Mittwoch, 22.02.2012
Immer mehr Boden geht verloren
Berlin - Pro Minute verursacht der Mensch 23 Hektar Wüste. Anlässlich dieser Verschwendung machen Landwirte, Bauernverband und Experten mobil.
Am Montag war Weltbodentag, der Bauernverband hat eine Petition organisiert, die sich gegen den Flächenfraß wendet.
© Rainer Sturm/pixelio
Zum Weltbodentag am Montag hat das Umweltbundesamt (UBA) in Zusammenarbeit mit dem Potsdamer Institut für Nachhaltigkeitsforschung (IAAS) wesentlich mehr Aufmerksamkeit für das Problem der Bodenverschwendung gefordert.
Die Folgen der Vernichtung fruchtbarer Böden seien Hunger, Wassermangel und Armut, sagte Klaus Töpfer, früherer Bundesumweltminister und Exekutivdirektor des IAAS. "Um dies zu bekämpfen, sind nicht nur Hilfslieferungen notwendig, sondern auch ein vorausschauender Umgang mit unseren Böden."
"Wir haben unsere Böden viel zu lange vernachlässigt. Es ist höchste Zeit, sie besser zu schützen und den steigenden Nutzungsdruck auf sie besser in den Griff zu bekommen", sagte Thomas Holzmann, Vizepräsident des UBA. Böden seien eine begrenzte lebensnotwendige Ressource. Die Weltbevölkerung von etwa sieben Milliarden Menschen und der steigende Konsum stellten eine große Belastung dar.
15.000 Unterschriften gegen den Flächenfraß
Um den Flächenfraß zu minimieren, hat der Bauernverband eine Petition gestartet. In wenigen Tagen sind bereits 15.000 Unterschriften gesammelt worden. Die Mitglieder der Landes- und Kreisbauernverbände würden rege Unterschriften für die Petition leisten, in der der Bundestag aufgefordert wird, "auf gesetzlichem Wege landwirtschaftliche Nutzflächen als unvermehrbare Produktionsgrundlage zur Ernährungssicherung und für Nachwachsende Rohstoffe" zu schützen. Auch Bundes- und Landtagsabgeordnete solidarisieren sich mit dem Petitionsanliegen. Der Bauernverband hat eine Gesetzesinitiative für einen solchen Flächenschutz entwickelt.
Bauern protestieren vor großen Bauprojekten
Vor Bauprojekten mobilisieren sich mittlerweile auch Bauern mit ihren Familien für den Protest gegen den Flächenfraß. Denn zusätzlich zu Baumaßnahmen wird die landwirtschaftliche Nutzfläche, die versiegelt wird, durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen beschnitten. So haben zum Beispiel Landwirte entlang der Autobahn A 2 zwischen Hannover und Helmstedt gegen die Pläne für drei neue LKW-Parkplätze demonstriert. Sie regen an, die bereits versiegelten Flächen am ehemaligen Grenzübergang Marienborn zu nutzen und dafür auf den Neubau von Parkplätzen auf bestem Ackerland in der Region Helmstedt zu verzichten.
Flächenverbrauch steigt
Obwohl in Deutschland die Zahl der Einwohner in den nächsten 20 bis 30 Jahren spürbar zurückgehen wird, nimmt die Flächenversiegelung immer weiter zu. Täglich gehen nach Zahlen des Bauernverbandes in Deutschland rund 90 Hektar wertvoller Acker- und Grünlandflächen durch Überbauung verloren. Seit 1992 sind durch Überbauung und Versiegelung in Deutschland über 800.000 Hektar der Nahrungsmittelerzeugung entzogen worden. Dieser Flächenverlust entspricht vergleichsweise der landwirtschaftlichen Fläche der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Saarland.
Weltweit geht jedes Jahr nach Experten-Aussagen eine fruchtbare Fläche
verloren, die so groß ist wie die gesamte landwirtschaftlich genutzte
Fläche Italiens.
Die für die Petition notwendige Unterschriftenaktion findet über die Landes- und Kreisverbände sowie im Internet unter www.bauernverband.de statt. dpa/pd
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