Bern - Wie die Schweizer Branchenorganisation Milch vergangene Woche bekannt gab, sollen Ende April 2012 Maßnahmen zur Reorganisation beschlossen werden.
Die SMP will in den kommenden Wochen Kriterien für einen Wiedereintritt in die BOM erarbeiten.
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Anlass dafür war der Austritt der Milchbauernvertretung SMP aus der Branchenorganisation Milch (BOM) als Protest gegen eine unerwartet starke Senkung des Milch-Richtpreises. Die Milchproduzenten verlangen mehr Macht innerhalb der Branchenorganisation. In der Versammlung kam es jedoch zu keiner wirklichen Annäherung der Standpunkte, berichtet der Landwirtschaftliche Informationsdienst in Bern. In den kommenden Wochen will die SMP im Rahmen einer Arbeitsgruppe Kriterien für einen Wiedereintritt in die BOM erarbeiten.
Bisher keine Lösungen für liberalen Milchmarkt
Die Branchenorganisation wurde bekanntlich im Juni 2009 als gemeinsame Plattform der Schweizerischen Milchwirtschaft gegründet, um nach Abschaffung der Produktionsquoten die Marktstabilität zu erhalten und eine möglichst hohe Wertschöpfung sowie die Erhaltung der Marktanteile auf den in- und ausländischen Märkten zu gewährleisten. Gründungsmitglieder waren rund 50 regionale und nationale Organisationen der Milchbauern und -verarbeiter sowie Einzelfirmen der Industrie und des Detailhandels. Mit dem Zusammenschluss wurden über 95% der eidgenössischen Milchmenge erfasst, wodurch der BOM ein hoher Stellenwert innerhalb der Branche zukam. Bisher hat sie es aber nicht geschafft, Lösungen für den liberalisierten Milchmarkt zu finden. Maßnahmen gegen die Überproduktion und die stark gestiegenen Butterlager wurden nicht wirksam, die Folge war ein starker Druck auf die Erzeugerpreise.
Ende September hat die Milchbauernvertretung SMP (Schweizer Milchproduzenten) dann überraschend beschlossen, aus der Branchenorganisation Milch auszutreten und damit für einen Knalleffekt gesorgt. Hauptgrund dafür war die von der BOM beschlossene Senkung des Richtpreises um 4 Rappen je kg, die als Provokation empfunden wurde. Außerdem schreite der notwendige Abbau der hohen Butterlager viel zu langsam voran, wurde betont. Die Zielsetzung der BOM, die Wertschöpfung der Branche zu fördern, werde als "reine Worthülse" missbraucht. Der vorgeschlagene Marktentlastungs-Mechanismus biete keine ausreichende Sicherheit, kritisierte der SMP-Vorstand. Damit wurde die Existenz der Branchenorganisation ernsthaft in Frage gestellt.
Zwei Tage nach der Delegiertenversammlung der BOM skizzierten die
Schweizer Milchproduzenten vergangene Woche ihre Ansichten zur
Reorganisation der Branchenorganisation und einer allfälligen Rückkehr.
Die genauen Kriterien sollen nun von einer internen Arbeitsgruppe
ausgearbeitet werden. Klar ist aus Sicht der Milchbauern, dass es so
nicht weitergehen kann. SMP-Direktor Albert Rösti betonte, dass es beim
BOM-Austritt nie das Ziel gewesen sei, alles bisher Erreichte zu
zerstören. Vielmehr habe man ein Alarmsignal gegeben.
Ein Ziel der SMP ist es, dass Milchproduzenten im Schweizer Mittelland
ein Einkommen erzielen können, das mit dem anderer Erwerbstätiger
vergleichbar ist. Davon sind die Milchbauern derzeit aber meilenweit
entfernt. SMP-Präsident Peter Gfeller stellte fünf "Stellschrauben" vor,
mittels derer die Produzenten ihrem Ziel näherkommen sollten, nämlich
die Beeinflussung des Absatzes, der Direktzahlungen, der Kosten sowie
die Bereiche Information und Dienstleistung. Die bisher von der BOM
umgesetzten Maßnahmen seien "absolut ungenügend, um uns der Erfüllung
unserer Vision näher zu bringen", stellte Gfeller klar. Derzeit werde
der Preiskampf an der Ladentheke vom Handel und den Verarbeitern auf die
Milchproduzenten abgewälzt. Für Gfeller und die SMP steht fest, dass
die Bauern in der BOM mehr Einfluss benötigen. Derzeit sei die
Organisation zu stark vom Handel gesteuert, wurde betont.
Die Meinungen gehen aber schon in dem Punkt auseinander, wer denn nun
ein Produzent ist. So sieht sich zum Beispiel BOM-Vorstand Roland Werner
als Bauernvertreter. Werner ist neben seiner Tätigkeit als
Milchproduzent auch Verwaltungsratspräsident der Thur Milch Ring AG,
einem Milchhandels-Unternehmen. Genau da liegt für die SMP das Problem.
Für sie kann ein Handelsvertreter nicht gleichzeitig auch für die Bauern
sprechen.
Auch innerhalb der Milchbauern zeigt sich ein Bild der Uneinigkeit. Die
einen sehen keinerlei Notwendigkeit einer Mitgliedschaft der SMP in der
Branchenorganisation, weil sie sich unter anderem durch die
Produzentenorganisationen genügend vertreten fühlen. Für andere ist eine
Mitgliedschaft der SMP hingegen unabdingbar für das Bestehen der BOM
und somit eine umfassende Reorganisation unumgänglich.
Dass die
Meinungen in diesen Fragen noch immer stark auseinandergehen, zeigte
sich auch in den jüngsten Milchversammlungen. Vor diesem Hintergrund
wartet auf sämtliche Beteiligte bis zu den nächsten
Entscheidungsterminen im kommenden Frühjahr noch viel Arbeit. Die Zeit
drängt jedoch, denn die Situation am eidgenössischen Milchmarkt ist nach
wie vor angespannt.
Steigende Milcherzeugung
Nach Angaben der Treuhandstelle Milch GmbH haben die Milchanlieferungen
in der Schweiz von Januar bis September 2011 gegenüber dem
Vorjahresmonat um 8.000 Tonnen oder 0,3% weiter zugenommen. Die kumulierte
Produktion belief sich auf rund 2,62 Millionen Tonnen. Der Milchkuhbestand war im
Oktober 2011 mit rund 598.000 Tieren faktisch gleich hoch wie im
Vorjahr. Die Bestandsentwicklung und das gute Futterangebot lassen
während der gesamten Winterfütterungsperiode aber ein leicht höheres
Angebot an Milch erwarten.
Das Problem der hohen Butterlager ist nach wie vor nicht gelöst: Von
Jänner bis Oktober 2011 wurden laut SMP 41.376 t Butter hergestellt.
Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Zunahme um 2,9%. Der Absatz
dieses Produkts belief sich in diesem Zeitraum auf 33.760 t, was einer
Abnahme um 1,5% entspricht. Bis Ende Oktober wurden bereits 6.693 t
Butter exportiert, dennoch befanden sich noch 6.015 t auf Lager.
Sowohl die Produktionszunahme als auch der bisherige Verkaufsrückgang
erfordern nach Ansicht der Treuhandstelle Milch eine höhere Menge an
Butterexporten, um den Markt im Gleichgewicht zu halten. Betrug der
letztjährige Überschuss rund 6.000 t, so dürfte er im laufenden Jahr auf
7.000 bis 8.000 Tonnen steigen. Erst Exporte, die über den jährlichen
Butterüberschuss hinausgehen, werden zu einem Abbau der Altlasten
führen. Eine definitive Bilanz soll mit Vorliegen der Dezembermengen
gezogen werden.