Samstag, 26.05.2012
Der Präsident nimmt seinen Hut
Koblenz - Gerd Sonnleitner tritt ab. Nicht sofort, aber im nächsten Jahr. Sein Nachfolger muss in große Fußstapfen treten.
Auf dem
Bauerntag in Koblenz kündigte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes an, nicht mehr für eine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Seit 1991 ist er Präsident des Bayerischen, seit 1997 des Deutschen Bauernverbandes. Zwischendrin leitete er auch schon einmal die Geschicke der Europäischen Bauernvertretung, wozu er sich dieses Jahr erneut überreden ließ.
Familiäre Gründe waren der ausschlaggebende Grund, wie er in seiner Rede auf dem Deutschen
Bauerntag klar stellte. Seine Ehefrau teilt ihren Mann seit Jahrzehnten mit hunderttausenden Bauern, Politikern und Wirtschaftsleuten. Er ist das Gesicht des
DBV und hat den Verband geprägt.
Cheflobbyist
Ein drittel seines Lebens kämpfte der bald 63-jährige an vorderster Front für die Belange der Bauernschaft. Dabei hat er sich einige Blessuren zugezogen. In vielen Augen ist er der Cheflobbyist einer der größten Lobbygruppen in Brüssel. Der Landwirtschaft fern stehende Menschen verstehen oftmals nicht, weshalb der Bauer jammert, erhält er doch aus Brüssel jedes Jahr genügend Stütze.
Sonnleitner war jener, der sich für den Erhalt dieser Gelder einsetzte und die wirtschaftliche Notwendigkeit gegenüber der Bevölkerung kommunizierte.
Die Politik auf nationaler und EU-Ebene hat Respekt vor Sonnleitner. Das merkte man auch wieder auf dem Bauerntag. Sowohl bei Kanzlerin
Merkel als auch bei Ministerin Aigner.
Krisenmanager
Sonnleitner dirigierte den Verband durch zahlreiche Krisen. MKS, BSE und Gammelfleisch. Geflügelpest, Dioxin und
EHEC – wenn es einen Skandal in der Landwirtschaft gab, war er, gemeinsam mit dem jeweils regierenden Agrarminister, der erste, der an den Pranger gestellt wurde. Der Niederbayer hat es ausgehalten. Er war standhaft und hat sich vor seine Landwirte gestellt.
Den größten Schlag dürften ihm deshalb die Milchkrisen in den letzten Jahren versetzt haben. Als Vertreter der Großindustrie verunglimpft, beschimpft und beschuldigt. Vor seinem Hof im niederbayerischen Ruhstorf wurde ihm das Haberfeldgericht gelesen. Wenn man sich so lange für seinen Berufsstand eingesetzt hat, muss das weh tun. Er hat es ausgehalten und ist geblieben, hat nicht die Flucht ergriffen und hingeschmissen.
Eigenverantwortlicher Abschied
Nun geht er also. Er hinterlässt ein gut bestelltes Haus. Der
Milchpreis hat sich stabilisiert, das Konjunkturbarometer Agrar zeigt nach oben. Auf dem
Bauerntag wurde nach zweijähriger Gremienarbeit ein neues Leitbild verabschiedet. In den Landesverbänden gibt es potenzielle Nachfolger mit Visionen, die den Verband gut weiterführen werden.
Glaubwürdigkeit, Kompetenz, Nachhaltigkeit, Mut und Zusammenhalt – das sind die fünf Eckpfeiler des neuen Leitbildes des Deutschen Bauernverbandes. Fünf Wörter, die auch über der Amtszeit des Gerd
Sonnleitner stehen.
- Hören Sie hier den o-Ton des DBV-Präsidenten auf dem deutschen Bauerntag in Koblenz und die anschließende Reaktion von Agrarministerin Ilse Aigner (CSU). mehr...
hek
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