Tischgespräch mit Dr. Bernard Krone
Spelle - Unter den beiden Eigenschaften Fleiß und Ehrlichkeit, gepaart mit Freundlichkeit lässt sich laut Dr. Bernard Krone alles subsummieren, was für ein erfolgreiches Unternehmerleben notwendig ist.
Dr. Bernard Krone ist nach Max Eyth – also nach 105 Jahren Abstand – erst der zweite Landtechniker, dem der VDI die höchste Auszeichnung, die Grashof-Denkmünze, verliehen hat.
Und dass der mittlerweile 71jährige
Dr. Bernard Krone der Prototyp
eines erfolgreichen Unternehmers
ist, dürfte unstrittig sein. Dies
zeigt nicht zuletzt die vor kurzem erfolgte
Verleihung der obersten Auszeichnung
des Vereins Deutscher Ingenieure
VDI an ihn: die Grashof-Denkmünze.
Der letzte Landtechniker, dem
diese Ehre wiederfahren ist, war Max
Eyth, der Begründer der Deutschen
Landwirtschafts Gesellschaft DLG.
Es hat somit 105 Jahre gedauert, bis der
Ingenieursverein diese alle zwei Jahre
verliehene Denkmünze wieder einem
Landtechnik-Ingenieur zugesprochen
hat – entsprechend geehrt fühlte sich
Dr. Krone auch. Dies war jedem seiner
Dankesworte zu entnehmen, die er anlässlich
der Festveranstaltung in einem
ebenfalls nicht alltäglichen Rahmen im
Emsland Moormuseum an die geladenen
Gäste richtete.
Außerordentlich geprägt vom Vater
Das Büro von Dr. Krone dominiert ein
Ölbild – von seinem Schreibtisch aus
blickt er frontal auf seinen Vater Bernard
Krone, den Zweiten, von dem er
sagt, dass er ihn außerordentlich geprägt
habe: "Mein Vater war schon ein
außergewöhnlich kluger Mann. Er hat
immer zum Besten gegeben, dass er
noch Hufschmied wäre wie sein Vater,
wenn er lieber mit den Händen als mit
dem Kopf arbeiten würde."
Wobei die Krones nicht nur Hufschmiede,
sondern auch Gastronome
waren. Seine ersten zwölf Lebensjahre
hat die ganze Familie auch noch in der
Gastwirtschaft gewohnt. Es ist also wiederum
kein Zufall, dass vis-a-vis des
heutigen Landmaschinen-Fachhandelsbetriebes,
das Hotel Krone mit angeschlossenem
Bankettraum und sehr
guter Gastronomie zu finden ist.
Wobei Bernard der Zweite und Bernard
der Dritte als Alphamännchen seinerzeit
durchaus ihre Probleme miteinander
hatten: "Nachdem ich mit 16 die
Schule mit Mittlere Reife abgeschlossen
hatte, machte ich zunächst ein Praktikum
bei Niemeyer in Riesenbeck in deren
Gießerei. Anschließend bei Claas
eine Lehre in Verbindung mit dem Besuch
der Metallberufsschule in Warendorf.
Nur dank der Unterstützung des
Onkels von Helmut
Claas bekam ich als
junger Bursche einen Platz auf der Ingenieurschule
in Köln, obwohl viele
Kriegsheimkehrer ins Studium drängten.
So bin ich mit gerade einmal 22
Jahren im Sommer 1962 mit abgeschlossenem
Studium und großer
Klappe nach Hause gekommen, wie
mein Vater zu sagen pflegte."
Auslandsaufenthalt in Dublin
Um Auseinandersetzungen aus dem Weg
zu gehen – "stoß Dir die Hörner wo anders
ab" – schickte er seinen Sohn zunächst
nach England und dann zum Importeur
Farmhand nach Irland. Die
seinerzeit mit Denis Scrivener begründete
Partnerschaft hat immer noch Bestand
als Importeur von Amazone, Alö,
Krone und andere. "Man könnte ein ganzes Buch schreiben
über unsere Anfangsjahre, wie wir die
Miststreuer mit dem Ford-Pkw aus dem
Hafen gezogen haben, oder gleich zu Beginn
direkt neben der englischen Botschaft
in Dublin ein Büro mieteten.
Wenn man ganz ehrlich ist, dann lebten
wir eigentlich von dem Austausch der
gebrochenen Gussräder an den Streuern.
Im Nachhinein kamen wir gemeinsam
zu dem Resümee, dass wir weit über
unsere Verhältnisse, aber dennoch nicht
standesgemäß gelebt haben," erzählt Dr.
Krone, wobei sein Gesicht ein lausbübisches
Grinsen überzieht.
Dass er trotz dieses glorreichen Aufenthalts
bereits im Sommer 1963 wieder
nach Spelle zurückkam, lag an der Intervention
seiner Mutter. "Seinerzeit besuchten
uns meine Eltern in Dublin.
Dabei nahm mich meine Mutter kurz
zur Seite und bat mich doch nach Hause
zu kommen, weil meinem Vater alles zu
viel wurde und er nur ständig alle Leute
vergraule. Dank der Aufgabenteilung –
er selbst hat sich um den Handel gekümmert,
mir übergab er die Verantwortung
über die Maschinenfabrik und
mein Vetter Heinz wurde der Finanzfachmann
– funktionierte es anschließend
weitgehend reibungslos. Was man
in diesem Zusammenhang vielleicht
noch wissen muss ist, dass mein Vater
und mein Großvater Bronchial-Asthmatiker
waren. Leider starb mein Vater infolge
dessen auch viel zu früh."
Mitarbeiter haben sehr hohe Verweildauer
Dr. Krone, der nach wie vor als Vize-Präsident
im VDA, also im Verband der Automobilindustrie
fungiert, war damals
gerade einmal 29 Jahre. Die darauf folgende
Zeitperiode sei äußerst schwierig
gewesen, zum einen musste die Erbschaftssteuer
bezahlt werden, zum anderen
waren diese Jahre generell von Überbeständen
bei Industrie und Fachhandel
geprägt. Viele Landmaschinen-Hersteller
wären damals ins Trudeln gekommen
und nicht wenige davon hätten
sich nicht mehr abfangen können und
zerschellten. "Wenn wir nicht immer so loyale, engagierte
und gute Mitarbeiter und Kunden
gehabt hätten, würde es uns vielleicht
heute auch nicht mehr geben," sinniert
Dr. Krone entspannt im Bürosessel zurück
gelehnt.
"Ich bin mehr als stolz darauf,
dass unsere Mitarbeiter eine sehr
hohe Verweildauer haben – bei nicht
wenigen kann man sagen, einmal Krone,
immer Krone. Es gibt ja das Sprichwort, "wie man in den Wald hineinruft, so
schallt es daraus zurück". Dass es mir immer
wichtig war, dass sich unsere Mitarbeiter
wohl fühlen, hat sich definitiv ausgezahlt.
Und dazu, dass sie sich
wohlfühlen gehört, dass man ihnen uneingeschränktes
Vertrauen schenkt. Natürlich
geht ohne Geld nichts, aber Geld
ist eben nicht alles.“
In der Retroperspektive zeige sich außerdem,
dass es goldrichtig war, dass man
sich im Hause Krone noch zu Lebzeiten
des Vaters bereits mit Diversifizierungsgedanken
getragen habe. Das 1971 in
Werlte gestartete, heutige Lkw-Anhänger-
Werk ist das Ergebnis davon.
Klare Lebensgrundsätze
Wenn er heute auf sein Unternehmerleben
zurückblicke, dann hätten sich ein
paar menschliche Züge als Erfolgsgaranten
herauskristallisiert. Dass er gut auf Menschen
zugehen und loben könne, sei ihm
angeboren, betont Dr. Krone. Für ihn
gelte, ein Mann, ein Wort, auch wenn es
ihn schon viel Geld gekostet habe.
Wenn ein Kunde ein Anliegen hat,
müsse er noch am gleichen Tag eine Reaktion
bekommen – und sei es nur, dass
sich dieser oder jener Kollege zeitnah
bei ihm melde.
Nicht unerwähnt bleiben darf der ausgeprägte
Ordnungssinn.
Jedem, der schon
einmal mit Dr. Krone einen Werksrundgang
gemacht hat, wird aufgefallen sein,
dass er alles bemerkt, was nicht so ist,
wie es sein soll und dies auch sofort bei
den Mitarbeitern anspricht – von denen
er im Übrigen viele beim Namen kennt. "Management by walk around" nennt
er dies gerne. Und wenn tatsächlich
eine Zigarettenkippe auf dem Boden herumliegt,
dann ist er sich nicht zu fein
dazu, sie selbst aufzuheben – das perfekt
gelebte Vorbild, wie im Übrigen in allen
anderen beruflichen Dingen auch. "Ich habe mich zwar vom Unternehmen
nie völlig vereinnahmen lassen – ins Büro
komme ich nur in Ausnahmefällen vor
neun Uhr. Das Büro verlasse ich aber sogar
noch heute erst, wenn alles abgearbeitet
ist. Wobei ich mich damit auch leichter
tue als die einzelnen Mitarbeiter, schließlich
muss ich ja nur delegieren. Mit meinen
Prinzipien habe ich vielleicht anderen
Stress gemacht, ich selbst konnte
jedenfalls jederzeit gut loslassen."
Schwimmen und jagen als Ausgleich
Eine Empfehlung wolle er gerne an die
Kollegen weitergeben: "Ich habe versucht,
nie Probleme oder Sorgen mit Mitarbeitern
oder generell im Geschäft zu Hause auszuschütten. Dass Unternehmer häufig
keine Nachfolge aus der eigenen Familie
zustande bekommen, hat doch damit zu
tun, dass die Frau und die Kinder nicht so
schnell vergessen, wie man es selbst im
beruflichen Alltag tut. Deshalb sollte sich
jeder angewöhnen, nie schlecht über Mitarbeiter
oder Kunden zu sprechen."
Für die körperliche Fitness ist ihm das
morgendliche Schwimmen heilig.
Schwimmen sei im Übrigen nicht nur für
große und gewichtige Menschen der gesündeste,
weil gelenkschonenste Sport.
Und der große Vorteil seiner Jagdleidenschaft
wäre, dass man für die Ausübung
viel an der frischen Luft sein müsse.
Das Wichtigste, was man hingegen seinen
Kindern mitgeben könne, sei neben
einer vernünftigen Ausbildung die Wertewelt
– "ich bin katholisch erzogen und
bete regelmäßig, bin allerdings kein
Kirchgänger". Bei seinen zwei Töchtern
und dem Sohn glaubt er, diesbezüglich
das Meiste richtig gemacht zu haben.
Als im Sternzeichen Stier Geborener – "ich finde mich da schon wieder" – sieht
er sich abschließend als sehr fröhlichen
Menschen und als kleines Schlitzohr,
das seinen Vorteil schon zu nutzen
weiß.
Das Interview mit Dr. Bernard Krone ist in der aktuellen Ausgabe der AGRARTECHNIK erschienen.
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Dieter Dänzer
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