Samstag, 26.05.2012
Frauen in der Landtechnik: Familie prägt
Kaltern - Frauen in Führungspositionen in der Landtechnik sind eher die Ausnahme. Wenn man dann in einem kleinen Unternehmen in der Leitungsebene gleich drei Frauen antrifft, ist das schon etwas Besonderes.
Dr. Susanne, Johanna und Barbara Seppi (v.li.) haben Führungspositionen beim Mulcherspezialisten
Seppi M. inne und fühlen sich in der Landtechnik-Branche sehr wohl.
© Rath-Kampe
Der Charakter des Unternehmens
Seppi M. im italienischen Kaltern
an der Weinstraße ist von der Familie
geprägt. Der Mulcherspezialist wird
heute von der dritten Generation geführt
und legt viel Wert auf korrekte und verantwortungsvolle
Geschäftsbeziehungen.
Johanna Seppi, die Ehefrau von Luciano
Seppi, dem Sohn des Firmengründers
Max, stammt aus einem kleinen Weinbaubetrieb
und hat sich an der Seite ihres
Mannes in den landtechnischen Betrieb
eingearbeitet.
Seit 40 Jahren baut Seppi M.
Schlegelmulchgeräte. "Wir arbeiten stets
an der Verbesserung unserer Geräte und
können schnell auf Kundenanforderungen
reagieren", so die Unternehmerin.
Drei ihrer Kinder arbeiten bereits im Familienbetrieb.
Tochter Susanne hat Betriebswirtschaft
studiert. Sie ist beim Südtiroler
Mulcherspezialist im Einkauf tätig. "Ich
komme gut mit meinen Aufgaben zurecht
und verhandle mit unseren Zulieferern auf
Augenhöhe“, berichtet die junge Frau. "Die Spezifikationen unserer Teile ermittle
ich in Zusammenarbeit mit der Entwicklung
und der Produktion." Auch im Verkaufsinnendienst
arbeiten bei Seppi M.
mehrere Frauen und sind kompetente Ansprechpartner
für die Kunden. Die andere
Tochter Barbara ist für das Marketing des
Unternehmens zuständig, sie spricht sechs
Sprachen. Sohn Lorenz engagiert sich im
Vertrieb.
Eine Frage des Charakters
Kaltern in Südtirol ist eine Region mit relativ
geringer Arbeitslosigkeit. Deshalb ist es
für die Firmen schwierig, geeignete Mitarbeiter
zu finden. "Trotz des Fachkräftemangels
arbeiten bei uns keine Frauen
in der Produktion", erläutert Johanna
Seppi. "Die Arbeit ist einfach zu schwer. Für den Außendienst kann ich mir aber
durchaus weibliche Mitarbeiter vorstellen."
Auf die Frage, ob Frauen einen anderen
Führungsstil als Männer haben, schütteln
alle drei den Kopf. "Führungsstil ist eine reine Charaktersache", bemerkt Johanna
Seppi. "In einem Familienbetrieb kommt
das auch nicht so zum Tragen. Der Vorteil
der Familie ist auf jeden Fall, dass sie den
Einstieg der Frauen in Führungspositionen
begünstigt."
Mit der Arbeit groß geworden
Barbara Seppi, die älteste Tochter im Unternehmen,
ist mit der Landtechnik groß
geworden und war schon früh mit auf
Messen dabei. "Wenn man mit der Technik
aufgewachsen ist, spielt das Geschlecht
keine so große Rolle mehr", sagt sie selbstbewusst. "Natürlich musste auch ich bei
meinen ersten Messeauftritten feststellen,
dass ich als Frau nicht ernst genommen wurde. Aber ich konnte mit Fachwissen
punkten. Je mehr ich erzählen konnte,
desto
besser bin ich bei den Kunden angekommen.
In unserem Job ist Wissen wichtiger
als reine Durchsetzungskraft."
Bei der Tätigkeit in der Landtechnik
stehe die Qualifikation im Vordergrund
nicht das Geschlecht, betonen alle drei.
Jeder müsse seine Aufgabe mit Freude erfüllen
und jeder sollte gern zur Arbeit
kommen. "Bei uns stand das Wohnhaus direkt neben
der Werkstatt", berichtet Barbara
Seppi. "Ich habe mit meinem Vater Kunden
besucht, und mit 17 Jahren begann
ich regelmäßig auf Messeständen mitzuarbeiten.
Das kontinuierliche Hineinwachsen
erleichtert den Einstieg sehr. Praktische Erfahrungen konnte ich bei
Maschineneinsätzen bei Kunden und in
anschließenden Gesprächen sammeln."
Einig sind sich alle drei in einem Punkt: "Landwirtschaft ist etwas sehr schönes. Sie
ist konkret und im täglichen Leben stets
präsent."
Die Reportage über die Frauen von Seppi M. ist in der aktuellen Ausgabe der AGRARTECHNIK erschienen.
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