München - Trotz beschlossenem Quotenausstieg und volatiler Märkte können Milchviehhalter einiges aus ihrem Betrieb holen. Dr. Gerhard Reßler gibt Tipps für eine effiziente Milchproduktion.
Die Abgangsrate auf Milchviehbetrieben liegt durchschnittlich bei 37 Prozent.
© schemmi/pixelio
Der Quotenausstieg 2015 sowie die volatilen Märkte für Futter- und Betriebsmittelkosten, die sich ständig verändern, stellen die Beteiligten am Milchmarkt vor weitere Herausforderungen. Die Gewinnentwicklung pro Kuh hängt sehr stark von staatlichen Direktzahlungen ab. "Wir wissen heute, dass diese Direktzahlungen zwischen 50 und 60 Prozent (%) des Gewinnes darstellen. Ab 2013 werden sich die Zahlungsansprüche ebenfalls reduzieren, d.h. wir müssen auch hier mit Gewinneinbußen rechnen", erklärt Dr. Gerhard Reßler, Direktor des Europäischen Instituts für profitable Milchproduktion (ineda) und Fachtierarzt für Rinder im Gespräch mit agrarheute.com. "Uns bleibt also nur übrig, im noch höheren Maße effizient produzieren, d. h. laufend das Verhältnis zwischen Output und Input verbessern."
Reprorate minimieren
Obwohl viele Landwirte der Meinung sind, ein höherer
Milchpreis wäre die einzige Lösung, weiß Reßler andere Stellschrauben, an denen Milchproduzenten drehen können: "Die Abgangsrate von auf unseren Betrieben liegt bei durchschnittlich 37 %. 6 % aller aufgezogenen Kühe werden bereits in den ersten 2 Jahren gemärzt. Das ist einen hochgradig uneffiziente Situation, da müssen wir deutlich besser werden."
Vor allem in den Bereichen Eutergesundheit, Fruchtbarkeit, Klauengesundheit, Stoffwechselsituationen kann man die niedrige Reprorate, die sich laut Reßler zu 75 % aus Zwangsabgängen zusammensetzt verbessern.
Als Beispiel rechnet der Experte die Kosten eines durchschnittlichen Betriebes mit einer Milchleistung von 8.000 kg vor: "Bei einer Reprorate von 40 % wird pro Kilo Milch eine Belastung von 7 bis 7,50 Cent fällig. Wenn wir auf 20 bis 25 Prozent Reprorate zurückgehen, dann haben wir eine Belastung von 4 Cent. Bei 60 Kühen macht das einen Unterschied von knapp 12.000 im Jahr aus." Wichtig ist für ihn deshalb, dass man gleich gute oder noch bessere Leistungen mit einer weit höheren Nutzungsdauer kombiniert.
Keine Grenzen nach oben bei Milchleistung
Bei den hohen Milchleistungen sieht Reßler nach oben hin noch überhaupt keine Grenzen: "Hochleistungen machen den Kühen überhaupt kein Problem. Unsere Kühe werden durch eine schlecht versorgte Minderleistung kaputt gemacht." Der Grund hierfür ist, dass Landwirte oft mit der traditionellen Genetik nicht zurecht kommen.
Am Dienstag, den 15. November referiert Dr. Gerhard Reßler bei der Woche der bayerischen Erzeugergemeinschaften in Herrsching. In seinem Vortrag will er den teilnehmenden Landwirten zeigen, wie viel Geld noch am Stallboden liegt. Von Kälberaufzucht über Jungtieraufzucht bis zur effektiven Milchproduktion zeigt er dabei Möglichkeiten einer effizienten Produktion auf.
Einen kleinen Vorgeschmack können Sie hier als Podcast hören.
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Nähere Informationen zu der Woche der bayerischen Erzeugergemeinschaften erhalten Sie hier.
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