Wien - Seit Monaten schwelt in Österreich ein Streit um Sauenhaltung in Kastenständen. Tierschützer haben deshalb bereits mehrfach Landwirtschaftskammern besetzt.
Ferkelschutzkörbe - auch Kastenstände genannt - sorgen in Österreich für Spannungen.
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Nachdem in Österreich bereits die Landwirtschaftskammern in St. Pölten, Innsbruck und Linz kurzfristig von Tierschützern besetzt worden waren, um neuen Schwung in die Diskussion zur Neuregelung der Kastenstandhaltung von Mutterschweinen zu bringen, haben sich am vergangenen Donnerstag Vertreter des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) entschlossen, in Graz und Salzburg diesem Beispiel zu folgen.
Bei den Aktionen warfen die Aktivisten der ÖVP vor, eine Blockadepolitik gegen eine Neuregelung der Kastenstandhaltung zu betreiben; gleichzeitig pochten sie auf das demokratische Grundprinzip, alle betroffenen Interessen - so auch das der Schweine - in die Verhandlungen über mögliche Neuregelungen mit einzubeziehen.
VGT-Obmann Dr. Martin Balluch erläuterte die Positionen seines
Vereins und stellte klar, dass es ohne die Zustimmung des Tierschutzes
keine Entscheidung zur Kastenstandhaltung geben könne. In einer
Demokratie regiere die Mehrheit, und diese wolle ein Kastenstandverbot.
Wenig Verständnis für die VGT-Aktionen zeigte der Präsident der
Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski. Bei den
Verhandlungen über die Ferkelschutzkörbe hätten die heimischen
Schweinebauern ein weitreichendes Kompromissangebot gemacht, doch die
Tierschützer wollten dieses aufgrund ihrer "eindimensionalen und
einseitigen Sichtweise" nicht anerkennen. Die heimischen Verbraucher
brauchten jedoch keinen Aktionismus, sondern eine ordentliche Lösung für
die Sicherung der österreichischen Produktion. Der VGT poche auf
Tierschutz, führe die Diskussion aber nicht auf Augenhöhe, kritisierte
Wlodkowski.
Das Eindringen in die Landwirtschaftskammer sei reiner
Aktivismus und nehme den Akteuren des VGT jede Legitimation als
Diskussionspartner. Dies führe nur dazu, dass eine Einigung erschwert
werde, was nicht im Sinne der österreichischen Bevölkerung liegen könne.
Der Schutz der Tiere werde in der Landwirtschaftskammer sehr intensiv
diskutiert, und alle Fraktionen stünden zu dem Ziel, eine qualitätsvolle
Versorgung mit Fleisch aus Österreich mit entsprechenden
Produktionsstandards für die Landwirte sicherzustellen, betonte der
Kammerpräsident. Die Landwirtschaft wolle, dass die Verbraucher auch in
Zukunft heimisches Schweinefleisch genießen könnten und nicht auf
importiertes Fleisch zurückgreifen müssten. "Wer importiert, importiert
auch Risiko", so Wlodkowski.