Die Problematik beim Herbizid-Einsatz im Raps besteht in der engen Verwandtschaft zwischen Raps und Kreuzblütlern wie Hirtentäschel und Raukenarten.
Anwohner aus Mecklenburg-Vorpommern klagten über Atembeschwerden und Benommenheit und führten dies auf die Anwendung von Pflanzenschutzmittel zurück.
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Damit ist der Grat zwischen Wirkung gegen die Unkrautkonkurrenz und Schaden für die Kulturpflanze Raps ausgesprochen eng.
Die Spritzung mit clomazonehaltigen Mitteln führt häufig zu einem starken Ausbleichen des auflaufenden Rapses (davon ist vor allem das erste Laubblattpaar betroffen). Dies kann im Fall einer kühlen Witterung im Herbst dazu führen, daß der mit Clomazone behandelte Raps bis zum Vegetationsende um zwei Blätter in der Entwicklung hinterherhinkt.
Verlust des UV-Schutzes durch Clomazone
Clomazone gehört zur Gruppe der Karotin-Synthese-Hemmer. Dadurch geht der Schutz vor UV-Strahlen verloren. Wenn das Clomazone im Vorauflauf gespritzt wird, nimmt der Raps beim Durchstoßen des Clomazone-Films auf dem Boden nur wenig Wirkstoff über die Keimblätter auf und kann diesen abbauen. Es hat aber den Anschein, daß ein Teil des Clomazones durch massive Niederschläge in die Wurzelzone eingewaschen und durch den Raps aufgenommen wird.
Erfolgt die Spritzung zu spät, werden die Keimblätter beim Durchstoßen der Bodenoberfläche direkt durch die Spritzbrühe getroffen. Der Keimling kann noch vor dem Auflaufen im ungenügend rückverfestigten losen Boden mit der Spritzbrühe in Kontakt kommen. Wenn gleichzeitig kühle Witterung das Wachstum und die Enzymbildung im Keimblattstadium beeinträchtigen, wird der Wirkstoff zu langsam abgebaut. Der Raps reagiert dann auf die UV-Strahlung mit einem Ausbleichen der Blätter.
Zudem entwickelt das Clomazone eine Dampf-Phase, die sich wenige Zentimeter über den Boden legt. Bei kühlem
Wetter mit geringer Verdunstung bleibt der Wirkstoff in dieser Gas-Schicht stärker konzentriert. Wächst der auflaufende Raps in diese Zone hinein, nimmt er ebenfalls das Clomazone direkt auf.
Chloroacetamide greifen in die Zellteilung ein
Anders beim Metazachlor oder Dimethachlor: Diese Wirkstoffe gehören wie das Dimethenamid zur Gruppe der Chloroacetamide. Die Chloroacetamide hemmen die Keimlingsentwicklung und greifen in die Zellteilung ein. Die Wirkstoffe werden über die Wurzel und das Hypokotyl aufgenommen. Der Raps kann diese Wirkstoffe mit Hilfe von Enzymen schnell abbauen. Es kann jedoch zu Schäden kommen, wenn die wasserlöslichen Wirkstoffe durch Niederschläge in die Wurzelzone gelangen.
Das Schadrisiko wird verstärkt durch ungenügende Schwefel-Versorgung des Bodens. Schwefel ist Bestandteil des Enzyms, dass diese Wirkstoffe abbaut. Der Raps braucht länger, um sich vom Herbizidstreß zu erholen.
Bei ergiebigen Niederschlägen Aufwandmenge reduzieren
Sind regelmäßig nach der Rapsaussaat ergiebige Niederschläge zu erwarten, sollten metazachlorhaltige sowie dimethachlorhaltige Mittel auf Böden mit weniger als zehn Prozent Ton nicht mit voller Aufwandmenge gespritzt werden, um das Risiko für den Raps zu minimieren.
Die Schäden durch die Chloroacetamide beginnen sich durch ein Aufhellen der Rapspflanzen abzuzeichnen, die dann später von den älteren Blättern ausgehend gelb werden. Die Herzblätter können sich rötlich verfärben.
Das Napropamid im Colzor Trio gehört zu den Acetamiden, die sich vor allem durch die geringe Wasserlöslichkeit von den Chloroacetamiden unterscheiden. Das mit dem Colzor Trio im Vorauflauf gespritzte Napropamid bleibt somit an der Bodenoberfläche und hat eine längere Wirkung gegen flach keimende Unkräuter (zum Beispiel Kamille, Windhalm), die auch später noch keimen können.
Bei den besser wasserlöslichen Wirkstoffen (Metazachlor, Dimethachlor, Dimethenamid) besteht dagegen das Risiko, daß sie aus der Keimzone der Unkräuter gewaschen werden, u.U. Schaden am Raps anrichten und trotzdem wie im Vorjahr keine ausreichende Wirkung haben, wenn die Konzentration in den obersten Zentimetern durch Regen zu stark herabgesetzt wurde.