Samstag, 26.05.2012
Agrarheute-Leser stimmen über die GAP-Reform ab
München – Was halten die agrarheute-Nutzer von den Vorschlägen für die GAP-Reform? Wir haben dazu eine Umfrage gestartet. Hier die Ergebnisse.
Die EU-Präsidentschaft strebt für kommenden Donnerstag eine Erklärung des Rates zur Absatzförderung von Agrarprodukten an.
© Mühlhausen/landpixel
490 Nutzer haben an der aktuellen agrarheute-Umfrage teilgenommen. Ihr Urteil fiel ziemlich eindeutig aus: Die Mehrheit lehnt die Vorschläge aus Brüssel ab. Die allermeisten Teilnehmer, also 171, finden die bisher bekannten Vorschläge überhaupt nicht gut und nur unbedeutend weniger, also 170 Nutzer, sind mindestens mit dem einen oder anderen Punkt nicht einverstanden. 87 hätten sich einen kompletten Kurswechsel erwartet und nur eine Minderheit von 62 Nutzern findet die Vorschläge überwiegend gut.
Auch die landlive-Community diskutiert über die Reformpläne
Auch die landlive-Community hat sich mit dem Thema beschäftigt und über
die Vorschläge von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos diskutiert. Demnach
soll die Grundstruktur der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2013 mit
erster und zweiter Säule erhalten bleiben. Landwirte in Deutschland
erhalten künftig allerdings weniger Direktzahlungen. Hintergrund ist die
von der EU-Kommission angedachte, begrenzte Angleichung vor allem für
osteuropäische Staaten. Wie berichtet sieht der Deutsche Bauernverband
Teile der geplanten Reform kritisch, wie beispielsweise die Inhalte des
geplanten "Greenings".
Flächenstilllegung bei hohen Pachtpreisen?
Maximillian Hofer aus Dorfen hält die 7% Flächenstilllegung "Hier bei
uns im Süddeutschen Raum bei dem derzeitigen Pachtniveau für einen Witz"
und fragt "mit was sollen die Kühe und vor allem die Bakterien dann
gefüttert werden?" Er fürchtet, dass die Transportwege noch länger werden
und die Pachtpreise noch weiter ansteigen durch die
Biogasanlagenbetreiber. Als sinnvolle Alternative schlägt er einen
betrieblichen Mindestgrünlandanteil von 7 % vor. Der Grünlandumbruch, der in
den letzten Jahren betrieben worden sei, stellt für ihn den größten Verlust
an Artenvielfalt dar.
Hier ist automatix aus Freising ganz anderer Meinung, er schreibt: "Und
was soll ich als Veredler mit 7 % Grünland anfangen?"
Kleinerzeugerregeln nützen nur begrenzt
Solarbauer aus Dissen kann den Vorschlägen aus Brüssel nicht viel
abgewinnen. Er fragt: "Was sind das für Ideen?" Er habe sich ernsthaft
kurz überlegt, ob die Kleinerzeugerregelung etwas für ihn wäre und
zitiert sogleich die Kleinerzeugerregelung:
"Die Kommission sieht ein vereinfachtes Antragsverfahren für eine
Pauschalzahlung zwischen 500 bis 1.000 Euro pro Jahr vor. Gleichzeitig
werden diese Betriebe von Greening und Cross Compliance befreit. In
Deutschland könnte diese Regelung für Betriebe mit drei bis vier Hektar
in Frage kommen, nach Bundesschätzungen erhielten sie pauschal 900 bis
1.000 Euro/Jahr. Bis zu fünf Prozent der Direktzahlungen der
Mitgliedsstaaten bzw. der Region können für diese Regelung verwendet
werden. Betriebe müssen sich 2014 entscheiden, ob sie diese Regelung
nutzen."
Er zählt die Vorteile auf, die es hätte unter diese Regelung zu fallen:
Befreiung vom Cross Compliance, Grünlandumbrechen und Anwendung von
Pflanzenschutzmittel ohne Sachkundeprüfung. Doch wirklich bringen tun
ihm diese Vorteile nichts, da es in Deutschland noch entsprechende
Gesetze dagegen gibt. Solarbauer fürchtet in diesem Fall "Da wäre ich
vom Cross Compliance befreit, aber ich werde dann mit einer
Ordnungswidrigkeit bestraft".
Was ist eine ökologische Vorrangfläche?
Notill aus der Nähe von Kelheim stellt die Grundsatzfrage: "Was ist
ökologische Vorrangfläche?" Für ihn hört sich das sehr nach
langfristiger Enteignung an. Außerdem meint er: "Kann ein 1000ha Betrieb
einfach mal irgendwo in der EU billige 70ha pachten, und als ökologische
Vorrangfläche ausweisen?" Etwas sarkastisch fragt er weiter: "Gibt’s in
Griechenland Pachtflächen? Die brauchen doch Geld?" Aus
eigener Erfahrung berichtet er, dass er seine freiwillige
Flächenstilllegung aufgeben musste, weil die Flächen für alles Mögliche
missbraucht wurden bis hin zur Mülldeponie. "Ist das etwa das Ziel? Eine
dezentrale Müllentsorgung zu Lasten der Landwirte?" HJ72 findet klare
Worte: "Wenn Ciolos, das was geplant ist, als
"Greening" bezeichnet, sollte er sich aus Mangel an Kompetenz aus dem
Amt zurückziehen - es ist allenfalls ein Ideologization."
Ökologisierung dürfte Großbetrieben leichter fallen
Tonkneter schlägt sachlichere Töne an: "Wenn man mit der Bewirtschaftung
dieser 7% Fläche, die Einbuße bei der Förderung mehr als wett machen
kann, sollte man sich entsprechend positionieren. Der 1000ha-Betrieb hat
mit Sicherheit 70 ha die nicht so toll sind und bei denen es sich
anbietet, sie zu 'ökologisieren'. Den 100ha-Güllebetrieb im Münsterland
trifft das Ausscheiden von 7ha, für die Gülleausbringung, sicher
schwerer. Überhaupt wird der 7%-Anteil in Hochpachtregionen schwer zu
verkraften sein. Was Stillegung mit Müllentsorgung zu tun haben soll,
will sich mir allerdings nicht erschließen."
Ein passendes Schlusswort kommt vom Heiligen_Antonius aus Kirchasch: "Eines
weiß ich jetzt schon mit 100 % Sicherheit: Spätestens nach einem Jahr kommt die erste Änderung!"
Wer sich noch an der Diskussion beteiligen möchte, hier geht es zu landlive.de. gz
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