Samstag, 26.05.2012
Saisonarbeitskräfte brauchen keine Arbeitserlaubnis mehr
Berlin - Polen, Esten, Letten, Litauer, Slowaken, Tschechen, Ungarn und Slowenen dürfen seit 1. Mai erstmals ohne Arbeitserlaubnis in Deutschland arbeiten.
Bis zu sechs Monate je Kalenderjahr können Arbeitskräfte aus Rumänien und Bulgarien künftig ohne Genehmigung arbeiten.
Landwirtschaft und Gartenbau blicken mit gemischten
Gefühlen auf die am 1. Mai gestartete volle Arbeitnehmerfreizügigkeit
für die osteuropäischen Länder, die seit
2004 der Europäischen Union angehören. Während die diesjährige Ernte nicht gefährdet zu sein
scheint, befürchten Branchenvertreter einen Arbeitskräftemangel
in den nächsten Jahren, da andere Arbeitsbereiche
für die bisherigen Saisonarbeiter interessanter werden
könnten. Laut Auskunft der stellvertretenden Generalsekretärin
im Zentralverband Gartenbau (ZVG), Dr. Ramona
Hoffmann, werden in diesem Jahr noch keine Bewegungen
erwartet. Seit Anfang des Jahres wurde zwar bereits die
Arbeitserlaubnispflicht für Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft
und in der Gastronomie abgeschafft; befreit waren
aber lediglich Arbeitnehmer, die schon in den letzten Jahren
eine Erlaubnis hatten. Daher gab es bisher laut Hoffmann
keine Effekte.
Mehr Rumänen statt Polen
Allerdings hat sich die Tendenz der letzten
Jahre fortgesetzt, wonach immermehr Rumänen statt Polen
für die Ernte zur Verfügung standen. Polnische Erntehelfer
stellen aber noch den größten Anteil. Die weitere Entwicklung
sei von vielen unsicheren Faktoren abhängig, unterstrich
Hoffmann. Beispielsweise gebe es keine Angaben, wie
hoch die Nachfrage nach Arbeitskräften, auch ungelernten,
aus anderen Branchen sei. Außerdem könne eine günstige
wirtschaftliche Entwicklung in den Herkunftsländern bisherige
Saisonarbeitskräfte dazu bringen, in ihrer Heimat zu
bleiben.
Genügend Arbeitskräfte für dieses Jahr
Der Deutsche Bauernverband (DBV) geht wie der ZVG davon
aus, dass für dieses Jahr genügend Saisonarbeitskräfte für die
Landwirtschaft zur Verfügung stehen werden. DBV-Experte Burkhard Möller betonte, der mögliche Rückgang
an polnischen Saisonkräften könne zunächst durch rumänische
und bulgarische, aber auch durch kroatische Erntehelfer
ausgeglichen werden. Mit den Regierungen dieser Länder hat
Deutschland bilaterale Verträge. DBV-Angaben zufolge beschäftigte
die deutsche Landwirtschaft im vergangenen Jahr
273.799 ausländische Saisonarbeitskräfte, darunter 93.887 Rumänen.
Wenn die Arbeitnehmerfreizügigkeit dagegen auch für
Rumänien und Bulgarien in Januar 2012 oder 2014 gelte, könne
es zu deutlichen Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt kommen,
sagte Möller.
AgE/pd
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