Wohin führt die Landwirte die politische Reise nach 2013? Müssen Sie sich noch mehr spezialisieren oder eher vielseitiger werden? Fragen, auf die DBV-Präsident Gerd Sonnleitner kürzlich in Gifhorn Antworten geben sollte. Dabei wurde deutlich, dass die Bauern mit allen drei Optionen umgehen müssen.
Gut gelaunt: DBV-Präsident Gerd Sonnleitner.
Wie stark die Landwirtschaft mit der Politik und der Öffentlichkeit verzahnt ist, wurde gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich, als der Vorsitzende Joachim Zeidler die vielen Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft begrüßte. „Doch wir werden noch stärker auf die Menschen in unserem Umfeld zugehen müssen“, appellierte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV).
Der jüngste Dioxin-Skandal habe verdeutlicht, dass die Landwirte in der öffentlichen Meinung durchaus nicht als Täter, sondern als Opfer wahrgenommen wurden. Dennoch sei der kriminelle Einzelfall zum Sinnbild einer industriellen Landwirtschaft mit Massentierhaltung geworden und müsse als Grund für einen Systemwechsel herhalten. Dementsprechend appellierte
Sonnleitner an die Landwirte, künftig selbst noch mehr Öffentlichkeitsarbeit zu machen. „Die Glaubwürdigkeit der Bauernfamilie ist dabei das beste Mittel“, sagte er. Dies wolle der
DBV mit einer Branchenkommunikation unterstützen, die aber nicht zum Nulltarif zu haben sei.
Besonders die moderne Tierhaltung werde kritisiert. „Dabei müssen wir uns überhaupt nicht verstecken, in puncto Tierschutz hat die Landwirtschaft sich ständig weiterentwickelt“, sagte Sonnleitner. Was ihn ärgere sei der Generalverdacht, dass die Landwirte alle Anpassungen beim Tier-, Natur- oder Umweltschutz blockieren wollten. Die Landwirte seien dazu bereit, sofern diese EU-einheitlich gemacht würden. Schlechte Erfahrungen mit der mustergültigen Umsetzung von EU-Vorgaben habe man schließlich bereits gesammelt, unter anderem bei der Umsetzung des Käfigverbots für Legehennen. „Der
DBV will sich auch in den Charta-Prozess einbringen, aber ein Vertrag der Politik und der Gesellschaft gegen die Bauern ist mit uns nicht zu machen“, sagte
Sonnleitner kämpferisch. Das habe der Verband auch in einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse
Aigner kundgetan.
Obwohl er Aigners Positionen mehrfach kritisierte, zollte
Sonnleitner ihr für ihre Unterstützung auf EU-Ebene Lob. „Gemeinsam mit Copa und anderen Unterstützern bleiben wir an der Gestaltung der EU-Agrarpolitik dran“, betonte der DBV-Präsident. Denn wer sich dort verweigere, mit dem werde gar nicht mehr gesprochen. Deutschland werde auch von EU-Kommissar Dacian Ciolos für die bereits erfolgte Entkopplung der Prämien und für die Umweltleistungen gelobt. Deutschland plädiere deshalb für die Beibehaltung der klaren Strukturen von erster und zweiter Säule, wobei Cross-Compliance deutlich entschlackt werden solle. „Mehr greening geht eigentlich nicht, die anderen sollen zunächst mal nachziehen“, sagte
Sonnleitner unter dem Applaus der Zuhörer.
Bei den bekannten Plänen für die Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2013 gebe es jedoch noch viel Interpretationsspielraum. Sonnleiter nannte insbesondere die Vorstellungen zur Förderung von „Kleinbauern“ oder „aktiven Landwirten“. Hier lauerten noch viele Fallen, denn die Betriebsstrukturen würden sich in der EU deutlich voneinander unterscheiden. „Die Brüsseler Definitionsansätze werte ich nach der Bibel: Nicht an ihren Worten, an den Taten sollt ihr sie messen“, sagte Sonnleitner.
Die Landwirtschaft biete Lösungsansätze für viele globale Probleme, an erster Stelle die Welternährung, sagte Sonnleitner. Doch auch bei der Redzierung von schädlichen Klimagasen und der Energiegewinnung spiele die Landwirtschaft eine große Rolle. Hier sei Landwirtschaft gefordert, Ökonomie, Ökologie und soziale Verantwortung in eine Reihe zu bringen. „Nur wer in Wirtschaft gut ist, kann sich den Rest leisten!“, betonte er.
Die Flächenknappheit werde zudem befeuert durch Ausgleichsmaßnahmen, sagte
Sonnleitner auch mit Blick auf den geplanten Bau der A39. „Natürlich ist Infrastruktur nötig, aber wir haben auch viele Industriebrachen, die einbezogen werden könnten“, sagte Sonnleitner. Bei allen Problemen machte der DBV-Präsident klar, dass die Landwirte und ihre Familien keinen Grund haben, sich selbst klein zu machen. „Wir sind das wirtschaftliche Rückgrat des ländlichen Raums und ein unverzichtbarer Teil der Volkswirtschaft, verdeutlichte er.
„Wir Landwirte sollten mit gesundem Selbstvertrauen in die Zukunft sehen“, fasste Werner Warnecke vom Vorstand des Landvolks Gifhorn zusammen. Denn ein globales Gleichgewicht zwischen Nahrungsmittelproduktion und Energieerzeugung könne nur entstehen, wenn Landwirte unter fairen Bedingungen und mit modernen Produktionsmethoden wirtschaften könnten.