Samstag, 26.05.2012
Unterwegs ins Unterholz – Forstarbeit in Hessen
Einbeck - Auf seinem Blog auf landlive.de berichtet agrisani von einem Tag im Unterholz. Mit der Kamera begleitete er einen Harvester bei der Arbeit.
In der weniger lebhaften Zeit der Landwirtschaft habe ich im vergangenen Jahr einen Exkurs in die Forstwirtschaft unternommen. Ein junges aufstrebendes Unternehmen aus Einbeck in Südniedersachsen hat mir dies ermöglicht. Neben der Landschaftspflege bietet das Unternehmen auch Dienstleistungen im Bereich der Holzernte und Holzenergie an. Eingesetzt werden hierzu Harvester und Rückezüge, die permanent in Forsten in ganz Nord- und Mitteldeutschland im Einsatz sind. Zu einem der Einsätze habe ich den Einsatzleiter begleitet.
Früh morgens traf ich mich mit dem Einsatzleiter am Maschinenstandort. Nach kurzer Vorbereitung und dem Zusammenpacken einiger Ersatzteile ging es auch bereits los. Mit dem Pick-Up fuhren wir in Richtung Autobahn. Knapp 130 km Strecke lagen vor uns. Ziel war die Region Nordhessen nahe der Stadt Melsungen. Höhe Göttingen kamen wir auf der Autobahn 7 an einer gerodeten Fläche vorbei. Auf Rodungen entlang von Autobahnen und Bahnstrecken hat sich das Unternehmen spezialisiert, erklärt mir der 40-jährige. Diese Einsätze sind jedoch nicht mit Arbeiten in „normalen“ Forsten zu vergleichen. Gerade an Hochgeschwindigkeitsstrecken gelten strickte Sicherheitsvorkehrungen und die Einsätze erfordern enormes Fingerspitzengefühl.
Konkurrenzkampf bei Forstdienstleistungen ist hoch
Hierbei kann das
Forstunternehmen jedoch durch die eigene Holzverarbeitung und
Vermarktung besser planen als Mitbewerber und sich Vorteile verschaffen.
Der Einsatz eines Harvesters liegt so ungefähr bei 95 Euro pro Stunde,
wobei der Stundenlohn für die Arbeitskraft noch hinzu kommt.
Die Fahrt geht weiter. Der Einsatzleiter ist täglich unterwegs um die
Arbeiten und auch das Umsetzen der Maschinen zu koordinieren. Die
Spezialmaschinen werden für das Umsetzen grundsätzlich als
Schwertransport transportiert. Ein solcher Transport, bestehend aus
Hacker und Tieflader, bringt schnell mal 70-80 Tonnen auf die Waage,
erklärt er mir. Im vergangenen Monat war er allein in seinem Pick-Up
über 7.000 km tagsüber und auch nachts unterwegs, da die Maschinen
grundsätzlich nach Einbruch der Dunkelheit umgesetzt werden.
In Melsungen verlassen wir die Autobahn 7 und fahren auf Landstraßen
weiter. Schon bald verlassen wir auch die Landstraßen und fahren direkt
einen steilen Forstweg hinauf. Seit knapp 14 Tagen sind die Kollegen mit
ihren Maschinen in diesem Forst im Einsatz. Weitere 14 Tage liegen noch
vor ihnen um die Schäden, die ein Sturm angerichtet hat, aufzuarbeiten.
Lange brauchen wir nicht suchen um den Rückezug zu finden – jedoch ist
er nicht bei der Arbeit. Der Fahrer ist gerade damit beschäftigt, zwei
Hydraulikleitungen an seinem Rückezug Dasser 10.8 zu wechseln. "Unsere
Fahrer müssen nicht nur die Maschinen steuern können, sondern auch
grundlegende Reparaturen an Ort und Stelle selbst durchführen können,
fernab der nächsten Werkstatt sind sie mit Ersatzteilen und
Spezialwerkzeug oft auf sich alleingestellt", erklärt mir der
Einsatzleiter.
Arbeit fordert permanente Konzentration
Ich mache mich zunächst auf den Weg zum Harvester, der gut hörbar und in
Sichtweite an einer Hangfläche arbeitet. Auf dieser circa 2 ha großen
Waldfläche hat der Sturm eine Schneise der Verwüstung hinterlassen.
Entwurzelte und wie Zahnstocher zergebrochene Bäume liegen übereinander
und ineinander verkeilt. Mittendrin ist Stefan mit seinem Harvester
EcoLog 560 B im Einsatz. Mit Hilfe des 11 Meter Teleskoparms kann er die
Stämme bis zu einem Brusthöhendurchmesser (BHD) von 55 cm fällen und
mit dem Harvesterkopf Stämme entasten, passend zusägen und auf Stapeln
entlang der Fahrgassen für den Rückezug ablegen. Permanente
Konzentration ist gefragt, erklärt mir der 46-jährige. Er gewährt mir
einen Blick in seinen Arbeitsplatz, das Cockpit der 202 PS Maschine.
Zwei Joysticks mit Wippschalter, ca. 15 bis 20 zusätzliche Knöpfe auf
beiden Seiten und Fußpedale. Für einen Forsttechnik-Laien wie mich
stellt sich dieser Arbeitsplatz alles andere als selbsterklärend und
schnell erlernbar dar. Das bestätigt mir Stefan mit einem Schmunzeln
gerne. Er ist seit 10 Jahren im Forst in Deutschland beschäftigt und hat
auch bereits in seiner Heimat Kroatien Fahrerfahrungen mit Harvestern
und Rückezügen gesammelt. Für ihn ist die Bedienung des 3-achsigen
Gefährts mit unzähligen Bedien- und Steuerungsmöglichkeiten in Fleisch
und Blut übergegangen. Präzise steuert er das Gefährt in die
unmöglichsten Positionen und Lagen um auch die entferntesten Stämme zu
erreichen und für den Abtransport durch den Rückezug bereit zu legen.
Stämme nach Kategorien sortiert ablegen
Ketten über den Reifen der Doppelachse sorgen für bessere
Standfestigkeit und Traktion in dem unwegsamen Gelände. Stefan
verarbeitet einen Stamm nach dem anderen und muss Sekunden schnell über
die Qualität des Holzes entscheiden und die Stämme nach Kategorien
sortiert ablegen.
Über eine Rückegasse schiebt sich nun auch der wieder instandgesetzte
Dasser 10.8 Rückezug den Hang hinauf.
Die Maschine mit Baujahr 1997 hat
bereits 12.000 Betriebsstunden auf der Uhr, ist aber immer noch bestens
in Schuss, erklärt mir der Fahrer. Ausgestattet mit einem 9,20 Meter
Greifarm bringt er die zugeschnittenen Stämme auf einen befestigten
Forstweg, wo sie mit LKWs weitertransportiert werden können. Der
Fahrersitz in der Kabine ist um 360 Grad drehbar, was auch notwendig
ist, denn ein Wenden in den schmalen Gassen ist oftmals nicht möglich.
Auf eine gleichmäßige und vor allem angemessene Beladung muss der Fahrer
achten, um die Kippgefahr des beladenen Gespanns möglichst gering zu
halten. Bei einer Zulademenge von bis zu 10 m³ (Festmeter) Holz kann
sich so eine Nutzlast von bis zu 13 Tonnen ergeben. Da muss der Fahrer
schon ganz genau wissen, welche Steigung und Hanglage er seiner Maschine
zumuten kann. Als langjähriger und geübter Fahrer kommt er unter den
momentanen Bedingungen auf Bergungsleistungen von ca. 60 Tonnen Holz pro
Stunde.
Maschinen laufen mit Biodiesel
Sowohl der Harvester als auch der Rückezug werden mit Biodiesel
und Bioöl betrieben.
Nach einigen Stunden im Forst gilt es für den Einsatzleiter und mich die
Heimreise anzutreten. Für Stefan und seinen Kollegen ist jedoch noch
nicht Feierabend. Die beiden haben für die knapp 4 Wochen, für die sie
im hessischen Forst im Einsatz sind, eine Wohnung in der Nähe. "Die
beiden sind ein eingespieltes Team, selbstständig und sehr engagiert",
erklärt mir der Einsatzleiter zufrieden.
Gegen 18 Uhr sind wir wieder am Maschinenstandort, von wo es für mich
dann weiter in Richtung Heimat geht. Ein spannender und interessanter
Tag neigt sich dem Ende und ich bin mir sicher, dass dies nicht der
letzte "hölzerne Einsatz" gewesen sein wird.
Jörn Gläser
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