Berlin - Die Biokraftstoffquote in Deutschland kann offenbar trotz der verkorksten Markteinführung von Ottosprit mit einem zehnprozentigen Bioethanolanteil (E10) eingehalten werden. Wie die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Katherina Reiche, gestern in Berlin beim 10-jährigen Jubiläum des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) erklärte, bestehen keine Anzeichen, dass die Quote 2011 nicht erfüllt wird. Seit 2007 sei die Quote stets übererfüllt worden, sagte die CDU-Politikerin vor dem Hintergrund von Klagen aus der Mineralölindustrie, die Strafabgaben für ein mögliches Verfehlen der Quote müssten über den Preis an die Verbraucher weitergegeben werden.
Reiche sprach von einem rasanten Wachstum der Branche im letzten Jahrzehnt und ließ die Stagnation der letzten Jahren nach dem Schwenk in der Förderpolitik von einer Steuerbefreiung zur Beimischungsquote unerwähnt. Hingegen sprach sie Nutzungskonkurrenzen zwischen der Bioenergie und anderen Nutzungsschienen für agrarische Rohstoffe an. Noch zu regeln seien indirekte Landnutzungsänderungen (iLUC). Man müsse diese „in den Griff bekommen“. Die Staatssekretärin sprach von einem „offenen Feld“, auf dem man noch zusammenarbeiten müsse. Aus Brüssel wird seit längerem ein Papier zu den Auswirkungen angeblicher indirekter Landnutzungsänderungen durch Biokraftstoffe erwartet. Abteilungsleiter Clemens Neumann aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium brachte das Thema iLUC in Zusammenhang mit Raubbau an Wäldern. Deshalb sei iLUC sehr wichtig. „Die Ansätze dürfen aber nicht so sein, dass wir die europäische Produktion benachteiligen“, mahnte Neumann. Verstärkt will er Geld für die Forschungsförderung bereitstellen.
Der Abteilungsleiter nannte dabei die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) als Projektträger. „Wir sind bereit, in den nächsten Jahren hier verstärkt Finanzmittel einzusetzen“, sagte Neumann. Man müsse „viel Geld in der Forschung verwenden“, und zwar nicht nur im Pkw-Bereich, sondern auch für die Nutzung von Biokraftstoffen in Lkw, im Schiffs- und im Flugverkehr. Laut Ansicht von VDB-Präsident Detlef Evers vom Agrarkonzern Archer Daniels Midland (ADM) hat die Branche seit Bestehen des Verban des viel erreicht. Er sprach von „guten und schlechten Jahren“ und ging selbstkritisch auch auf den rasanten Zubau an Biokraftstoffanlagen kurz vor Ende der Steuerbefreiung für den umweltfreundlichen Treibstoff vom Acker ein. Angesichts der nun freien Kapazitäten betonte Evers aber auch: „Die deutschen Biokraftstoffproduzenten können mehr.“ Gleichzeitig betonte er Errungenschaften wie die Umsetzung der Nachhaltigkeitsvorschriften, die Deutschland als erster EU-Staat Anfang dieses Jahres in die Praxis überführte. „Unsere Kraftstoffe kommen nicht von ehemaligen Regenwaldflächen“, unterstrich der VDB-Präsident. An Biodiesel und Bioethanol führe kein Weg vorbei.