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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Rind » Milchproduktion » Schweiz BOM ]
Samstag, 26.05.2012
Milchproduktion | 19.01.2012 Redaktion agrarheute.com

Schweiz: ABC der Milch-Segmentierung funktioniert noch immer nicht

Bern - Die Schweizer Branchenorganisation Milch (kurz: BOM) hat es derzeit nicht leicht: Sie kämpft mit ihrer Glaubwürdigkeit, denn die ist schlecht.
Die Umsetzung der Regeln zur Milchmarkt-Steuerung läuft derzeit alles andere als rund.© Michael Simon/fotolia
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Die Umsetzung der Regeln zur Milchmarkt-Steuerung läuft derzeit alles andere als rund.
© Michael Simon/fotolia
Sie kämpft mit dem Butterberg, denn der schmilzt nur langsam. Und sie kämpft mit dem ABC, das sie selbst erfunden hat. Seit über einem Jahr müsste die in der Schweiz gehandelte Milch eigentlich in A-Milch für den geschützten Inlandsmarkt, B-Milch für Milchprodukte ohne Grenzschutz und C-Milch für den Export auf den Weltmarkt segmentiert werden. Dieses ABC ist genau definiert, die Milchkaufverträge sind allgemeinverbindlich. Doch die Auswertung dieser Verträge durch die BOM zeigt, dass zwischen Theorie und Praxis Welten liegen, teilt der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) in Bern mit.

Aufteilung in drei Segmente zur gezielten Marktsteuerung

Im A-Segment finden sich Milchprodukte mit Grenzschutz für den lnlandsmarkt und solche mit Rohstoffpreisausgleich (beispielsweise die Verkäsungszulage). Im B-Segment sind Milchprodukte ohne Grenzschutz oder Rohstoffpreisausgleich für den lnlandsmarkt und den Export in die EU vorgesehen sowie verkäste Milch für besondere Projekte wie Exporte oder den lmportschutz. Im C-Segment sind ausschließlich Molkereierzeugnisse, welche ohne Beihilfe für den Export außerhalb der EU vorgesehen sind, wobei sämtliche Milchbestandteile ausgeführt werden müssen.
 
Im Jahr 2009 betrug die Gesamtmilchmenge im A-Segment laut BOM ca. 3,07 Mio. t, das sind etwa 90% der Milchmenge eines Jahres. Die Segmentierung wurde am 01.01.2011 eingeführt, um - nach Abschaffung der Milchquoten im Jahr 2009 - eine wirksame Marktsteuerung zu schaffen. Trotzdem wurde im ersten Quartal des vergangenen Jahres offiziell kein einziges Kilo C-Milch geliefert und verarbeitet. Logischerweise hätte also weder Butter noch Magermilchpulver für den Weltmarkt produziert werden können. Der Butterberg wuchs trotzdem. Im zweiten Quartal 2011 tauchten die ersten C-Milchverträge auf. 12.000 t C-Milch will die Produzentenseite verkauft haben, während die Verarbeiter mit 44.000 t angeblich beinahe viermal so viel C-Milch verarbeitet haben. Im dritten Quartal des Jahres gaben die Produzenten an, 31.000 t in diesem Segment geliefert zu haben, während die Verarbeiter behaupteten, sie hätten 54.000 t angenommen.
 
Obwohl auch diese Daten noch meilenweit auseinander liegen, zeigt der Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch, Daniel Gerber, noch Verständnis: "Die Segmentierung muss erst noch umgesetzt werden. Die Angaben werden mit jedem Quartal verlässlicher", zeigt er sich optimistisch.

Der Unterschied liegt im Preis

Experten fragen sich, ob die Daten auch realistischer werden. Bevor die BOM die Segmentierung einführte, stellte sie umfangreiche Berechnungen an. Gemäß diesen müssten 90% der Gesamtmilchmenge, also rund 3 Mio. t, im A-Segment liegen. Die Verarbeiter haben bisher aber nie mehr als 77% Milch dieser Kategorie gekauft und die Produzenten höchstens 82% A-Milch geliefert.
 
Laut Berechnung der BOM dürfte es jeweils rund 5% B- und C-Milch in der Schweiz geben. Die Verarbeiter kauften aber bis zu 14% der Rohmilch zum C-Preis ein und bis zu 20% als B-Milch. Der Unterschied zwischen den drei Milchsegmenten liegt eigentlich nur im Preis - und er ist groß: Die Milch vom Hof ist gemäß BOM-Richtpreis derzeit nur 29 Rappen je kg (umgerechnet 24 Cent) wert, wenn sie in den C-Milchkanal verkauft wird. 55 Rappen (45 Cent) sollten es sein, wenn sie den Betrieb als B-Milch verlässt, und 64 Rappen (53 Cent) wenn sie als A-Milch gemolken wird.
 
Theoretisch jedenfalls, denn nach wie vor wird diese Segmentierung nicht bis zu den Milchbauern umgesetzt. Für rund 40% der Molkereimilch erhalten die Produzenten laut LID weiterhin Mischpreise. Egal, wie der Abnehmer heißt - die Bauern können meist gar nicht entscheiden, ob sie A-, B- oder C-Milch liefern. Dafür bekommen sie einen Preis bezahlt, der meistens nur ein paar Rappen über dem B-Richtpreis liegt.

Überhöhte Erwartungen

Diese Entwicklung ist laut Experten kein Zufall. Hunderte von Vollkostenrechnungen aus der ganzen Schweiz zeigen, dass allein das Futter für die Produktion von 1 Kilo Milch rund 30 Rappen kostet - und zwar gänzlich ohne Stall-, Maschinen- oder Lohnkosten. Damit ist klar: Wer zum C-Milchpreis produziert, zahlt drauf. Auf der anderen Seite will die Milchindustrie weiterhin C-Milch verarbeiten, die Bauern können diese aber nicht zu diesem Preis erzeugen. Statt nun auf dieses Segment zu verzichten, heben die Verarbeiter den C-Milchpreis künstlich an.
 
Emmi zahlt beispielsweise derzeit franko Rampe 37 Rappen dafür. Sie begleicht die Differenz aber nicht aus der eigenen Kasse, sondern verwendet dazu den Marktstützungsfonds, den die Milchbauern finanzieren. Mit dieser Taktik dürfte die BOM das Problem der Überproduktion aber nicht in den Griff bekommen.
 
Markus Zemp, Präsident der Branchenorganisation, beschrieb die Stimmung kürzlich so: "Wenn etwas im Vorstand nicht passt, dann heißt es gleich, entweder man trete aus oder man klage. Einzig die Milchverarbeiter in der BOM wollen weder klagen noch austreten. Warum wohl?"

Kein Milchüberschuss?

Die eidgenössischen Molkereien beklagen regelmäßig die viel zu hohe Milchproduktion der Schweizer Bauern. Doch die Auswertung der Treuhandstelle Milch (TSM) zeigt, dass im Jahr 2011 erneut 1.423 t oder 0,04% mehr Milch bei den Bauern bestellt wurden, als im Jahr zuvor. Und wie schon 2010 kamen die Betriebe auch 2011 mit der Lieferung gar nicht nach. Sie dürften laut Schätzung die Vertragsmenge um etwa 100 Mio. kg unterliefert haben. Bei den von der TSM ausgewerteten Milchkaufverträgen handelt es sich allerdings um eine Momentaufnahme. Berücksichtigt wurden nur Verträge, die bis zum 23.09.2011 vorlagen.
 
Die Molkereien und Produzenten können aber jederzeit neue Milchkaufverträge abschließen oder bestehende Verträge anpassen. Die totalen Vertragsmengen könnten sogar noch höher sein. Abgesehen davon haben nach wie vor zahlreiche Milchbauern überhaupt keinen Vertrag, in dem die Menge geregelt ist.
aiz
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Keywords A-Milch | ABC | BOM | Emmi | Marktsteuerung | Milch | Milchmarkt | Schweiz
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