Samstag, 26.05.2012
Atomkraft in Deutschland - wie geht es weiter?
München - Mit Entsetzen blickt die Welt auf die Reaktor-Katastrophe in Japan. Sie zieht aber auch die Frage nach der künftigen Energiepolitik in Deutschland nach sich. agrarheute.com hat nachgefragt.
Bundeskanzlerin Angela
Merkel hat heute vor dem Bundestag eine Regierungserklärung zur atomaren Katastrophe in Japan und zur Zukunft der Energiepolitik in Deutschland abgegeben. Darin bekräftigte sie ihr Festhalten an der Entscheidung, die sieben ältesten Meilder Deutschlands für drei Monate vom Netz zu nehmen. In dieser Zeit sollen diese auf Sicherheit geprüft werden. Auf Basis dieser Untersuchungen wird ein neues Energiekonzept entstehen.
Die entscheidende Frage wird sein, wie lange die Bundesregierung noch auf Atomkraft als "Brückentechnologie" setzt.
Umfrage: 70 Prozent fordern Rücknahme der Laufzeitverlängerung
Ein klares Bild lieferte die aktuelle agrarheute.com-Umfrage. Wir wollten wissen, was Sie aufgrund der neuen Situation von der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke halten. Knapp 70 Prozent der Umfrageteilnehmer sprachen sich für eine Rücknahme der verlängerten Laufzeiten aus. Lediglich 30 Prozent wollten diese beibehalten.
landlive-Community diskutiert Für und Wider des Atomausstiegs
In mehreren Thread setzt sich derzeit die landlive-Community mit der Reaktorkatastrophe in Japan und deren Folgen auseinander. Wolfmensch
startete den Thread "Atomkraft Ade" und spricht sich gleich zu Beginn gegen die Erneuerbaren Energien aus. Er kritisiert die "Verschandelung" der Natur durch Windmühlen und das "unbrauchbar machen" von Feldern durch Photovoltaik.
Auch "Krause" äußert Zweifel: "Ein AKW vom Netz nehmen bring ja eh nicht den gewünschten Erfolg. Die
Reaktion im Meiler läuft doch weiter, der Unterschied ist nur das daraus
keine Energie mehr gewonnen wird.
Also wenn, dann ganz abbauen und durch regenerative Energien ersetzen,
oder weiter laufen lassen.
Aber nicht hier vom Netz nehmen und den Strom aus französischen AKW´s
kaufen..."
Potential Energieeinsparung
Das größte Potential sieht "rocknrolldirk" in der Energieeinsparung. Er
kritisiert, dass ein Teil der Produktionskosten bei Atomenergie direkt
oder indirekt vom Staat getragen wird: "So müssen insbesondere
Atomkraftwerksbetreiber nicht für die Risiken des Betriebs sowie für die
Entsorgung des Atommülls geradestehen - so ist es verdammt leicht,
'billigen' Atomstrom anzubieten. Diese Praxis hat ein Nachdenken über
das Verbrauchsverhalten unterdrückt - dieses Sparen am Nachdenken muss
ganz schnell aufgegeben werden!
Insgesamt sind für die Zukunft gute Ideen gefragt. Beispielsweise sollte
man schnell zu tageszeitabhängigen Strompreisen übergehen. Das könnte
jeden Verbraucher zum Nachdenken anregen, wie er seinen Verbrauch
schwerpunktmäßig auf die günstigsten Zeiten legen kann. So sollten dann
beispielsweise die Batterien der Elektroautos mittags geladen werden,
wenn besonders viel und damit günstiger Solarstrom anfällt."
Ackerflächen zur Energieproduktion verwenden
Viele landlive-User beschäftigt die Zukunft der Erneuerbaren
Energien. "thunderstruck" sieht kein Problem darin, "energiehaltige
Rohstoffe zu verbrennen, die man zufällig auch essen kann". Außerdem
will er Offshore-Anlagen errichten und stärker auf Photovoltaik setzen:
"Alle Südhänge mit Grenzertragsböden und
alle Süddächer gehören schnellstens zugebaut damit.
Kernkraft gehört abgeschafft sobald wir die Energiesouveränität aus
anderen, idealerweise nicht endlichen Quellen hergestellt haben."
Matthias will Ackerflächen neben der Nahrungsmittel- auch zur
Energieproduktion verwenden: "Noch vor 100 Jahren waren etwa 1/3 der
Anbaufläche notwendig, um
dem Menschen die Mobilität zu ermöglichen. Sprich es wurde Getreide für
die Zugpferde angebaut.
Vor etwa 10-15 Jahren wurden ca 15 % der Ackerfläche Stillgelegt und
trotzdem gab es Überproduktion.
Einen Teil der Ackerfläche für regenerative Energien zu verwenden ist
sinnvoll und auch notwendig...
Enttäuschung über Umgang mit Regenerativen Energien
Varminter ist einttäuscht über den Umgang mit Investitionen in
Regenerative Energien: "Wir haben einen ziemlich hohen
Wasserkraftanteil.
Aber sobald heute bei uns ein neues Wasserkraftwerk gebaut werden soll,
zieht sich das durch Gesetzesauflagen unwirtschaflich in die Länge und
gegen jeden Neubau machen die regionalen Umweltschutzgruppen sofort
Stimmung und sie schaffen es durch gute Internetvernetzung auch
blendend, ein Rudel Berufsdemonstranten zusammenzurufen.
Das selbe auch mit Windkraft.
Nun kommt der Clou: die Leute, die den sofortigen Ausstieg aus Atom
verlangen, sind in den meisten Fällen die selben Typen, die gegen
Wasser- und Windkraft auch demonstrieren... Ein Teufelskreis."
ez
Demo vor dem Kanzleramt (14.03.2011)
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