Frankfurt - Der Ausschuss für Pflanzenzüchtung und Saatgut der DLG sieht die unabhängige Information der Landwirte zu den Werteigenschaften neuer und altbewährter Sorten in Gefahr.
Die DLG fürchtet, dass künftig wichtige Aussagen zur regionalen Anbaueignung nicht mehr für Landwirte zur Verfügung stehen.
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Der zunehmende Sparzwang verleitet derzeit einzelne Länder dazu, so zum Beispiel Brandenburg, die finanziellen Mittel für die Landessortenversuche zu beschneiden, kritisiert die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). "Damit stehen wichtige Aussagen zur regionalen Anbaueignung gerade der neuen Sorten mittelfristig nicht mehr zur Verfügung", befürchtet der Vorsitzende Dr. Reinhard Kendlbacher in einer Stellungnahme des DLG-Ausschusses.
"Landwirte brauchen verlässliche, in exakten Versuchen ermittelte
Ergebnisse, um die für ihre jeweiligen Standortverhältnisse 'richtigen'
Sorten auswählen zu können. Ob die im öffentlichen Prüfwesen
entstehenden Lücken durch private Aktivitäten, beispielsweise von
Handelshäusern, nachhaltig, zuverlässig und neutral gefüllt werden
können, ist zumindest zweifelhaft", so der DLG-Ausschussvorsitzende.
Denn
hier fehle oftmals ein flächendeckendes Versuchswesen. Es drohe die
Gefahr, dass lückenhafte Ergebnisse oder Ergebnisse von nur einem
Standort zu einzelnen Sorten durch besonders zugespitzte Werbeaussagen
ergänzt werden.
DLG fordert flächendeckendes, neutrales Versuchswesen
Ein neutrales, flächendeckendes
Versuchswesen ist daher für die Umsetzung des züchterischen Fortschritts
in der praktischen Landwirtschaft unerlässlich, fordert die DLG.
Das Bundesgebiet ist geologisch und klimatologisch sehr differenziert.
Auch die einzelnen Sorten werden in den verschiedensten Regionen
Deutschlands und in der Europäischen Union entwickelt. Das Auffinden der
für die unterschiedlichen Naturräume geeigneten Sorten stellt deshalb
die erste Voraussetzung für einen Umwelt und Klima schonenden
Pflanzenbau dar.
Falsche Sortenwahl des Landwirts aufgrund
unzureichender Informationen führe dazu, dass Standortpotenziale nicht
ausgeschöpft werden. Fehlende genetische Anpassung der Sorten an
biotische und abiotische Umweltbedingungen müssten dann durch einen
erhöhten Einsatz von zum Beispiel Dünge- und Pflanzenschutzmitteln
kompensiert werden. Dies widerspricht den allgemeinen - auch von Seiten
der Politik - geforderten Leitzielen einer Umwelt und Ressourcen
schonenden Landnutzung.
Landwirte und Verbraucher zahlen Preis für kurzfristiges Denken
Die Prüfung der Sorten und
die Ermittlung ihrer optimalen Bestandsführung ist demnach eine
wichtige Gemeinwohl-Aufgabe und muss in der gebotenen Neutralität und
objektiven Kompetenz weiterhin flächendeckend vollzogen werden, fordert
die DLG.
Kurzfristiges Denken im Versuchswesen, speziell in der Sortenprüfung und
beim Nachbau, fordert langfristig gesehen einen hohen Preis:
- Ertragsabfall,
- Abnahme der Krankheits- und Schädlingsresistenz,
- Zunahme von Fremdbesatz und
- Verunkrautung.
Dadurch kommt es zu wirtschaftlichen Einbußen, auch in der
Tierproduktion. Hier liegt eine besondere Verantwortung vor allem bei
staatlichen Stellen hinsichtlich einer neutralen und wissenschaftlich
fundierten Versuchsdurchführung und Analytik.
Bisher zeichnet ein praxisorientiertes Versuchswesen im Verbund von
Züchtern, Zulassungsbehörden und öffentlichen Beratungsträgern ein
aussagekräftiges Bild der aktuell am Markt befindlichen Sorten. Der
Landwirt findet so sehr fundierte Informationen, um seine Sortenwahl zu
treffen. Nach der Zulassung einer Sorte durch das Bundessortenamt,
basierend auf bundesweiten Ergebnissen, wird in Landessortenversuchen
die regionale Eignung von Sorten herausgearbeitet.
Die DLG wird diese Thematik anlässlich ihrer Wintertagung am 10. Januar
2012 in Münster/Westfalen im Rahmen der Diskussionsveranstaltung
"Sortenwahl ohne Versuche - woher kommen die Informationen?" aufgreifen.