Unsere Süßkirschenbäume brachten eine reiche Ernte, allerdings fanden wir in vielen Früchten kleine weiße Würmer, die uns den Genuss verdarben. Um welches Insekt handelt es sich dabei und wie verhindern wir einen erneuten Befall?
Unbekannte weiße Würmer in Süßkirschen
Antwort:
Bei dem „weißen Wurm“ in der Kirsche handelt es sich um die Made der Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi). Gewöhnlich erscheint die erwachsene Kirschfruchtfliege ab Mitte Mai bis Ende Juni. Ihre Flügel sind durchsichtig und mit mehreren dunklen Binden sehr charakteristisch gefärbt. Sie haben grüne Facettenaugen. Etwa zwei Wochen später legt sie ihre Eier auf die reifenden Früchte der Kirschen. Die Fliegen bevorzugen zur Eiablage Kirschen, die von sich von gelb zum leicht rötlichen umfärben. Bis zur Fruchtreife entwickelt sich in jeder belegten Kirsche eine Made. Nach dem Fraß verlässt die Made die Frucht zur Verpuppung, die im Boden stattfindet. Im nächsten Frühjahr erscheint dann wieder das erwachsene Tier.
Wenn Sie einen erneuten Befall verhindern wollen, müssen Sie die Früchte vollständig abernten und alle heruntergefallenen Früchte so bald es geht aufsammeln. Dann kann die Made nicht in den Boden einwandern. Wird der Boden während der Erntezeit mit einer Folie abgedeckt, lassen sich herabgefallene Kirschen leicht aufsammeln und die Maden haben keine Möglichkeit, in den Boden einzudringen. Hühner, die unter dem Kirschenbaum ihren Auslauf haben, scharren übrigens die meisten Puppen hervor.
In der Nähe von Kirschenanlagen sollten keine Vogelkirsche (Prunus avium), Heckenkirsche (Lonicera spec.), Schneebeere (Symphoricarpos spec.) und Traubenkirsche (Prunus padus) angepflanzt werden. Die Insekten können sich auch in den Früchten dieser Arten entwickeln.
Häufig werden klebrige Gelbtafeln (Kirschfruchtfliegenfallen) angeboten. In südlicher Richtung in die Kirschbäume aufgehängt locken Sie die Fliegen an. Da auch nützliche Insekten an den Gelbtafeln kleben bleiben, sollten diese Fallen nur möglichst kurz im Baum verbleiben – von kurz vor Beginn der Umfärbung bis etwa drei Wochen nach dem ersten Fang. Jedoch ist zu bedenken, dass der Fangeffekt nicht für eine vollständige Bekämpfung ausreicht.
Sinnvoll ist es, durch regelmäßige und gezielte Schnittmaßnahmen das Wachstum und die Größe des Kirschbaums zu begrenzen, damit alle Äste gut erreicht und beerntet werden können. Denn nur kleinkronige Bäume können mit engmaschigen Kulturschutznetzen in der Zeit des Fluges der Kirschfruchtfliege überspannt werden. Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist nicht möglich.
Besonders gefährdet sind mittelfrühe und späte Sorten, da diese zur Hauptflugzeit der Kirschfruchtfliege das entsprechende Farbstadium zeigen. Bei Neupflanzungen, besonders in wenig spätfrostgefährdeten Lagen, sind früh reifende Kirschsorten empfehlenswert, in deren Reifezeit die Fliegen noch nicht aktiv sind. Es eignen sich z. B. ,Burlat’, ‚Johanna‘, ‚Merchant‘, ‚Giorgia‘, ‚Celeste‘, oder die früher üblichen ,Kassins Frühe’ und ,Merton Glory’.