Die Dosis macht das Gift – mit diesem Thema beschäftigten sich die Landjugendlichen im Agrarworkshop. Gemeinsam mit Dr. Roger Waldmann vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit diskutierten sie über Chancen und Risiken der anstehenden Entscheidungen zur Pflanzenschutz-Anwendungsrichtlinie und zur Pflanzenschutz-Zulassungsverordnung. Danach sollen die Pflanzenschutzmittel nicht mehr risikobasiert sondern nach dem reinen Wirkstoff beurteilt werden.
Pro & Contra
Als Vorteile einer einheitlichen Pflanzenschutzrichtlinie sahen die Jugendlichen das hohe Schutzniveau der Verbraucher und die Zulassung der gleichen Pflanzenschutzmittel in allen EU-Ländern an. „Eine Tomate ist überall gleich sicher, egal ob sie in Deutschland, Holland oder Spanien produziert wurde", verdeutlichten die Landjugendlichen ihre Einschätzung. Schnellere und einfachere Zulassungsverfahren sowie transparente Entscheidungen zählten die Teilnehmer des Workshops ebenfalls zu den Vorteilen. Sie sehen auch die Chance, dass vermehrt Forschungsanreize gegeben werden, wenn viele alte Pflanzenschutzmittel wegfallen.
Gerade dies ist aber auch der größte Nachteil: „Es werden gut wirkende Pflanzenschutzmittel verboten, für die es keinen Ersatz gibt", fassten Lars König, Thomas Herrmann und Jürgen Lehrhoff zusammen. Zudem befürchten sie steigende Produktionskosten durch Monopolbildung der Hersteller, die die Betriebe neben Ertrags- und Qualitätseinbußen noch zusätzlich belasten würden.
Während in der EU nicht einmal mehr Kochsalz als Wirkstoff zugelassen wäre, gebe es die meisten Pflanzenschutzmittel außerhalb der EU weiterhin. „Der internationale Wettbewerb wird dadurch noch schwieriger", befürchten die Landjugendlichen. Die Forderung lautete deshalb: „Wenn Wirkstoffe wirklich gefährlich sind, müssen sie weltweit verboten werden".
Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen sollten weiter Postkarten an die EU-Abgeordneten geschickt werden, forderte Landvolk-Präsident Werner Hilse die Landjugendlichen in Verden auf. „Das geht ganz einfach unter www.landvolk.net", erklärte er.
„Wo stehen wir im Jahr 2020?", „Sind Ganztagsschulen eher eine Chance oder eine Gefahr für die Landjugend" und „Projektmanagement", waren die Themen der weiteren Workshops.
Strahlende Gesichter
Jubel brach bei den drei Landjugendgruppen aus, die beim landesweiten Wettbewerb zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit die ersten Plätze errangen. „Die Sache an sich ist es wert, sich einzubringen, aber es ist auch schön, etwas darüber in der Zeitung zu lesen", sagte Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen. Den ersten Preis, ein Medienwochenende in Köln, überreichte er der Landjugendgruppe Sandersfeld (Landkreis Oldenburg), die die Jury durch ein schlüssiges Gesamtkonzept überzeugt hatte. Neben zahlreichen Presseartikeln hatte die Gruppe einen Ehrenamtspreis für ihr Engagement gewonnen und setzt mit dem Bär als Logo auf einen hohen Wiedererkennungswert.
Den zweiten Platz erreichte die Landjugendgruppe St. Jürgen (Landkreis Osterholz-Scharmbeck), die sich mit dem „sehr genialen" Projekt „Faustlos ist mehr los" besonders hervorgetan hat. Sie gewann einen Ausflug nach Hannover ins NDR-Funkhaus. Der dritte Preis ging an die Landjugendgruppe Isenbüttel (Landkreis Gifhorn), die durch eine besonders vielfältige Öffentlichkeitsarbeit aufgefallen war.
Landjugend international
Daneben schweiften die Landjugendlichen in diesem Jahr in die Ferne: Bereits am Freitagabend stellten einige Gäste die verschiedenen Möglichkeiten vor, andere Länder und Kulturen kennen zu lernen. Dabei wurde deutlich: Landjugend gibt es nicht nur in Niedersachsen oder Deutschland – Landjugend ist international!