Samstag, 26.05.2012
EU sieht noch Bringschuld der Türkei bei Pestizidkontrollen
Dublin - Für die Behörden in der Türkei gibt es noch einiges zu tun. Zu diesem Schluss kommt das Lebensmittel- und Veterinäramt (FVO) der EU in einem kürzlich erschienenen Bericht.
Darin attestieren die EU-Prüfer den Türken, erhebliche Anstrengungen bei der Einführung neuer gesetzlicher Standards unternommen zu haben, insbesondere bei der Kontrolle des Marketings und der Nutzung von Pflanzenschutzprodukten.
Ein "strukturierter Ansatz" bei den behördlichen Kontrollen der Erzeugerbetriebe sei jedoch noch nicht umgesetzt worden, moniert das FVO in seinem Bericht. Nur eine kleine Anzahl von Proben der für den Export in die EU bestimmten Ware werde für die Analyse von Pestizidrückständen herangezogen. Die EU-Fachleute empfehlen der Türkei daher einen "systematischeren Ansatz" bei der Planung und Durchführung der behördlichen Checks zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, um die Einhaltung der EU-Vorschriften sicherzustellen.
Positive Erwähnung findet, dass der EU-Beitrittskandidat die Brüsseler Vorschriften zu erlaubten Höchstmengen von Pestizidrückständen übernommen hat. Vermerkt wird aber auch, dass diese EU-Rückstandsstandards nicht immer eingehalten werden können. Das Kontrollsystem bei Obst und Gemüse sollte weiter verbessert werden, raten die FVO-Experten, die die Türkei im Frühjahr bereist hatten.
Größeres Analysespektrum empfohlen
Zu den weiteren Empfehlungen des FVO-Berichts gehört, eine Erweiterung der durchgeführten Analysen zu prüfen. Diese sollten laut Auffassung der EU-Experten alle in den EU-Bestimmungen aufgeführten Metaboliten erfassen, um die Effektivität der Kontrollen zu verbessern. Laboratorien, die Analysen auf Pestizidrückstände durchführen, sollten nach offiziell anerkannten Programmen zum Qualitätsmanagement bewertet beziehungsweise akkreditiert werden.
Im EU-Schnellwarnsystem gab es laut FVO im vergangenen Jahr 50 Meldungen zu Obst und Gemüse aus der Türkei. Davon entfielen allein 28 Meldungen auf Gemüsepaprika, vier Mal waren Tafeltrauben betroffen. Bis zum 11. April dieses Jahres wurden 2011 in 19 Fällen Überschreitungen der Rückstandshöchstgehalte bei Obst und Gemüse aus der Türkei in der Europäischen Union registriert.
Wichtigste Exportprodukte sind Zitrusfrüchte und Tafeltrauben
Die Türkei gehört zu den größten Drittlandslieferanten von Obst und Gemüse auf den EU-Binnenmarkt. Im vergangenen Jahr beliefen sich die türkischen Exporte an frischem Obst in die Europäische Union laut FVO auf rund 676.000 Tonnen. Wichtigste Produkte der Türken sind Zitrusfrüchte und Tafeltrauben. Auf dem Gemüsemarkt ist der Beitrittskandidat mit Tomaten, Gemüsepaprika, Zucchini und Auberginen stark in der Europäischen Union vertreten. (AgE)
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