Samstag, 26.05.2012
Steigendes Interesse an russischem Getreide
Moskau - Nach Ablauf des russischen Ausfuhrverbots für Getreide Anfang dieses Monats haben die heimischen Exporteure nun wieder Hoffnung auf bessere Geschäfte.
Das Interesse anderer Länder an russischem Getreide nimmt zu.
© Olaf Kühn/pixelio.de
Bei den staatlichen Ausschreibungen vergangene Woche in Ägypten und Jordanien hat Russland die Lieferrechte für 180.000 Tonnen beziehungsweise 150.000 Tonnen Weizen erhalten. Experten werteten insbesondere die Rückkehr auf den ägyptischen Markt als Durchbruch. Die dortige staatliche Getreideagentur GASC hatte sich mit dem von Moskau im vergangenen August verhängten Exportstopp unzufrieden gezeigt und bis zuletzt keine Angebote russischer Ware an ihren Ausschreibungen zugelassen.
Insgesamt entwickelten sich die Ausfuhren bis Mitte der vergangenen Woche eher enttäuschend. So beklagte die Russische Getreideunion, dass die heimische Ware an den internationalen Märkten nur mit deutlichen Preisnachlässen abgesetzt werden könne. Dennoch rechnen Marktexperten damit, dass im Juli 1,5 Millionen Tonnen bis 2 Millionen Tonnen russischen Getreides an den internationalen Märkten abgesetzt werden könnten.
Die staatliche Vereinigte Getreidekompanie (OZK) teilte mit, sie habe erste Exportverträge nach dem Ablauf des Ausfuhrverbots geschlossen. Im Juli will OZK etwa 100 Tonnen Getreide ins Ausland liefern, vor allem in die Mittelmeerregion. Angesichts der am Binnenmarkt gesunkenen
Getreidepreise schließen einige Marktexperten baldige Interventionsankäufe nicht aus. Das russische Landwirtschaftsministerium teilte allerdings mit, der Markteingriff sei vorerst nicht geplant. Sollten es die Rahmenbedingungen notwendig machen, werde hierüber kurzfristig entschieden.
Preisentwicklung führt zu Stornierungen
Unterdessen gab die OZK die Ergebnisse der von Februar bis Juni vorgenommenen Interventionsverkäufe von Getreide an der
Warenbörse bekannt. Danach sind auf diesem Weg rund 917.100 Tonnen Getreide
für insgesamt etwa 6,04 Milliarden Rubel (149,7 Millionen Euro) an zusammen ungefähr
600 Käufer veräußert worden. Inzwischen ist die Übergabe dieser Mengen
abgeschlossen.
Außerdem sind gemäß einem Regierungsbeschluss über den
Verkauf von 920.000 Tonnen Getreide aus dem Interventionsfonds ohne
Ausschreibungen an Interessenten in Moskau, Sankt Petersburg und den
umliegenden Provinzen insgesamt 777.600 Tonnen Getreide veräußert worden. Die
gesamte vorgesehene Menge konnte nicht realisiert werden, weil ein Teil
der Käufer die zuvor geschlossenen Verträge angesichts der
Preisentwicklung am freien Markt storniert hatte.
Noch nicht
abgeschlossen sind dagegen die Verkäufe von weiteren 210.000 Tonnen Interventionsgetreide, das in Speicherbetrieben gelagert war, die
inzwischen Insolvenz beantragt haben. Bis zur Mitte vergangener Woche
waren aus diesen Beständen erst 203.400 Tonnen abgesetzt.
AgE
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