Samstag, 26.05.2012
Spritkosten auf Rekordniveau
München/Berlin - Kälte, hohe Rohölpreise und ein niedriger Euro treiben die Kraftstoffpreise in die Höhe. Zum Wochenbeginn erreichten sie Rekordhöhen. Es scheint, als würde sich daran so schnell nichts ändern.
Die Kraftstoffpreise befinden sich derzeit auf Rekordniveau.
© Luftbildfotograf - Fotolia.com
Die Benzinpreise in Deutschland verharren auf Rekordniveau. Ein Liter Superbenzin E5 kostete am Dienstagvormittag nach Angaben der Mineralölwirtschaft durchschnittlich 1,6728 Euro.
E10 mit zehn Prozent Ethanolanteil war demnach um drei Cent günstiger. Allerdings ist es bei den Autofahrern nach wie vor unbeliebt. Diesel blieb mit 1,5366 Euro je Liter knapp unter der Rekordmarke aus dem Sommer 2008. Als Grund für die hohen Preise nannten Experten die gestiegenen Rohölpreise bei gleichzeitig schwachem Euro.
Im Tagesverlauf pendeln sich die Spritpreise zwar normalerweise auf einem niedrigeren Niveau ein. Doch für Autofahrer ist dies derzeit nur ein schwacher Trost. So hatte der Preis für Superbenzin
E5 am Montag im Tagesverlauf ein Durchschnittsniveau von 1,6676 erreicht. "Der höchste Preis, der jemals gemessen wurde", sagte Tobias Wolny, Sprecher von Aral und BP.
Super aufgrund hoher Rohölpreise nicht überteuert
"Die Mineralölkonzerne versuchen, am Morgen höhere Preise
durchzusetzen. Wenn sie merken, dass die Kunden ausbleiben, gehen sie
mit den Preisen wieder runter", sagte Andreas Hölzel vom Automobilclub
ADAC. Angesichts der hohen Rohölpreise sei Super Benzin derzeit nicht
überteuert. Bei Diesel-Kraftstoffen, deren hohe Kosten der ADAC bereits
seit Monaten kritisiert, hofft Hölzel auf das Ende der Heizperiode. Dann
sollte sich seiner Meinung nach der steuerliche Unterschied von 22 Cent
zum Super-Benzin wieder bemerkbar machen.
Wolny wies auch auf die starke Nachfrage aus China hin, wo zahlreiche
Stromgeneratoren mit Diesel betrieben würden.
Bei Rohöl sei man mit rund 122 Dollar pro Barrel (159 Liter) zwar
noch von der Rekordmarke von 145 Dollar aus dem Jahr 2008 entfernt.
Allerdings sei der Preis seit Anfang Februar um mehr als 11 Dollar in
die Höhe geschossen. Am Dienstag verschlechterte sich zudem erneut der
Referenzkurs des Euro auf 1,3222 Dollar (Montag: 1,3266). Das wirkt sich
ebenfalls negativ auf die Rohölpreise aus, die in Dollar bezahlt
werden.
Iran-Situation treibt Ölpreis nach oben
"Der größte Treiber für den Benzinpreis ist in der Tat der
Ölpreis", sagte Claudia Kemfert, Energieökonomin am Deutschen Institut
für Wirtschaftsforschung (DIW) dem Nachrichtensender n-tv. "Wir haben
ausreichend Öl auf dem internationalen Markt, aber die Iran-Situation
treibt die Sorge vor Angebots-Engpässen und den Ölpreis hier sehr stark
nach oben. Das führt dazu, dass letztendlich auch der Benzinpreis sehr
hoch ist."
Der Hamburger Energie-Informationsdienst EID warnt
vor weiter steigenden Benzinpreisen. "Solange im Iran keine politische
Ruhe einkehrt, ist weiter mit steigenden Preisen zu rechnen."
Der verbraucherpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Erik
Schweickert, kritisierte die Dominanz der wenigen großen Raffinerien.
"Wir benötigen mehr Wettbewerb bei den Raffinerien, dann gibt es auch
mehr Wettbewerb an der Zapfsäule und niedrigere Preise", sagte er der
"Bild"-Zeitung.
ADAC fordert Erhöhung der Pendlerpauschale
Der Automobilclub ADAC macht sich wegen der hohen Benzinpreise für
eine Erhöhung der Pendlerpauschale stark. "Besonders die Pendler leiden
unter den weiterhin sehr hohen Sprit-Preisen", sagte ADAC-Präsident
Peter Meyer der "Bild"-Zeitung. "Gerade jetzt sollte die Politik nicht
untätig dabei zusehen, wie für Millionen von Menschen Mobilität immer
unbezahlbarer wird. Eine deutliche Erhöhung der Entfernungspauschale ist
meiner Meinung nach alternativlos und muss unbedingt so schnell wie
möglich auf die Agenda."
Unterstützung bekommt Meyer auch vom Bundesverband mittelständische
Wirtschaft (BVMW). "Dem Staat fließen jährlich über 40 Milliarden Euro
aus der Mineralölsteuer zu", sagte BVMW-Präsident Mario Ohoven der
Zeitung. "Der Staat muss entweder die Steuern auf Benzin deutlich senken
oder die Kilometerpauschale von heute 30 auf 40 Cent je Kilometer
erhöhen. Davon würden Millionen Berufspendler profitieren."
Benzinpreis lässt Mitfahrgelegenheiten boomen
Um trotz steigender Spritkosten mobil zu bleiben, suchen immer mehr
Autofahrer Mitfahrgelegenheiten. Entsprechende Angebote im Internet
erleben derzeit einen Boom. Auf "mitfahrgelegenheit.de" stünden aktuell
rund 650 000 Fahrten zur Buchung bereit - das seien rund zehn Prozent
mehr als vor einem Jahr, sagte ein Sprecher am Dienstag. Noch stärker,
nämlich um 25 bis 30 Prozent, sei die Nachfrage gestiegen. "Wer eine
Mitfahrgelegenheit bietet, hat sehr gute Chancen, einen Mitfahrer zu
finden. Wer zwei Leute mitnimmt, hat die Benzinkosten wieder drin",
erläutert Markus Barnikel, Geschäftsführer von "carpooling.com" das
bestechende Argument. Das Unternehmen betreibt neben
"mitfahrgelegenheit.de" Plattformen in acht europäischen Ländern.
dpa
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