Auf den DLG-Feldtagen vom 24. bis 26. Juni in Buttelstedt bei Weimar werden die Pflanzenbauprofis wieder voll auf ihre Kosten kommen.
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Die DLG-Feldtage werden erstmals im Bundesland Thüringen durchgeführt. Auf insgesamt 45 ha Fläche wird den Praktikern die gesamte Palette des modernen Pflanzenbaus geboten. Mit 263 Unternehmen, Verbänden und Institutionen aus dem In- und Ausland kann die
DLG ein hervorragendes Anmeldeergebnis verzeichnen. Es liegt rund 7 % über dem Rekordergebnis von 2006 in Hanau, berichtet Dr. Reinhard Grandke, Hauptgeschäftsführer der DLG, auf einer Pressekonferenz letzte Woche in Weimar.
Schlüsselbranche
Die Landwirtschaft ist eine der Schlüsselbranchen zur Lösung der wesentlichen Zukunftshe
rausforderungen der Weltgemeinschaft. Die bevorzugten Agrarstandorte Deutschlands und Europas werden aufgrund ihrer guten natürlichen Voraussetzungen und Potenziale sowie als Folge des Klimawandels in den kommenden Jahren erheblich an Bedeutung zur ausreichenden weltweiten Versorgung von Agrarrohstoffen gewinnen. „Und diese vorhandenen Potenziale müssen aus Verantwortung zur weltweiten Ernährungs- und Energiesicherung ausgeschöpft werden. Dies ist die richtige Antwort auf die gegenwärtig viel diskutierte Nahrungskrise", stellte Grandke in Weimar fest.
Nur eine moderne, technologieoffene und unternehmerische Landwirtschaft sei in der Lage, auf begrenzter Fläche erheblich mehr Rohstoffe für Nahrungsmittel und Bioenergie zu erzeugen und das unter Berücksichtigung umweltrelevanter Aspekte. Für die Acker- und Pflanzenbauer bedeute dies, knappe Ressourcen effizient einzusetzen und dabei die externen Effekte, wie zum Beispiel die Umweltwirkungen, mit einzubeziehen.
Aufgrund der wachsenden Bedeutung des Agrarsektors und der im letzten Jahr gestiegenen
Getreidepreise besteht bei den Landwirten gegenwärtig ein großer Informationsbedarf. Wer Potenziale ausschöpfen will, muss über neue, leistungsfähige Sorten, Pflanzenschutzmittel und moderne, effiziente Techniken zur Bodenbearbeitung, exakteren Aussaat und verlustarmen Ernte informiert sein. Diese Informationen bieten in dieser geballten Form nur die DLG-Feldtage. An keinem anderen Ort können sich Landwirte schneller, intensiver und umfassender über diese Aspekte informieren als im Juni auf dem Versuchsgut in Buttelstedt.
Grandke zeigte sich erfreut darüber, dass mit 113 Unternehmen mehr Aussteller als bisher im 16 ha großen Versuchsfeld beteiligt sind. „Damit erhalten die Besucher ein noch größeres Informationsspektrum über Sorten sowie über neueste Produktionsverfahren", berichtete der Hauptgeschäftsführer.
Viele Innovationen
Die DLG-Feldtage gelten als in der Praxis als „Neuheitenbörse" im modernen Pflanzenbau. Im Mittelpunkt des umfangreichen Angebots stehen die Sortendemonstrationen von allen bedeutenden Pflanzenzüchtungsunternehmen. Im Feld wird ein breites Spektrum an bewährten und neuen Sorten sowie Saatgut aller marktrelevanten Kulturpflanzen gezeigt. Darüber hinaus können sich die Praktiker auch umfassend über Fragen zur Düngung, zum
Pflanzenschutz und zu unterschiedlichen Anbauverfahren informieren. Auch der ökologische Landbau ist mit zahlreichen Informationsangeboten präsent.
Gemeinsam mit wissenschaftlichen Institutionen und Ausstellern wird die
DLG ein Informationszentrum „Bodenschonung durch optimale Zugkraftübertragung" auf den Feldtagen einrichten. Im Mittelpunkt wird eine Demonstrationsparzelle stehen, an der die Folgewirkungen von Verdichtungen durch falsches Befahren gezeigt werden. Hier sollen die bodenphysikalischen Zusammenhänge im Feld veranschaulicht werden. Aussteller, insbesondere aus den Bereichen Bereifung, Fahrwerke und Wissenschaft, werden im Rahmen dieses Informationszentrums unterschiedliche Lösungen zum bodenschonenden Befahren von Ackerflächen vorstellen.
Der Anbau von Biomasse zur Energieproduktion ist nach wie vor ein Top-Thema in der Landwirtschaft. Allerdings ist bei den Landwirten nach Euphorie und Boomstimmung in den vergangenen Jahren eine eher nüchterne Einschätzung über die diversen Möglichkeiten eingekehrt. Dennoch gibt es ein großes Informationsbedürfnis zu Fragen der Wirtschaftlichkeit, zu Kulturen, Sorten und Anbaustrategien sowie geeigneten Verfahrenstechniken. Zahlreiche Aussteller präsentieren zudem neue Sorten und informieren über energetische Potenziale sowie über die Biomasseerzeugung und deren Aufbereitung, Anlagentechnik, Arbeitswirtschaft und Wirtschaftlichkeit.
Anbauverfahren
Die europäischen Anbauverfahren für Weizen und Raps ziehen die Landwirte traditionell in großen Scharen an. In diesem Jahr erhalten sie angesichts der höheren Erzeugerpreise eine neue Bedeutung. Es gilt, die betrieblichen Strategien an die veränderten Marktbedingungen anzupassen. Wie gehen die Pflanzenbau-Profis mit dieser Situation um, und welche Anpassungen sind in der Bestandesführung erforderlich? Welche Faktoren nehmen Einfluss auf die optimale spezielle Intensität?
Antworten hierauf geben insgesamt 20 Pflanzenbauexperten aus acht Ländern, wenn sie ihre Anbaustrategien auf den DLG-Feldtagen präsentieren. Bei beiden Anbauvergleichen handelt es sich um Exaktversuche, die beerntet und ausgewertet werden. Die Besucher haben die Chance, direkt am Pflanzenbestand mit den Experten zu diskutieren und daraus Rückschlüsse für die eigene Produktion abzuleiten.
Ein anderer Anziehungspunkt werden wie immer die Maschinenvorführungen auf der 17 ha großen Versuchsfläche sein. In diesem Jahr stehen die Bereiche Aussaat,
Pflanzenschutz und
Düngung sowie das automatisierte Lenken im Mittelpunkt. Alle namhaften Hersteller sind vertreten. Auf großes Interesse dürfte auch die neu konstruierte Hindernisbahn für Pflanzenschutzspritzen sein. Hier können Extremsituationen wie z. B. Furchenpassagen und größere Hindernishöhen simuliert werden, sodass die Gestängestabilität der verschiedenen
Fabrikate einem echten Härtetest unterzogen wird.
Kritische Diskussionen
Mit 40 % fällt ein erheblicher Anteil der Welternte noch immer Krankheiten und Schädlingen zum Opfer. In erster Linie deshalb, weil moderne Agrartechniken nicht überall in genügendem Umfang zur Verfügung stehen. Mit der jetzt anstehenden Novellierung der Richtlinie über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln (91/414/EWG) wird sich diese Situation weiter verschärfen. Die künftige Zulassungsverordnung soll so genannte gefahrenbedingte Ausschlusskriterien für Pflanzenschutz-Wirkstoffe bringen, mit der Folge, dass künftig viele der zum Beispiel derzeit in Deutschland zugelassenen 240 Wirkstoffe nicht mehr zur Verfügung stehen könnten.
Betroffen wären laut Grandke insbesondere Insektizide und Fungizide. Dies könnte zu deutlichen Einschnitten bei Erträgen und Qualitäten der Ernteprodukte führen – und das zu Zeiten eines erhöhten Bedarfs an agrarischen Rohstoffen und dementsprechend notwendigen Intensitätsanpassungen im Ackerbau. In welchen Bereichen könnten besonders große Behandlungslücken entstehen? Wo ist in der Praxis mit wachsenden Resistenzproblemen zu rechnen? Antworten auf diese und andere Fragen werden die Landwirte im Informationszentrum des Industrieverbandes Agrar „Pflanzen ohne Schutz? – Neue Gesetze und die Folgen" erhalten. Dort sollen den Besuchern die Folgewirkungen von vermindertem Pflanzenschutzmitteleinsatz an verschiedenen Pflanzenbeständen anschaulich gemacht werden.
Das Unternehmen Monsanto plant zudem auf einer Parzelle die Präsentation transgener Maissorten, die eine Resistenz gegenüber dem Schädling „Maiszünsler" besitzen. Die
DLG stellt im Sinne eines offenen runden Tisches die Plattform für alle Neuentwicklungen zur Verfügung und bietet somit eine Kommunikations- und Informationsmöglichkeit für alle am Dialog interessierten Gruppen.
Wichtige Zusatzinformationen erhalten die Besucher stündlich in den Foren bei kurzen Diskussionsveranstaltungen. Dabei geht es unter anderem um Strategien zur Qualitätssicherung, Leistungspotenziale und Resistenzen von neuen Sorten, Innovationen im Pflanzenschutz, innovative Düngungssysteme, Grüne Gentechnik, Klimawandel und die Folgen, Energiepflanzenbau, Entwicklungsperspektiven für Getreide, Zuckerrüben, Raps und Rapsöl und um neue landtechnische Verfahren in der Pflanzenproduktion.