Berlin - Dürfen Tierärzte weiterhin Antibiotika verkaufen? Darüber debattieren die Länder derzeit. Für die Veterinäre geht die Diskussion am Problem vorbei.
Bei einem Ausbruch der Klassischen Schweinepest sollen künftig gesunde Tiere nicht mehr vorsorglich gekeult werden. Geplant ist stattdessen eine Notimpfung.
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Die deutschen Tierärzte wollen trotz Kritik in der
Antibiotika-Debatte weiterhin auch Medikamente verkaufen. "Es geht um
die schnelle, flächendeckende und kostengünstige Versorgung", sagte
der Präsident des Bundesverbands praktizierender Tierärzte,
Hans-Joachim Götz. "Der Vorwurf, man
verdiene maßlos daran, ist Quatsch." Die Tierärzte setzen sich nach
seinen Worten aber dafür ein, den Antibiotika-Einsatz zu senken.
Zugleich forderte Götz mehr Platz für Tiere in den Ställen, um
Erkrankungen vorzubeugen.
Die
Länder prüfen nun die Forderung, den Tierärzten das Dispensierrecht
zu nehmen. Es erlaubt ihnen, die Medikamente, die sie verordnen, auch
zu verkaufen. "Wenn Tiere krank sind, müssen sie auch behandelt werden", sagte
Götz. "Wir haben in großen Beständen aber ein Problem: Es werden zehn
bis 15 Prozent krank, und man weiß sich im Augenblick nicht anders zu
helfen, als den ganzen Bestand zu behandeln." Damit solle verhindert
werden, dass sich weitere Tiere anstecken.
Die Ursache des Problems
liege in der intensiven Haltung, sagte Götz. "Die Ställe sind zu
dicht besetzt." Weil außerdem die Mäster immer wieder neue Tiere in
die Ställe brächten, öffneten sie auch Krankheitserregern die Türen. "Wir fänden es grundsätzlich schlecht, wenn man jetzt aus
öffentlichem Druck den Tierärzten das Dispensierrecht wegnähme."
Apotheken könnten die fachliche Beratung für die Vielzahl der
Tierarten nicht leisten. Die großen Mastbetriebe würden dann
kurzerhand eigene Apotheken gründen, um sich mit Medikamenten zu
versorgen. Für alle anderen Halter würde die Versorgung aufwendiger
und deutlich teurer. Auch der Tierarzt müsse dann mehr verlangen
dürfen.
Tierärzte setzen auf QS
Die Tierärzte setzen nun auf eine im April einsetzende Initiative
mit dem Lebensmittel-Prüfsystem QS, um Antibiotika in der Mast zu
reduzieren. Wer Geflügelfleisch mit dem QS-Siegel vermarkten will,
kann dann voraussichtlich bei Überschreitungen zu einem niedrigeren
Antibiotika-Einsatz verpflichtet werden. Im Laufe des Jahres sollen
die Schweinehalter folgen.