Samstag, 26.05.2012
BUND kritisiert Unterstützung der Tierhaltung
Berlin - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Förderung der Tierhaltung durch die Europäische Union heftig kritisiert.
Deutsche geben im Schnitt elf Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus.
© Hans-Jörg Nisch/aboutpixel.de
Die pauschale Vergabe von Subventionen für eine industrielle Massentierhaltung von Schweinen und Geflügel schade der Umwelt und beeinträchtige die Wettbewerbsfähigkeit ökologisch und besonders tiergerecht produzierender Fleischerzeuger, kritisierte der BUND. Nach Angaben der Umweltorganisation wurde die Schweine- und Geflügelhaltung in Deutschland 2008 und 2009 mit jeweils rund einer Milliarde Euro unterstützt. Mit rund 950 Millionen Euro entfiel der größte Teil auf flächengebundene Direktzahlungen für den Anbau von Futtermitteln. Der Bau von Stallanlagen wurde mit 80 Millionen Euro bezuschusst. Knapp 20 Millionen Euro gingen an die zehn größten Schlachtunternehmen in Form von Exportsubventionen.
Der BUND monierte, mit dem Geld werde die Überproduktion von Fleisch gefördert. Inzwischen gehe jedes zehnte in Deutschland geschlachtete Schwein in den Export. Auch Geflügel werde in Deutschland mehr produziert als verzehrt. Der BUND forderte einen unverzüglichen Stopp von Subventionen für die Fleischwirtschaft. An die Stelle von pauschalen Fördermitteln müsse eine gezielte Förderung besonders nachhaltiger Fleischerzeugung und regionaler Verarbeitung treten. Die Nicht-Regierungsorganisation begrüßte, dass in der anstehenden EU-Agrarreform 30 Prozent der Direktzahlungen von Umweltschutzmaßnahmen abhängig gemacht werden sollen.
DBV entsetzt über Vorwürfe
Der Deutsche Bauernverband (DBV) äußerte sich entsetzt über die Vorwürfe des BUND über angebliche Fehlleitungen von Steuergeldern in der Tierhaltung. Die auch anderern Wirtschaftsbereichen zufließenden Investitionshilfen gingen vorwiegend in tier- und umweltfreundliche Haltung, Transport und Fütterung dementiert der DBV. So würde es zum Beispiel gelingen, bei Rindern die traditionelle Anbindehaltung nach und nach aufzugeben.
Die vom BUND genannten 950 Milliionen Euro gehen an die deutschen Bauern als Teilkompensation für Landschaftspflege durch Acker und Grünlandbewirtschaftung, so der DBV. Die Zahlungen seien produktionsunabhängig und an umfangreiche Auflagen des Tier-, Natur- und Umweltschutzes gebunden.
Weiter erklärte der DBV, dass Tierschutz nur dann nachhaltig durchgesetzt werden kann, wenn auch die internationalen Wettbewerber einbezogen werden. Als Beispiel nannte er die Legehennenhaltung: Durch den Druck der Tierschutzorganisationen wurde in Deutschland auf neue Haltungsformen umgestellt. Als Folge stammen heute 50 Prozent des Eierangebotes aus Ländern, in denen Tierschutzstandards weit unterhalb des deutschen Niveaus liegen.
aiz/dbv/pd
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