Samstag, 26.05.2012
Auf die Ferkelerzeuger kommen viele Haltungs- und Tierschutzauflagen zu , darunter die Umstellung auf Gruppenhaltung oder der Ausstieg aus der unbetäubten Ferkellkastration. Wir fragten Philipp Lütjens.
Philipp Lütjens aus Idsingen bei Walsrode in Niedersachsen.
© Werkbild
800 Sauen auf dem elterlichen Betrieb im Heidekreis
Mein Name ist Philipp Lütjens, ich bin 22 Jahre alt und zurzeit Student an der FH Osnabrück. Auf dem elterlichen Betrieb in Idsingen halten wir im Neubau 800 Sauen inklusive der dazugehörigen Ferkelaufzucht. Wir haben Gruppenhaltung mit Abruffütterung auf Vollspalten, die Jungsaueneingliederung erfolgt auf Ökospalten.
Große Herdengröße, große Ferkelpartien, guter Gesundheitsstatus
In Kooperation mit einem weiteren
Landwirt sind wir 2005 auf der grünen
Wiese mit einem neuen Stall in die Sauenhaltung eingestiegen. Zuvor
waren wir Ferkelaufzüchter und bekamen Partien aus vielen verschiedenen
Betrieben. Aus gesundheitstechnischer Sicht eine Katastrophe. Natürlich
geht es uns mit den hohen Futterkosten und den niedrigen Ferkelpreisen
nicht viel besser als unseren Berufskollegen, jedoch können wir im
Hinblick auf die Größenordnung gewisse Kostenvorteile nutzen und eine
geringere Aufstallbereitschaft seitens der Mäster durch feste
Lieferverträge weitestgehend unterbinden. Wir bemühen uns, unsere
Produktionskosten zu optimieren ohne dabei aber langfristig gesehen die
Herdenleistung zu gefährden, beispielsweise durch schlechtere
Futterqualität oder einen verminderten Jungsauenzukauf.
Gerade
die Optimierung der biologischen Leistungen halte ich für einen
wichtigen Aspekt um die katastrophale Marktlage zu überwinden. Wir
können jetzt schon einige Vorteile für unseren Betrieb nutzen. Da wäre
unser hoher Gesundheitsstatus, der uns zugleich bei der Verwirklichung
von hohen biologischen Leistungen unterstützt. Wir können mit 800 Sauen
relativ große Ferkelpartien anbieten, die wir an feste Mäster mit
unserem eigenen Transporter abgeben. Wir müssen gute Beratung fordern
aber auch umsetzen.
Nicht alle kommen durch die
Tiefpreisphase, zumal viele Betriebe auch noch von hohen finanziellen
Umbaumaßnahmen betroffen sind, sodass sich der Markt langfristig selber
regulieren wird. Wir werden versuchen mit unserem Betrieb zu den
"Besseren" zu gehören und so unsere Existenz zu sichern. Geben Betriebe
in dieser Phase auf, wird sich das Ferkelangebot auch wieder verknappen.
Tierschutz nicht als Insellösung
Jeder
Landwirt betreibt im eigenen Interesse tagtäglich Tierschutz. Wir
haben bei unseren Neubau gleich die Anforderungen, die ab 2013 für die
Haltung von Sauen EU-weit gelten, umgesetzt. Sorge bereiten mir die
Tierschutzpläne in Niedersachsen. Ich sehe unsere Zukunft als
Sauenhalter durch immer weiter steigende Auflagen gefährdet, solange es
nur "Insellösungen" sind und diese nicht EU-weit gelten. Fest steht in
jedem Falle, dass gerade durch den kürzlich erschienenen Tierschutzplan
die Dokumentation in den Betrieben immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Zukünftig
werden wir noch mehr den Ansprüchen und Erwartungen von Verbrauchern
und der Politik genügen müssen. Umso wichtiger ist es, sein Tun und
Handeln transparenter zu gestalten. Ich versuche meine Einstellungen
und Sichtweisen in Gesprächen mit Außenstehenden oder aber auch
Jungpolitikern zu erklären. Als Plattform hilft mir dabei mein
ehrenamtliches Engagement bei der Jungen ISN. Um die breite
Öffentlichkeit aufzuklären haben wir mit der Jungen ISN ein Video für
den Wettbewerb "Clip my farm" aufgenommen. Dort werde ich bei der
Arbeit im Sauenstall vorgestellt. Für die Zukunft bauen wir zusammen
mit einem Partner als zweites Standbein eine Biogasanlage. Wir können
die Abwärme sehr gut nutzen, in Zeiten steigender Energiepreise ein
nicht unerheblicher Kosten- und Wettbewerbsfaktor.
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