als komfortabel versorgt startet auch der globale Sojamarkt in die Saison 2011/12. Die weltweit steigende Nachfrage nach Bohnen und den Nachprodukten Sojaöl und -schrot kann nach Berechnungen von Toepfer International in der neuen Kampagne nur dann vollständig aus der laufenden Produktion gedeckt werden, wenn 2011 in den USA Rekorderträge eingefahren werden.
 
Das Verhältnis zwischen Beständen und Verbrauch - die sogenannte Stocks-to-Use-Ratio - liegt in den USA am Ende der laufenden Saison voraussichtlich bei extrem niedrigen 3,9 Prozent. Über die neue Ernte hinaus würden die Bestände also rein statistisch nur für 14 Tage zur Versorgung des amerikanischen Marktes ausreichen. Bei einem neuen Ertragsrekord von 44,8 bu/acre (28 dt/ha) bei der US-Sojaernte 2011 würde die bei Marktanalysten stark beachtete Kennzahl auf 5,4 Prozent steigen, was immer noch als kritischer Wert gilt.
 
Der vermutlich weiter zunehmende Export von US-Bohnen Richtung China lasse keine schnelle Entspannung bei der amerikanischen Sojabilanz erwarten. Balkhausen geht davon aus, dass der Rohstoffhunger der chinesischen Veredelungsindustrie langfristig weiter wächst. Bis zum Jahr 2020 könnten Sojaschrotimporte von mehr als 56 Millionen Tonnen notwendig sein, sollte die chinesische Eigenproduktion tatsächlich bei den bisher erreichten knapp zehn Millionen Tonnen stagnieren.
AgE/pd
Fachbeitrag zum Thema:
Redaktion DLZ Geballte Informationen im Sortenführer
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