Ulrich Albes aus Nienstädt im Landkreis Schaumburg ist Tischler. Neben Möbelneubau und allgemeinen Innenausbau restauriert er „Schätze“ aus vergangener Zeit. Aus Alt wird Neu - mit viel Gefühl und einer großen Portion Leidenschaft bringt er die antiken Möbel wieder auf Vordermann.
Filigrane Handarbeit - vom Feinsten
Die Sonne scheint durch die Fenster in das kleine Fachwerkhaus von Albes. Das Sägemehl wirbelt durch die Luft und vermischt sich mit der Stimme der norwegischen Musikpoetin Kari Bremnes. „Bei der Arbeit höre ich gern die Lieder dieser Sängerin“, erklärt Albes und summt leise mit. Er wischt seine Hände an seiner schwarzen Zimmermannshose ab, nimmt ein Tuch und poliert vorsichtig mit Schellack, einer harzigen Substanz, die Oberfläche eines Schubkastens. Er geht einen Schritt zurück und betrachtet erfreut das Ergebnis: „Vorher - Nachher, einfach wunderbar.“
Der gelernte Zahntechniker hat sich vor etwa 20 Jahren zum Tischler umschulen lassen und sich kurz darauf selbstständig gemacht. „Ich habe schon Jahre zuvor einige antike Möbel meiner Eltern restauriert. Mir hat das so viel Spaß gemacht. Also dachte ich: Warum wirst Du nicht Tischler?“ Gesagt getan. Gemeinsam mit Freunden und Familie baute er neben seinem Wohnhaus eine kleine Werkstatt auf.
Im neuen Glanz
Albes bietet verschiedene Dienstleistungen an: vom Möbelneubau bis zur Restauration alter Stücke, allgemeinen Innenausbau sowie Einbau von Fenster und Türen. „Doch besonders gern restauriere ich aber antike Möbel“, verrät er.
In seiner Werkstatt stehen und liegen die Bestandteile eines antiken Sekretärs von etwa 1870: Biedermeier. Ein Schmuckstück aus Esche, das schon in wenigen Tagen im neuen Glanz erstrahlen soll. „Es wartet viel Arbeit auf mich. Holzwürmer haben das Innenleben, das aus Birnbaum besteht, zerstört“, kommentiert er das kaputte Holz, das ganz oder teilweise ausgetauscht werden muss.
Bis zur Übergabe an die Besitzer muss Albes Belege und Schlösser polieren, kaputte Hölzer auswechseln, die Oberflächen ablaugen oder per Hand polieren und alles wieder zusammensetzen. Er schaut auf seinen Kalender. „Etwa acht Tage brauche ich für diese Restauration“, rechnet Albes. Viel zu tun.
Die Stimme von der norwegischen Musikerin ist nicht mehr zu hören, denn der ambitionierte Tischler hat die große Standfräse angeschmissen, um eine Holzverbindung - auch Schwalbenschwanz genannt - herzustellen. „Ich habe eine ganz normale Tischlereigrundausstattung“, ruft er gegen den Lärm an und zeigt auf verschiedene Maschinen: Abrichter, Langbandschleifer, große und kleine Formatsäge, Standfräse und ein Diktenhobel.
Das Dröhnen der Fräse verstummt. Er streicht langsam über das gefräste Holzstück: „Ich möchte das Holz spüren, deshalb versuche ich so viel, wie möglich per Hand zu arbeiten.“
Beeindruckende Besitzer
Zehn Tage später ist es endlich soweit. Albes klingelt aufgeregt bei den Besitzern. Im Anhänger und Kofferraum sind die restaurierten Einzelteile vorsichtig verstaut.
Für das Schmuckstück wird im neu renovierten hellen Wohnflur eines Bauernhauses der perfekte Standort gesucht. Stolz schaut er sich das restaurierte Werk an und wendet sich an die Eigentümer: „Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Dieses Möbelstück ist einfach ein Traum.“ Der Sekretär mit Bauernmalerei auf der Scheibe war damals ein Hochzeitsgeschenk. Das genaue Baujahr muss allerdings noch recherchiert werden. „Sie können sich ein mittelgroßes Loch in den Bauch freuen“, sagt Albes und strahlt das Ehepaar an, die fasziniert und zufrieden ihr neues altes „Juwel“ betrachten.