Das Schmallenberg-Virus breitet sich weiter aus. Inzwischen wurde es auch bei einem Ziegenlamm in Baden-Württemberg nachgewiesen. Erstmals wurde das Virus auch in Großbritannien bestätigt.
Das erkrankte Tier stammt aus einer Hobbyhaltung in der Nähe von Stuttgart.
© agrarpress
Wie das Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg gestern bekannt gegeben hat, sind bei einem Ziegenlamm für die Krankheit typische Missbildungen aufgetaucht und durch eine Laboruntersuchung bestätigt worden. Das Lamm stammt aus einer Hobby Schaf- und Ziegenhaltung im Regierungsbezirk Stuttgart.
In Baden-Württemberg werden im Rahmen eines bundesweiten Überwachungsprogrammes Rinder-, Schaf- und Ziegenbestände auf das Schmallenberg-Virus hin untersucht.
Um eine Infektion der Tiere zu vermeiden, besteht derzeit nur die Möglichkeit der Stechmückenbekämpfung.
Wie die englische Tiergesundheitsbehörde Animal Health and Veterinary Laboratories Agency (AHVLA) mitteilt, ist das Schmallenberg-Virus erstmals in Großbritannien bestätigt worden. Vier Schafe in den
britischen Grafschaften Norfolk, Suffolk und East Sussex wurden positiv
getestet.
"Um eine bessere Übersicht über die Epidemie zu bekommen, ist jetzt zügig eine nationale Meldepflicht in der Tierseuchenverordnung für diese Krankheit einzuführen", fordert Christel Happach-Kasan (FDP). Dies sei eine Grundvoraussetzung für eine finanzielle Unterstützung der betroffenen Tierhalter. Happach-Kasan sieht eine epidemiologische Ähnliche des Schmallenberg-Virus mit der
Blauzungenkrankheit und fordert die schnellstmögliche Entwicklung eines Impfstoffes. Schließlich sei die
Blauzungenkrankheit dadurch ebenfalls erfolgreich bekämpft worden. Gegen die
Blauzungenkrankheit bestand damals Impflicht. Viele Landwirte lehnten dies aus Angst vor Nebenwirkungen ab.
Das Friedrich-Loeffler-Institut als Bundesforschungsinstitut für
Tiergesundheit hat angekündigt, dass die Entwicklung eines Impfstoffes
gegen das Virus in Vorbereitung sei. Die Entwicklung kann an die 18 Monate dauern.
Bundesweite Meldepflicht geplant
Laut Bundesagrarministerium soll für das Virus eine Meldepflicht
eingeführt werden. Damit sollen Labors verpflichtet werden, alle
nachgewiesenen Fälle zu melden, hieß es am Mittwoch in Berlin. So
könnten Veterinärbehörden die Ausbreitung besser beobachten und
bekämpfen. Über eine entsprechende Verordnung soll der Bundesrat Ende
März entscheiden, dann könne sie in Kraft treten. Deutschland setzt
sich auch für eine EU-weite Meldepflicht ein, die wurde beim Agrarrat am Montag jedoch vorerst abgelehnt.
Robert-Koch-Institut plant Bluttests für Menschen
Wie das Bielefelder "Westfalen-Blatt" berichtet, plant das Robert-Koch-Institut
(RKI) Bluttests für Menschen, die mit kranken Tieren in Berührung
gekommen sind. Die Untersuchungen seien eine reine Vorsichtsmaßnahme,
sagten FLI-Sprecherin Elke Reinking, und RKI-Sprecherin Susanne
Glasmacher dem "Westfalen-Blatt". Ein entsprechender Test müsse aber
erst noch auf die Beine gestellt werden, so Reinking. Bislang wird davon ausgegangen, dass das Virus für den Menschen ungefährlich ist.
Hintergründe zum Virus
Das Schmallenberg-Virus, benannt nach dem Ort Schmallenberg
(Nordrhein-Westfalen), in dem der Erreger zuerst nachgewiesen wurde,
verursacht Erkrankungen bei Rindern, Schafen und Ziegen. Die Krankheit
äußert sich bei erwachsenen Tieren durch milde Symptome wie Fieber,
Verschlechterung des Allgemeinbefindens und Rückgang der
Milchproduktion. Charakteristisch für den Krankheitsverlauf ist
insbesondere das zeitverzögerte Auftreten von Aborten mit mumifizierten
Feten sowie die Geburt lebensschwacher und missgebildeter Kälber sowie
Schaf- und Ziegenlämmer.