Frankfurt - Wie aus einer DLG-Studie hervorgeht, ist für Verbraucher Regionalität gleich nach dem Preis das wichtigste Kaufkriterium.
"Regionalität" ist ein Mega-Trend, in dem ein großes Potenzial an Wertschöpfung für Handel und Industrie steckt: Für 96% der deutschen Handelsunternehmen ist sie von zentraler Bedeutung. Sie rangiert gleich hinter dem Dauerbrenner "Kostendruck" auf Rang zwei der wichtigsten Themen. Bei den Konsumenten rangiert Regionalität noch vor "Bio" und "Nachhaltigkeit" an erster Stelle. Sie verbinden mit diesem Begriff die Authentizität und hohe Qualität von Produkten. Das geht aus einer neuen Studie der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) hervor.
Das Thema "Regionalität" ist in den verschiedenen Gebieten Deutschlands unterschiedlich fest verwurzelt und geprägt. Diese differenzierte Wahrnehmung zwingt Lebensmittelproduzenten zu unterschiedlichen Positionierungs-Strategien. Traditionsmarken repräsentieren aus Verbrauchersicht am stärksten den Begriff "Regionalität". Eigenmarken des Handels sind dagegen als "Regionalitäts-Botschafter" noch nicht stark genug beim Verbraucher verankert, heißt es in der Studie.
Unterschiede in den Ländern
Von den deutschen Verbrauchern wurde das Thema "Regionalität" in den letzten fünf Jahren mit wachsendem Interesse verfolgt wird. 86% der befragten Konsumenten haben von diesem Begriff gehört. Vor allem die Produktkategorien Obst und Gemüse, Geflügel und Eier, Fleisch und Wurstwaren sowie Milchprodukte werden mit diesem Begriff verbunden, wobei es hier Länder-Unterschiede gibt. In der Region BRD-Süd rangieren Bier in Bayern und Wein in Baden-Württemberg deutlich höher als jedwede Art von Getränken in anderen Bundesländern. Aus der Studie geht weiters hervor, dass 42% der Befragten aufgrund der Sensibilität für die eigene "Regionalität" auch Interesse an anderen Regionalprodukten haben.
Regionalität ist hoch emotional besetztes Thema
Die Studienautoren ziehen aus den Befragungsergebnissen den Schluss, dass Regionalität ein hoch emotional besetztes Thema ist, das es entsprechend zu inszenieren gilt. "Obwohl Markenentscheidungen Bauch-Entscheidungen sind und zu 80 bis 90% emotional getroffen werden, verlassen sich die deutschen Kunden bei der Produktauswahl gerne auf Qualitätssiegel", wird betont. Die Mehrheit der Konsumenten (69%) würde es begrüßen, wenn es ein solches Siegel für regionale Erzeugnisse gäbe.
Die Frage "Was dürfen regionale Produkte mehr kosten?" wurde unterschiedlich beantwortet: Befragte aus dem Süden der BRD und solche aus mittleren und oberen Sozial-Milieus würden 5 bis 10% mehr zahlen, gar nicht wenige sogar 15%. Im Osten ist man dagegen der Meinung, dass Regionalität keine Mehrkosten verursachen darf.
Mit einem Anteil von 45% steht die Regionalität in der Wichtigkeit der Themen bei den deutschen Verbrauchern eindeutig an erster Stelle, noch vor "Bio" (22%) und "Nachhaltigkeit" (21%). "Regionalität ist keine Modeerscheinung, sondern ein langfristiger Megatrend. 61% der Konsumenten glauben, dass uns dieser Begriff noch über die nächsten zehn Jahre beschäftigen wird", heißt es in der Studie. 97% der Verbraucher geben übrigens an, regionale Produkte zu kaufen, weil sie explizit aus dem persönlich definierten Gebiet stammen. Regionale Erzeugnisse sind in der Verbraucherwahrnehmung vor allem frische Landwirtschaftsprodukte, für die gerne, sofern man es sich leisten kann, mehr Geld ausgegeben wird.
Mit Besonderheiten der Region auseinandersetzen
Die Studienautoren geben den Lebensmittelproduzenten und dem Handel folgende Empfehlungen: "Regionalität entfaltet seine volle Kraft nur durch die kommunikative Inszenierung des Themas durch emotionale Werbung und ein aufmerksamkeitsstarkes Packaging (Produktaufmachung, Verpackung usw.)." Dabei gelte es, sich im Vorfeld mit Besonderheiten der eigenen Region auseinanderzusetzen und die authentischen Wurzeln der eigenen Marke in diesem Gebiet zu definieren. Regionale Lebensmittel sollten eine eindeutige visuelle Kennzeichnung, am besten ein Qualitätssiegel tragen, wird betont.
Die DLG-Studie 2011 "Regionalität aus Verbrauchersicht" wurde in Zusammenarbeit mit der Agentur taste! im Juli und August 2011 erstellt. Sie kann um EUR 75,- (plus MwSt.) bei der Mailadresse G.Oppenhaeuser@DLG.org angefordert werden.