Samstag, 26.05.2012
Putin begrenzt Getreideausfuhren
Moskau - Russland darf in diesem Wirtschaftsjahr höchstens 24 bis 25 Millionen Tonnen Getreide exportieren.
Im Vergleich zur ertragsarmen Saison 2010 liegt die Ernte 2011 in Kasachstan um 121,3 Prozent höher.
© hapo / www.landpixel.de
Das hat Ministerpräsident Wladimir
Putin klargestellt. Beim Erreichen der Höchstgrenze würden Exportzölle verhängt, kündigte
Putin am Dienstag vergangener Woche bei seinem Gespräch mit Landwirten in der Region Stawropol an. In dem Zusammenhang hat er die Exporteure davor gewarnt, Verträge für übermäßige Mengen abzuschließen, teilte der Moskauer Regierungspressedienst mit. Eine Intervention am Getreidemarkt in der bisher gewöhnlichen Form ist 2011/12 nach Putins Worten nicht mehr vorgesehen, dafür aber erstmals der staatliche Ankauf mit der für die Produzenten verbundenen Möglichkeit, die Ware später zurückzuerwerben.
Das Wirtschaftsministerium bevorzugt dagegen, eventuelle Exporteinschränkungen nicht von der schwer zu ermittelnden Ausfuhrmenge, sondern von der Entwicklung der
Getreidepreise am Binnenmarkt abhängig zu machen, wie der stellvertretende Ressortchef Andrej Klepatsch am gleichen Tag klarstellte. Man erwarte zwar einen Preisanstieg; dieser dürfte aber nicht zu stark sein. Klepatsch schloss dabei eine Situation nicht aus, bei der die Exporteinschränkung gar nicht erforderlich wäre. Dennoch habe das Ministerium seine Berechnungen für die flexiblen Ausfuhrzölle vorgelegt, die je nach der Entwicklung der Weltmarktpreise variieren sollten.
Exportpotential zur Hälfte ausgeschöpft
Seit Anfang des Wirtschaftsjahres sind aus Russland bis Mitte
vergangener Woche rund 12 Millionen Tonnen Getreide exportiert worden,
teilte der zuständige Abteilungsleiter im russischen
Landwirtschaftsministerium, Sergej Suchow mit. Sollte sich Moskau zur
Einführung von Exportzöllen auf Getreide entschließen, würde nach
Suchows Worten die gleiche Maßnahme auch den Zollunionspartnern
Weißrussland und Kasachstan vorgeschlagen. Allerdings überließen die
geltenden Vereinbarungen Minsk und Astana die Entscheidung darüber, ob
sie der Empfehlung folgen würden oder nicht, erläuterte der Beamte. Der
Exekutivsekretär des kasachischen Landwirtschaftsministeriums, Jewgenij
Aman, stellte daraufhin klar, sein Land plane 2011/12 keine
Exportverbote für irgendwelche landwirtschaftlichen Kulturen. Neben der
sich abzeichnenden Rekordernte von Getreide gebe es in Kasachstan
keinen Mangel an pflanzlichen Erzeugnissen. Die Produktion von Ölsaaten
beispielsweise dürfte mit rund 1,5 Millionen Tonnen doppelt so
umfangreich ausfallen wie im vergangenen Jahr. Russlands
Staatspräsident Dmitrij Medwedew hat die heimische
Eisenbahngesellschaft und andere Inhaber von Waggons für die
Getreidebeförderung inzwischen aufgefordert, Verträge mit Exporteuren
einzuhalten. Damit reagierte Medwedew auf den Unmut der Händler wegen
des sich verschärfenden Waggonmangels.
Zuckerexport intensiviert sich
Russland wird in diesem Jahr höchstwahrscheinlich auf sonst
traditionelle Einfuhren von Rohzucker verzichten. Das hat der erste
stellvertretende Ministerpräsident Viktor Subkow angekündigt. Der
Bedarf heimischer Zuckerfabriken werde durch eine Rekordernte von rund
40 Millionen Tonnen
Zuckerrüben gedeckt, erklärte Subkow bei einer
Videokonferenz. Im Vergleich zu den Jahren 2010 und 2009 würde das
einen Produktionszuwachs um 80 beziehungsweise 60 Prozent bedeuten. Die
Branchenorganisation Sojusrossachar bezifferte die möglichen Ausfuhren
von Weißzucker in diesem Wirtschaftsjahr auf mehr als 200.000 Tonnen.
Im November sollen bis zu 45.000 Tonnen ausgeführt werden, vor allem
gemäß geschlossener Verträge mit Importeuren in Italien und Montenegro.
In August und September sind aus Russland nach Angaben von
Sojusrossachar insgesamt rund 36.000 Tonnen Zucker ausgeführt worden,
in erster Linie nach Kasachstan sowie nach Usbekistan, Tadschikistan,
Turkmenistan und Afghanistan.
AgE
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