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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Landtechnik » Ackerbau » smart_farming ]
Samstag, 26.05.2012
Ackerbau | 15.11.2011 Redaktion agrarheute.com

Präziser Ackerbau - heute und in Zukunft

Hannover - Einen Ausblick in die Landtechnik 2020 bot die Gesprächsrunde auf dem Messestand von agrarheute.com.
Die Zukunft der Landtechnik wird bestimmt durch nachhaltiges Wirtschaften und moderne Technologien. Da waren sich die geladenen Fachleute - ein Landwirt, ein Wissenschaftler, ein Gerätehersteller sowie ein Fachredakteur - einig. Präzisionsackerbau heißt heutzutage, dass die gewonnenen Daten automatisch zu Schlägen und Arbeitsverfahren  zugeordnet und drahtlos in Echtzeit von der Maschine ins Büro übertragen werden. Das Ziel eines jeden Landwirts, der präzisen Ackerbau betreibt, sollte es sein, die gewonnenen Daten optimal zu nutzen. Prof. Arno Ruckelshausen erklärte die Verfahrensweise beim Precision Farming: "Gearbeitet wird mit Sensoren und die sind zunächst einmal alle dumm." Ein Sensorsignal gibt einen Messwert heraus. Hinzu kommt Erfahrung und Wissen von Fachleuten, beispielsweise in Form von Bodenkarten. Wissen und Sensordaten müssen bewertet und in Handlungsanweisungen umgesetzt werden. "Das ist der Einstieg in die Anwendung von Hightec, ob man das nun Precision Farming oder Smart Farming nennt", führte der Wissenschaftler aus.

Dem Protektionismus der Hersteller entgegenwirken

Als großes Problem sahen die Gesprächsteilnehmer die Inkompatibilität von Geräten für den präzisen Ackerbau. Klaus Münchhoff, Landwirt aus Sachsen-Anhalt, berichtete aus der Praxis: "Passen zum Beispiel Düngerstreuer und Schlepper nicht zusammen, weil entsprechende Schnittstellen fehlen, braucht man als Landwirt nicht nur viel Geld, sondern auch starke Nerven." Wer schon einmal 24 Stunden auf ein 20 m langes Kabel gewartet habe, um weiterarbeiten zu können, der wisse, was das bedeute. "Viele meiner Berufskollegen sind bisher abgeschreckt worden durch das, was in Sachen Präzisionsackerbau nicht geklappt hat, obwohl es versprochen worden war." Münchhoff kritisierte die Landtechnikindustrie deutlich: "Immer wieder wird möglichst schnell etwas auf den Markt gebracht, ohne dass das Produkt bei einer ausreichenden Anzahl von Landwirten vor Ort erprobt worden ist." Leider werde vieles erst beim Landwirt praxistauglich entwickelt. Das sei in seinen Augen der falsche Weg.
 
Michael Horsch von der Firma Horsch konnte die Kritik gut nachvollziehen. Er bemängelte den vorherrschenden Protektionismus, wenn es um das Preisgeben neuer Entwicklungen geht. "Wir müssen als Landwirte (ich selbst bin auch einer) viel mehr Druck auf die Industrie ausüben, damit die Zusammenarbeit zwischen den Herstellern noch besser funktioniert." So hielten die Produzenten ihre Weiterentwicklungen immer wieder geheim, um der Konkurrenz voraus zu sein. Dem Protektionismus müsse aber unbedingt entgegengewirkt werden, wenn zukünftig die gesamte Landwirtschaft elektronifiziert werde. Der Unternehmer äußerte aber auch Verständnis: "Wenn eine Firma eine größere Entwicklungsabteilung unterhält, möchte sie natürlich auch ihr Geld wieder hereinholen, was sie in die Produktentwicklung investiert hat."

Isobus als gutes Beispiel

Matthias Mumme, Technikredakteur beim dlz-Agrarmagazin, wies in dem Zusammenhang auf die Entwicklung des Isobus hin. "Es hat sehr lange gebraucht, bis die Hersteller sich geeinigt haben, ob sich die Gerätehersteller nach den Traktorenproduzenten richten müssten oder umgekehrt." Der jetzige Stand der Dinge sei auch der internationalen Zusammenarbeit zu verdanken, z. B. mit Institutionen wie der Agricultural Industrie Electronics Foundation (AEF), die sich weltweit um den Isobusstandard gekümmert hat. Er wies auf ein Onlineportal hin, das die AEF seit kurzem zur kostenlosen Nutzung anbiete. Dort kann der Landwirt nachschauen, wie das Gerät, das er sich kaufen möchte, zu seinem Traktor passt.
 
Da beim präzisen Ackerbau Unmengen an Daten anfallen, ist der Einsatz von offenen und möglichst herstellerübergreifenden Datenmanagementsystemen notwendig. Landwirt Münchhoff mahnte an, von Anfang an ein gutes Management zu betreiben: "Nur wenn man weiß, wo man die Daten abgelegt hat, kann man auch mit ihnen weiterarbeiten und hält nicht nur eine schöne bunte Ertragskarte in der Hand." Er setzt heutzutage auf seinem Betrieb die Ergebnisse der Ertragskarte im Phosphor- und Kalibereich direkt um und stimmt seine zukünftige Düngung darauf ab.

Dienstleistung "Landwirtschaft" nimmt an Bedeutung zu

Was wird und was muss sich konkret ändern in der Landwirtschaft? Matthias Mumme sieht im Bereich der Lohnunternehmer einen neuen Dienstleistungssektor: "Generell wird es zukünftig eine weitere Professionalisierung der Landwirtschaft geben in Deutschland, auch einen zügigen Strukturwandel, vor allen Dingen in den alten Bundesländern." Dort werde sich der Trend Richtung Lohnunternehmer ausweiten, wie das in den letzten Jahren bereits sehr stark geschehen ist. "Bezüglich des Datenmanagements bekommen wir von den Profibetrieben die Rückmeldung, dass diese sich damit heute zum Teil noch überfordert fühlen." Da müssen die Hersteller ansetzen, indem sie Automatisierungen schaffen, die zu einer vereinfachten Weiterverarbeitung der Daten führen.
 
Außerdem werde ein anderer Dienstleistungssektor im Bereich der Lohnunternehmer entstehen, der sich speziell mit solchen Fragen auseinandersetzt. Dabei gehe es um Aufgaben wie die Auswertung von Bestandesplanung und -führung bis hin zur Auswertung in Richtung Cross Compliance. "Ich bin überzeugt davon, dass diese Entwicklung in den nächsten Jahren auch relativ zügig voranschreiten wird.Wir haben ein Nachwuchsproblem nicht nur auf den ostdeutschen Betrieben, sondern auch auf den kleineren und mittleren Betrieben in den alten Bundesländern. Der Dienstleistungssektor wird da in die Bresche springen müssen, um die Flächen zu bewirtschaften."

Öffentlichkeitsarbeit für die Zukunft der Landwirtschaft

Klaus Münchhoff gab zu bedenken, wie wichtig Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft auch zukünftig ist: "Die Bevölkerung über die Entwicklungen in der Landwirtschaft zu informieren und mitzunehmen in eine Zeit, in der wir anders Landwirtschaft betreiben als noch vor 50 Jahren", das sei eine wichtige Aufgabe. Die Menschen müssten begreifen, dass die Landwirte heutzutage spezielle Technik einsetzen, um möglichst umweltschonend zu arbeiten, möglichst wenig Dünger und Pflanzenschutzmittel auszubringen und preiswerte Produkte zu liefern. Nur wenn der Verbraucher mitgehe, könne die Landwirtschaft auch erfolgreich sein.
 
Der Betriebsleiter meldete weiteren Forschungsbedarf an. Wenn auf homogenen Standorten innerhalb eines Schlages Erträge bei Weizen zwischen vier und 16 Tonnen zu verzeichnen sind, möchte er wissen, welche Pflanzen sich so wohl gefühlt haben, dass sie es auf den höheren Ertrag brachten. "Außerdem wünsche ich mir eine präzisere Ausbringung von Güllen und Misten, indem wir online Nährstoffgehalte messen können." Da sehe er noch großes Potenzial zum Ressourcenschutz, "wenn der organische Dünger nicht breitflächig ausgebracht wird, nur um ihn loszuwerden." Matthias Mumme stimmte zu: "Das Precision Farming hat die organische Düngung in den vergangenen Jahren großzügig ausgelassen. Die Landwirte möchten jetzt bei den gestiegenen Kunstdüngerpreisen aber den organischen Dünger effizienter einsetzen." Auch hier sei noch Entwicklungsbedarf.

Hersteller zeigen Smart Farming

Unter dem Titel "Smart Farming - Landwirtschaft mit K(n)öpfchen" (Halle 16) zeigt die Messe Entwicklungen der Landtechnik zu Navigation, Sensortechnik, Datenmanagement und Bewirtschaftung. Ziel dieser Neuheiten ist es, dass die technischen Helfer in der Außenwirtschaft immer exakter, effizienter und sensibler auf die wechselnden Bedingungen im modernen Ackerbau reagieren.
 
Um die N-Düngung exakt auf den Pflanzenbedarf abzustimmen, bieten diverse Anbieter mit Pflanzensensoren intelligente Verknüpfungen von Ertragspotenzialkarten und hochempfindlicher Messtechnik:
  • Im Fritzmeier ISARIA-System erhält jede Teilfläche über den Ansatz "Online + Map-Overlay" exakt die Menge an Nährstoffen zur optimalen Versorgung.
  • Amazone zeigt eine sensorgestützte Applikation mit Karten und deren automatische Anpassung an die Gegebenheiten vor Ort. Die Grundlage bildet ein Auftragsmanagement, das vernetzt mit der Navigation zum Schlag die anstehenden Aufgaben strukturiert. Stillstand und Fehler werden minimiert.
  • AgriCon präsentiert zusammen mit WTK-Elektronik verschiedene Precision Farming Anwendungen und demonstriert die Steuerung des Applikationsgerätes, die Parallelführung sowie die Funktion Section-Control.
Maschinensensoren helfen der Landwirtschaft die Technik optimal auszulasten, um weiteren Nutzen zu generieren. Die Agritechnica zeigte unterschiedliche Herstellersysteme:
  • Mit der Traktor-Anbaugeräte-Steuerung zeigt John Deere, wie Pöttinger- und Grimme-Anbaugeräte die Führungsrolle übernehmen und den Traktor steuern. So können Durchsatz und Qualität des Erntegutes erhöht und der Fahrer zusätzlich entlastet werden.
  • Mit dem SyreN-System von BioCover A/S wird die Ammoniak-Ausgasung bei der Gülleausbringung reduziert. Durch neue Sensoren am Güllefass erfolgt dabei eine gezielte pH-Wert-Regulierung durch Schwefelsäure-Zugabe.
  • New Holland stellt die vielfältigen Automatikfunktionen moderner Mähdrescher "live" vor. In einem funktionsfähigen CR-Mähdreschermodell kann der Besucher verschiedene Automatikfunktionen testen wie automatisches Parallelfahrsystem, Durchsatzregelung und Ertragskartierung mit Onlinemapping.
bg/pd
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Keywords Agritechnica | Dienstleistung | Landtechnik | Lohnunternehmer | Mumme | Münchhoff | Precision Farming | Präziser Ackerbau | Präzisionsackerbau | Smart Farming
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