Russland könnte seine Getreideexporte vor der neuen Ernte durch die Einführung von Exportzöllen regulieren. Experten rechnen damit allerdings nicht vor April.
Für alle Sommergetreidearten zusammen erwartet das ukrainische Landwirtschaftsministerium eine Anbaufläche von 9,5 Millionen Hektar.
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Zu dieser Einschätzung kommen verschiedene russische und internationale Marktanalysen angesichts der hohen Geschwindigkeit der russischen Getreideausfuhren. Nach Angaben des russischen Landwirtschaftsministeriums exportierte Russland von Juli bis Dezember 14,8 Millionen Tonnen (Mio. t) Weizen, 2 Mio. t Gerste, 0,75 Mio. Mais und 0,5 Millionen Tonnen sonstiges Getreide. Die Gesamtexporte erreichen damit gut 18 Mio. t. Bis Ende Januar halten Analysten ein Ausfuhrvolumen von 20 Millionen Tonnen für möglich. Damit nähert sich die Ausfuhrmenge immer schneller der Marke von 24 bis 25 Mio. t, bei der die russische Regierung die Einführung von Exportzöllen oder anderen Regulierungsmaßnahmen angekündigt hat.
Allerdings könnte die Geschwindigkeit der Exporte in den nächsten Wochen
auch zurückgehen, denn die wichtigsten Exportregionen in Südrussland
sind mittlerweile ziemlich "leergeräumt". Rund 85 Prozent (%) der gesamten
russischen Getreideausfuhren kommen nämlich aus den drei südrussischen
Regionen Krasnodar, Rostov und Stavropol. Die spürbare
Angebotsverknappung wird durch die steigenden russischen
Binnenmarktpreise bestätigt.
Das in den östlichen Provinzen (Ural und
Sibirien) vorhandene Getreide lässt sich hingegen - trotz niedrigerer
Preise - nicht gewinnbringend bis an die Verladehäfen am Schwarzen Meer
transportieren. Hinzu kommt, dass die Transportwege (Flüsse, Eisenbahn)
sowie die Häfen im Winter nicht den Umsatz erlauben, wie in der eis-
und frostfreien Jahreszeit. Und nicht zuletzt ist die Nachfrage nach
Getreide wegen der gewachsenen Geflügel- und Schweinebestände auch am
russischen Binnenmarkt ziemlich robust.
Importzölle nicht vor April
Sollte es jedoch zur einer Marktregulierung durch Exportzölle kommen,
halten die meisten Analysten eine Einführung nicht vor April für
wahrscheinlich. Dann wäre es bis zur neuen Ernte noch vier Monate. Ein
Rückgang der russischen Exporte würde die Wettbewerber an den
Exportmärkten jedenfalls stärken. Dies wären neben der Ukraine
sicherlich auch die Europäer und die USA.
In Argentinien sind die
Exportpreise für Weizen wegen der dortigen Trockenheit zuletzt kräftig
gestiegen und haben die Wettbewerbsfähigkeit der Südamerikaner spürbar
gemindert. Auch an diesem - im übrigen streng regulierten Markt - halten
Beobachter angesichts der erwarteten Ernterückgänge eine Verschärfung
der Ausfuhrbestimmungen für möglich.