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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Schwein » Mast » Nachgefragt Schwein » S.4 ]
Samstag, 26.05.2012
Nachgefragt Schwein | 23.12.2011 Redaktion agrarheute.com

Auf die Ferkelerzeuger kommen viele Haltungs- und Tierschutzauflagen zu , darunter die Umstellung auf Gruppenhaltung oder der Ausstieg aus der unbetäubten Ferkellkastration. Wir fragten Philipp Lütjens.
Philipp Lütjens aus Idsingen bei Walsrode in Niedersachsen.© Werkbild
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Philipp Lütjens aus Idsingen bei Walsrode in Niedersachsen.
© Werkbild
800 Sauen auf dem elterlichen Betrieb im Heidekreis

 
Mein Name ist Philipp Lütjens, ich bin 22 Jahre alt und zurzeit Student an der FH Osnabrück. Auf dem elterlichen Betrieb in Idsingen halten wir im Neubau 800 Sauen inklusive der dazugehörigen Ferkelaufzucht. Wir haben Gruppenhaltung mit Abruffütterung auf Vollspalten, die Jungsaueneingliederung erfolgt auf Ökospalten.

Große Herdengröße, große Ferkelpartien, guter Gesundheitsstatus

In Kooperation mit einem weiteren Landwirt sind wir 2005 auf der grünen Wiese mit einem neuen Stall in die Sauenhaltung eingestiegen. Zuvor waren wir Ferkelaufzüchter und bekamen Partien aus vielen verschiedenen Betrieben. Aus gesundheitstechnischer Sicht eine Katastrophe. Natürlich geht es uns mit den hohen Futterkosten und den niedrigen Ferkelpreisen nicht viel besser als unseren Berufskollegen, jedoch können wir im Hinblick auf die Größenordnung gewisse Kostenvorteile nutzen und eine geringere Aufstallbereitschaft seitens der Mäster durch feste Lieferverträge weitestgehend unterbinden. Wir bemühen uns, unsere Produktionskosten zu optimieren ohne dabei aber langfristig gesehen die Herdenleistung zu gefährden, beispielsweise durch schlechtere Futterqualität oder einen verminderten Jungsauenzukauf.
 
Gerade die Optimierung der biologischen Leistungen halte ich für einen wichtigen Aspekt um die katastrophale Marktlage zu überwinden. Wir können jetzt schon einige Vorteile für unseren Betrieb nutzen. Da wäre unser hoher Gesundheitsstatus, der uns zugleich bei der Verwirklichung von hohen biologischen Leistungen unterstützt. Wir können mit 800 Sauen relativ große Ferkelpartien anbieten, die wir an feste Mäster mit unserem eigenen Transporter abgeben. Wir müssen gute Beratung fordern aber auch umsetzen.
 
Nicht alle kommen durch die Tiefpreisphase, zumal viele Betriebe auch noch von hohen finanziellen Umbaumaßnahmen betroffen sind, sodass sich der Markt langfristig selber regulieren wird. Wir werden versuchen mit unserem Betrieb zu den "Besseren" zu gehören und so unsere Existenz zu sichern. Geben Betriebe in dieser Phase auf, wird sich das Ferkelangebot auch wieder verknappen.

Tierschutz nicht als Insellösung

Jeder Landwirt betreibt im eigenen Interesse tagtäglich Tierschutz. Wir haben bei unseren Neubau gleich die Anforderungen, die ab 2013 für die Haltung von Sauen EU-weit gelten, umgesetzt. Sorge bereiten mir die Tierschutzpläne in Niedersachsen. Ich sehe unsere Zukunft als Sauenhalter durch immer weiter steigende Auflagen gefährdet, solange es nur "Insellösungen" sind und diese nicht EU-weit gelten. Fest steht in jedem Falle, dass gerade durch den kürzlich erschienenen Tierschutzplan die Dokumentation in den Betrieben immer mehr an Bedeutung gewinnt.
 
Zukünftig werden wir noch mehr den Ansprüchen und Erwartungen von Verbrauchern und der Politik genügen müssen. Umso wichtiger ist es, sein Tun und Handeln transparenter zu gestalten. Ich versuche meine Einstellungen und Sichtweisen in Gesprächen mit Außenstehenden oder aber auch Jungpolitikern zu erklären. Als Plattform hilft mir dabei mein ehrenamtliches Engagement bei der Jungen ISN. Um die breite Öffentlichkeit aufzuklären haben wir mit der Jungen ISN ein Video für den Wettbewerb "Clip my farm" aufgenommen. Dort werde ich bei der Arbeit im Sauenstall vorgestellt. Für die Zukunft bauen wir zusammen mit einem Partner als zweites Standbein eine Biogasanlage. Wir können die Abwärme sehr gut nutzen, in Zeiten steigender Energiepreise ein nicht unerheblicher Kosten- und Wettbewerbsfaktor.
 
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