Basel - Unter den mehr als 150 Dünnschichtunternehmen kristallisiert sich zunehmend eine kleine Zahl führender Unternehmen heraus, die konsequent ihre Kapazitäten ausbauen.
Der Gesetzentwurf zur neuen Solarförderung soll schon morgen im Bundestag gelesen werden.
© F. Gopp/pixelio
Die Schweizer Privatbank Sarasin, die die zehn führenden Dünnschichtunternehmen in einer Studie veröffentlicht hat, rechnet in Zukunft ist mit einer verschärften
Verdrängung und Konsolidierung. Die Ermittlung der Top Ten-Dünnschichtunternehmen beruht auf der Bewertung der Produktions- und
Vertriebserfahrung sowie den erwarteten Produktionsmengen. Neun der ersten zehn Unternehmen verwenden
Eigenentwicklungen bei den Produktionsanlagen. Unternehmen
mit Standardanlagen von AMAT7, Oerlikon,
Centrotherm oder Ulvac, die überwiegend erst zwischen
Ende 2008 und Mitte 2009 die Produktion aufgenommen
haben, finden sich erst in den Rängen zehn bis zwanzig.
Das eigene Know-how scheint in Verbindung mit einer
mehrjährigen Fertigungserfahrung nicht an Bedeutung verloren
zu haben.
Unter den ersten fünf finden sich ausschließlich Unternehmen
mit langjähriger Produktionserfahrung. Dank ihrer
guten Kostenstruktur und ihrem guten Marktzugang konnten
sie ihre Module sehr gut verkaufen. Unter den Top-Ten-Produzenten 2010 finden sich je drei Unternehmen
aus Japan und den USA, zwei aus China und je eines aus
Deutschland und aus Taiwan. Neun Unternehmen setzen
auf ihre betriebseigenen Entwicklungen und eines setzt
auf a-Si/μc-Si-Produktionslinien (a-Si:H steht für amorphemes und µc-Si:H für mikrokristallines Silicium) von Ulvac.
Basierend auf ihrer betriebseigenen CdTe-Technologie (Halbleitermaterial auf Cadmium-Tellurid-Basis)
verteidigt First Solar erfolgreich seine Leaderposition unter
allen Zellen- und Modulproduzenten, inklusive Herstellern
siliziumbasierter Module. Die Produktionskapazitäten erreichten
im Jahr 2010 1.400 MW, und das Ziel für 2012
liegt mit 2.700 MW fast bei einer Verdoppelung der
Kapazitäten. Die momentanen Produktionsstandorte USA,
Deutschland, Malaysia werden bis 2012 um Frankreich
und Vietnam erweitert. Das Unternehmen ist für alle
Dünnschichtunternehmen wichtiger Maßstab bezüglich
schnellen Kapazitätsausbaus, Kostenreduktion, Life
Cycle Management sowie vor- und nachgelagerter Integration.
Im Vergleich zu der kristallinen Siliziumtechnologie
wird ein Modul von First Solar in wenigen Prozessschritten
innerhalb von zwei Stunden an einem Ort gefertigt. First
Solar konnte seine Moduleffizienz mittlerweile auf 11,2%
steigern und die Produktionskosten im zweiten Quartal
2010 auf 0,76 USD/W reduzieren. Damit kann Solarstrom
in verschiedenen sonnenreichen Regionen der Erde
bereits zu wettbewerbsfähigen Konditionen erzeugt werden.
Alle Module sind mit einer Rücknahme- und Recyclinggarantie
ausgestattet. Trotz aller Bestrebungen bleibt ein
gewisses unternehmerisches Risiko wegen immer wieder
auftauchender Kritik an der Verwendung des toxischen
Elements Cadmium. Ein gesetzliches Verbot von
Cadmium in PV-Anlagen ähnlich wie bei Elektronikgeräten
ist beispielsweise in der EU oder auch in China nicht vollständig
ausgeschlossen.
Mit der Übernahme von Next Light hat First Solar ihre Projektpipeline
für große Freiflächenanlagen um 2,2 GW erhöht.
Auch ein 2-GW-Projektauftrag in der Provinz Innere
Mongolei konnte unlängst bestätigt werden. Zur Sicherung
ihres Rohmaterials Tellur hat First Solar das
Unternehmen 5N Plus übernommen. Dieses ist schon
heute der Hauptlieferant dieses wichtigen Rohmaterials
und größere Mengen können so für die weitere Expansion
gesichert werden.
Das japanische Elektronikunternehmen Sharp betreibt
eine große Solarenergieabteilung und produziert sowohl kristalline als auch Dünnschichtmodule. Die Gesamtproduktion
belief sich 2009 auf 595 MW. Basierend auf dem
großen internen Wissen hat Sharp schon 2005 die ersten
a-Si/μc-Si-Module hergestellt. Weitere Innovationen
beinhalten halbtransparente und Triple-Junction-Dünnschichtmodule.
Neben der bestehenden a-Si/μc-Si-Produktionslinie in Katsuragi wurde im März 2010 am
neuen Standort in Sakai eine zusätzliche Linie eröffnet.
Damit liegt die Dünnschichtproduktionskapazität bei
320 MW.
Dieses Jahr werden rund 250 MW Dünnschichtmodule
effektiv produziert. Bis 2012 soll die Produktionskapazität
auf 640 MW gesteigert werden.
160 MW sollen 2011 in Sizilien bei 3Sun, einem Joint
Venture von Sharp, ENEL und STMicroelectronics, entstehen.
STM besitzt dort eine Halbleiterfabrik, welche nie in
Betrieb genommen wurde. Eine weitere 160 MWProduktionslinie
soll 2012 in Sakai (Japan) eingeweiht werden.
Die Effizienz von Sharps a-Si/μc-Si-Modulen liegt bei
9,5%. Die aktuellen Produktionskosten werden nicht veröffentlicht.
Sie scheinen jedoch am Standort Sakai wettbewerbsfähig zu
sein. In derselben Fabrik wird Flachglas für die Solarmodule
wie auch für LCD-Bildschirme hergestellt. Im September
2010 übernahm Sharp den amerikanischen Projektentwickler
und unabhängigen Stromproduzenten Recurrent
Energy mit einer Projektpipeline von 2 GW. Dieses etablierte
Unternehmen besitzt eine gute "Bankability" und ein
starkes internationales Netzwerk. Es bestehen Projekte in
den USA, in Kanada, Deutschland, Frankreich, Spanien
und Israel.
2010 wird die Kaneka Solartech, eine Division der
Kaneka Corp. in Japan, mit einer Produktion von 110 MW
a-Si/μc-Si-Modulen die dritte Position unter den globalen
Dünnschichtunternehmen belegen. Dies vor allem, weil
die letztjährige Nummer 2, United Solar Ovonics, wegen
interner Probleme zurückgefallen ist und nur noch rund
75 MW produzieren wird (123 MW in 2009). Zusätzlich
wurde der japanische Heimmarkt durch ein neues Unterstützungsprogramm
gestärkt.
Kaneka lancierte einen Solarziegel "Solitex PV", welcher vom Markt sehr gut aufgenommen
wurde.
Die Produktionskapazitäten wurden im
Juni auf 150 MW gesteigert.
Kaneka besitzt eine lange F&E-Erfahrung mit seiner
amorphen Dünnschichttechnologie, welche bis 1980 zurückreicht.
Das Unternehmen erreicht im Labor mit 12%
die höchste Effizienz bei a-Si/μc-Si-Modulen. Die kommerziell
erhältlichen Module liegen bei einem Wirkungsgrad
von 9%. Kaneka hat seine forschen Ausbaupläne
etwas zurückgefahren und will erst 2012 über eine weitere
Expansion entscheiden. Trotz guter "Bankability" bleibt
der Vertrieb überwiegend auf den japanischen Heimmarkt
fokussiert. Aufgrund des zögerlichen Kapazitätsausbaus
und der fehlenden internationalen Distributionskanäle
wird Kaneka in Zukunft voraussichtlich in der Rangliste
zurückfallen.
Alle Unternehmen der Dünnschichtverfolgergruppe müssen
ihre geplanten Geschäftsmodelle noch unter
Beweis stellen. Die Gruppe der Verfolger wird vom a-Si-
Hersteller Trony Solar aus China und dem CIS-Hersteller
Solar Frontier, einer Tochter von Showa Shell, angeführt.
Das 1993 gegründete Unternehmen Trony Solar ist auf
den chinesischen Markt fokussiert und will über einen geplanten Börsengang seine weitere Expansion finanzieren. Der Gang an die Börse in Hongkong fand Anfang Oktober statt. Eine
Nasdaq-Kotierung in New York wurde auf unbestimmte
Zeit verschoben.
Solar Frontier wird 2011 die Produktion
in Miyazaki in einer Fabrik mit einer Kapazität von
900 MW beginnen. Dies zusätzlich zu den bestehenden
zwei Produktionsanlagen in Japan mit einer Kapazität von
insgesamt 100 MW. Daneben werden Vertriebsbüros in
Deutschland und in Kalifornien eröffnet. Solar Frontier hat
im Oktober angekündigt, dass es General Electric (GE) mit
Dünnschichtmodulen beliefern kann. Das globale Marketingnetzwerk
von GE kann Solar Frontier beim Vertrieb
seiner Module stark unterstützen. Anfang November berichtete
das Unternehmen über eine Modullieferung von
10 MW an den arabischen Ölkonzern Saudi Aramco Oil.
Diese Installation liefert dem Unternehmen wichtige Informationen
über das Verhalten der CIS-Module in einem
Wüstenklima.
Das im letzten Jahr zweitplatzierte Unternehmen United
Solar Ovonics, die Tochter der amerikanischen Energy
Conversion Devices (ECD), besitzt zwar eine solide Erfahrung
in der Triple-Junction-Technologie. Mit ihrem Laminierungsverfahren
für einen Nischenmarkt liegt die Kostenstruktur
jedoch höher und der Verkaufszyklus ist langsamer.
In dem momentan hart umkämpften Marktumfeld
verliert United Solar Marktanteile. Das Unternehmen steht
vor der Herausforderung, eine sehr ambitionierte Technologie-
und Kosten-Roadmap umzusetzen, damit es den
Anschluss an die Spitze halten kann.
Solyndra baut die Produktion ihrer röhrenförmigen CIGS Zellen
weiter aus. Diese zylindrischen Module können
das Sonnenlicht auf einer 360 Grad umfassenden,
photovoltaischen Oberfläche einfangen und sind damit in
der Lage, sowohl direktes als auch gestreutes und reflektiertes
Sonnenlicht in Strom umzuwandeln. Bis Ende
2010 soll auch die zweite Produktionslinie startbereit
sein, sodass die Kapazität (inkl. Linie 1 mit 80 MW) auf
300 MW erhöht werden kann.
Weitere sehr ambitiöse Expansionspläne wurden von
neuen Unternehmen vermeldet.
Hanergy, Chinas größter
privater Betreiber von erneuerbaren Energieanlagen, bestellte schlüsselfertige a-Si-Produktionslinien vom
chinesischen Anlagenbauer Apollo Solar mit einer Kapazität
von 800 MW. Zukünftig soll die Bestellung auf Produktionslinien
für total 3 GW in der Höhe von USD 2,55 Mia.
erhöht werden. Gleichzeitig hat Hanergy 52% des Aktienkapitals
von Apollo Solar für USD 150 Mio. übernommen.
Das Unternehmen Taiwan Semiconductor Manufacturing
Company (TSMC) baut die erste 200-MW-Fabrik für die
Produktion von CIGS-Dünnschichtmodulen. Dafür bestellte
es Produktionslinien vom kalifornischen Unternehmen
Stion. In einer zweiten Phase soll der Standort auf eine
Kapazität von 700 MW ausgebaut werden. Gleichzeitig
übernahm TSMC einen Aktienanteil von 21% an Stion. Zudem
besitzt TSMC auch 20% am taiwanesischen c-Si-
Zellenhersteller Motech. (pd)
Die Studie "Solarwirtschaft –
unterwegs
in
neue Dimensionen.
Technologien, Märkte
und Industrien im Vergleich", aus der die oben angegebenen Informationen stammen, wurde von der schweizer Sarasin-Bank im November 2010 veröffentlicht.