Samstag, 26.05.2012
Nasse Witterung lässt Ernte stocken
München - Die anhaltende nasse Witterung lässt in vielen Teilen Deutschlands die Erntearbeiten stocken. Die Ernte der Wintergerste aber ist landesweit so gut wie abgeschlossen.
Vor allem im Juli und Anfang August fielen Rekordniederschläge in Brandenburg.
© landpixel.de
Unsere Umfrage auf agrarheute.com zur
Gerstenernte ergab ein recht gemischtes Bild über die Ertragssituation. Von den knapp 1.200 Teilnehmern gaben 32,7 Prozent an, ihre Ertragseinbußen liegen zwischen 20 und 30 Prozent. 26,5 Prozent dagegen sprechen auch in diesem Jahr von durchschnittlichen Erträgen und 25 Prozent beklagen Ertragsausfälle von bis zu 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ertragseinbußen von weniger als 20 Prozent gaben insgesamt 15,8 Prozent der Teilnehmer an.
Diskussionsteilnehmer der landlive-community berichten von der nassen Witterung, die die Erntearbeiten bremst: "Hier bei uns in Oberschwaben könnte man 'auf Teufel komm raus' dreschen, wenn das
Wetter mal mitspielen würde", schreibt TeBe. Während Agrotronfan aus dem Osnabrücker Land seine Wintergerste fertig gedroschen hat, berichtet Arcus aus Rostock: "Ernte findet bei uns in Mecklenburg-Vorpommern nicht statt. Hier stehen noch die
Gerste und der Raps". Ähnlich ist die Situation in Mittelfranken: Die
Gerste ist zwar reif, aber es ist kalt und ziemlich nass. Bis auf vereinzelte Schläge ist hier noch nichts gedroschen", schreibt Mitglied Fanta.
Zwiewuchs und wenig Stroh
Im westlichen Nordrhein-Westfalen dagegen können sich die Landwirte glücklich schätzen: tanteante hat bereits Mittel Juli die
Gerstenernte abgeschlossen. "Die Erträge waren auf einem guten Niveau von durchschnittlich 87 Dezitonnen je Hektar (dt/ha). Das Hektolitergewicht lag zwischen 69 und 72". Auch Hussi87 aus Mittelfranken hatte bereits Mitte Juli die
Gerste vom Feld: "In einem normalen Jahr erreichen wir Erträge von circa 65 bis 70 dt/ha. Die Erträge die heuer eingefahren werden liegen bei knapp 50 dt/ha. Somit liegt der Ertragsausfall bei uns bei 25 bis 30 Prozent", schreibt Hussi87. Viele Landwirte hatten in diesem Jahr mit Zwiewuchs zu kämpfen. Außerdem gibt es in diesem Jahr deutlich weniger Stroh.
Stark unterdurchschnittliche Weizenernte erwartet
Im vergangenen, sehr nassen Jahr zur Erntezeit hatte der Weizen
bekanntlich oftmals nur in Futterqualität eingebracht werden können.
Unterdessen bestätigten in der vergangenen Woche Meldungen aus weiteren
Bundesländern die allgemeine Erwartung eines bundesweit stark
unterdurchschnittlichen Ernteresultats. In Niedersachsen zeichnet sich
nach den Prognosen der amtlichen Ernteberichterstattung von Ende Juni
ein Aufkommen von lediglich 5,04 Millionen Tonnen an Halmgetreide ab,
verglichen mit rund 5,8 Millionen Tonnen im Vorjahr und 6,8 Millionen
Tonnen im Jahr 2009. Dem Landvolk Niedersachsen zufolge wurde zuletzt im
Jahr 1976 mit 4,4 Millionen Tonnen ein niedrigeres Ergebnis erzielt,
als eine ausgeprägte Sommertrockenheit die Erträge dezimierte.
Derweil meldete das Statistische Landesamt in Baden-Württemberg, dass im
Südwesten gemäß der ersten Vorschätzung mit einer
Getreideernte ohne
Körnermais und Corn-Cob-Mix (CCM) von 2,57 Millionen Tonnen gerechnet
werden könne; das wären 350.000 Tonnen oder 12 Prozent weniger als 2010
und 18 Prozent weniger als im Mittel der letzten sechs Jahre. Das
Thüringer Landesamt für Statistik erwartet ausgehend von der ersten
Schätzung der Ernte- und Betriebsberichterstatter für den Freistaat ein
Aufkommen von 2,2 Millionen Tonnen Halmgetreide, womit die Druschmengen
von 2010 und 2009 um etwa 130.000 Tonnen beziehungsweise rund 520.000
Tonnen verfehlt würden. Der Bayerische Bauernverband (BBV) schätzt die
Erzeugung an Halmgetreide im Freistaat auf nur etwas mehr als sechs
Millionen Tonnen, verglichen mit 6,2 Millionen Tonnen im Vorjahr und 6,7
Millionen Tonnen im mehrjährigen Mittel.
Hoffen auf warme und trockene Witterung
Wie der
BBV am vergangenen Donnerstag berichtete, dürfte die Ernte der
landesweit etwa 250.000 Hektar Wintergerste trotz der schwierigen
Wetterbedingungen bereits weitgehend abgeschlossen sein. Auch der Raps
sei in vielen Gebieten schon eingebracht worden. Bei diesen beiden
Kulturen hätten sich die Ernteprognosen mit massiven Ertragsausfällen
bestätigt. "Bei der Wintergerste gehen wir im bayerischen Mittel von
einem Minus von zehn bis 15 Prozent aus; bei Raps sind es 25 Prozent bis 30 Prozent",
erklärte der BBV-Referent für Getreide und Ölsaaten, Matthias Kick .
In weiten Teilen Frankens, wo die Frühjahrstrockenheit besonders
dramatisch gewesen sei, hätten die Landwirte noch deutlich höhere
Verluste von mehr als 50 Prozent bis hin zum Totalausfall verzeichnet. Für die
Weizenernte, mit 525.000 Hektar die wichtigste Getreideart in Bayern,
bleibe nur zu hoffen, dass die nächsten Tage und Wochen eine konstante
Temperatur vom mehr als 25 °C ohne Niederschläge bringen würden, sagte
Kick. Dann könnte der Rest der Ernte noch gut nach Hause gebracht
werden.
Beregnung als Versicherung
Dem Landvolk Niedersachsen zufolge haben die Landwirte in diesem
Bundesland den Getreideanbau zur Ernte 2011 gegenüber dem Vorjahr um
fast 60.000 Hektar auf 786.000 Hektar eingeschränkt. Die bislang größte
Getreidefläche habe der Landesbetrieb für Statistik in seinen
langjährigen Aufzeichnungen im Jahr 1979 mit 1,23 Millionen Hektar registriert,
die größte Erntemenge im Jahr 2001 mit 7,4 Millionen Tonnen, berichtete der
Landesbauernverband. Als echte Versicherung gelte in diesem Jahr mit der
ausgeprägten Frühjahrstrockenheit erneut die Beregnung. In den
Landkreisen mit nahezu flächendeckenden Möglichkeiten zur Feldberegnung
seien die Ertragseinbußen deutlich moderater ausgefallen als in anderen
Regionen. Die Ernte der Wintergerste sei trotz der schwierigen
Wetterumstände zu einem großen Teil abgeschlossen, stellte der
Landvolkverband fest. Die Erträge lägen hier deutlich unter dem
Vorjahresniveau; allerdings falle die Qualität besser aus als zuvor
erwartet.
Maisfelder in sehr gutem Zustand
Als Sicherheitsnetz muss laut dem Landvolk Niedersachsen in diesem Jahr
der Mais bezeichnet werden. Sein Anbau sei erneut ausgedehnt worden, und
zwar um 80.000 Hektar auf gut 615.100 Hektar. Die Futterpflanze habe sich
gegenüber den Wetterkapriolen der vergangenen Jahre mit der ausgeprägten
Vorsommertrockenheit als äußerst robust bewiesen. Auch in diesem Jahr
präsentierten sich die Maisfelder weithin in einem sehr guten Zustand;
sie hätten die warmen Wochen im Frühsommer gut genutzt, und der Regen
sei für sie noch rechtzeitig gekommen.
Die Heu- und Silageernte habe
unter der trocken-heißen Witterung im Mai und Juni gelitten, so dass der
Silomais auch bei den Milchviehhaltern Futterlücken schließen müsse,
erklärte der Landesbauernverband. Die aus Südamerika kommende,
hierzulande eingebürgerte Pflanze zeichne sich durch hohe Erträge bei
geringem Aufwand, insbesondere einem unterdurchschnittlichen
Pflanzenschutzmitteleinsatz, aus.
Rapserträge im Rheinland durchaus zufriedenstellend
Der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) meldete am vergangenen
Mittwoch, dass zwar die Wintergerste fast komplett gedroschen sei, der
Winterweizen aber weiter auf den Mähdrescher warte. Nur wenige
Weizenfelder seien bereits gedroschen. Regenschauer hätten die Ernte
fast überall wieder unterbrochen, weil die Bauern das Getreide trocken
einbringen wollten. Da die Verdunstung bei dem zur Zeit nassen und
kühlen
Wetter sehr gering sei, bedürfe es jetzt einiger trockener und
heißer Tage, damit der Weizen weiter abreife und geerntet werden könne,
erläuterte der RLV. Weiter fortgeschritten war nach seinen Angaben der
Rapsdrusch. Etwa 30 Prozent der Bestände seien hier im Rheinland geerntet; die
Erträge seien durchaus zufriedenstellend, wobei aber sehr große
regionale Unterschiede zu beobachten seien. Um die jetzt zum Teil
überreifen Bestände zügig ernten zu können, warteten auch die Rapsbauern
auf warmes und trockenes Wetter. Im Rheinland - Regierungsbezirke
Düsseldorf und Köln - sind dem RLV zufolge in diesem Jahr auf 29 240 ha
Wintergerste und auf 105.715 Hektar Winterweizen angebaut worden. Zusammen
mit Roggen und Sommergetreide wurde auf rund 153.800 Hektar Getreide
ausgesät. Die Rapsfläche wird auf knapp 18.100 Hektar veranschlagt.
Praxisbeispiel: Landwirtschaft in Lettland
AgE
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