Washinton - Der internationale Markt für Hähnchenfleisch, der in diesem Jahr einen leichten globalen Rückgang der Importmengen verzeichnete, soll 2012 wieder an Schwung gewinnen.
Die Geflügelproduktion ging im abgelaufenen Jahr in Tschechien um 9,6 % zurück.
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Davon geht zumindest das amerikanische Landwirtschaftsministerium aus. Nach dessen aktuellen Schätzungen sind die Hähnchenfleischeinfuhren im Jahr 2010 gegenüber der Menge von 2009 auf der Basis kochfertiger Ware um 4,5 Prozent (%) auf fast 8,02 Millionen Tonnen gewachsen. Für 2011 rechnen die Washingtoner Fachleute aktuell mit einer Abnahme um 0,3 % auf 8,00 Millionen Tonnen. Die kräftige Drosselung der Hähnchenfleischbezüge durch Russland wurde ausgeglichen vor allem durch höhere Importe Saudi-Arabiens und Japans.
Steigende Nachfrage im Mittleren Osten erwartet
Mit Blick auf das kommende Jahr geben sich die Washingtoner Experten ungeachtet der schlechteren Konjunkturaussichten zuversichtlich. Sie rechnen mit einer weiter steigenden Nachfrage im Mittleren Osten und in Südostasien. So sollen die weltweiten Importe von Hähnchenfleisch im Vergleich zu der jetzt für 2011 geschätzten Menge um mehr als 300.000 Tonnen (t) beziehungsweise 3,8 % auf 8,31 Millionen Tonnen steigen. Dabei sagt das US-Landwirtschaftsministerium im Einzelnen voraus, dass Saudi Arabien die Importe spürbar steigern und sich erstmals zum größten Einkäufer dieses Produkts am Weltmarkt entwickeln wird.
Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Mexiko und Vietnam sollen ihre Bezüge an Hähnchenfleisch kräftig ausweiten, während Russland die Einfuhr weiter reduzieren dürfte. Auf der Ausfuhrseite prognostizieren die Washingtoner Fachleute für 2012 eine Zunahme des Volumens um 4,8 % auf das Rekordniveau von 9,60 Millionen Tonnen. Die beiden führenden Exporteure Brasilien und die USA decken gemeinsam zwei Drittel des Marktes ab; die EU als drittwichtigster Anbieter soll es 2012 auf einen Marktanteil von knapp 12 % bringen.
Selbstversorgung bleibt Russlands Ziel
Für deutliche Verschiebungen im internationalen Geflügelfleischhandel hat zuletzt Russland gesorgt. Endgültig vorbei sind die Zeiten, da die Russische Föderation als zuverlässiger Großabnehmer auftrat. So importierte das Land in den Jahren 2001 bis 2008 jeweils zwischen 1,0 Millionen Tonnen und gut 1,2 Millionen Tonnen Hähnchenfleisch. Im vergangenen Jahr belief sich die Einfuhrmenge aber schon "nur" noch auf 633.000 Tonnen. Für 2011 zeichnet sich nach der aktuellen Schätzung des US-Landwirtschaftsministeriums ein Rückgang auf 390.000 Tonnen ab. Hinter dieser Entwicklung steht der klare politische Kurs Moskaus, bei Geflügelfleisch zum Selbstversorger beziehungsweise zum Exportland zu werden. Dazu wurde und wird die heimische Branche mit staatlichen Investitionshilfen gefördert und durch Zölle vor Importen geschützt.
Die russische Hähnchenfleischerzeugung wuchs von 1,41 Millionen Tonnen im Jahr 2007 auf 2,31 Millionen Tonnen im vorigen Jahr. Das diesjährige Aufkommen wird vom US-Agrarressort auf 2,52 Millionen Tonnen veranschlagt; das wäre ein Plus von gut 9 %. Im kommenden Jahr soll die Produktionsmenge auf 2,75 Millionen Tonnen steigen. Wieder an Schwung gewinnen soll auch der Hähnchenfleischkonsum in Russland, der sich zuletzt leicht rückläufig entwickelte. So wird für 2012 ein Anstieg des Verbrauchs um 6,6 % auf 3,10 Millionen Tonnen erwartet, womit gemessen an der Inlandserzeugung eine Lücke von 350.000 Tonnen bestehen würde. Entsprechend werden Russlands Hähnchenfleischimporte auf 354.000 Tonnen im nächsten Jahr prognostiziert; das zollermäßigte Importtarifkontingent für Geflügelfleisch insgesamt beläuft sich 2012 auf 330.000 Tonnen. Für Ware innerhalb des Kontingents gilt ein Zollsatz von 25 % und wenigstens 0,20 Euro/kg, für darüber hinausgehende Mengen ein Aufschlag von 80 % beziehungsweise mindestens 0,70 Euro/kg.
Tsunami-bedingter Mehrbedarf Japans
Mit dem stetigen Rückzug Russlands als Käufer ist auch auf dem Hähnchenmarkt die Bedeutung der Absatzmärkte in Nah- und Fernost gestiegen. Den aktuellen Schätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums zufolge wird Japan in diesem Jahr mit einem Einfuhrvolumen von 840.000 Tonnen erneut der global gesehen wichtigste Käufer von Hähnchenfleisch sein. Bis 2009 war dies Russland gewesen. Der Anstieg der japanischen Importe im Vergleich zu 2010 um gut 50.000 Tonnen ist teilweise im Zusammenhang mit der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe zum Jahresanfang zu sehen, aber auch auf Produktionsausfälle aufgrund von Geflügelpestfällen zurückzuführen. Im Jahr 2012 dürften mehrere Geflügelmastanlagen in der Präfektur Miyazaki wieder durchgehend produzieren, weshalb die japanischen Einfuhren 2012 auf 805.000 Tonnen zurückgehen sollen.
Stark zugenommen haben im laufenden Kalenderjahr die Einfuhren Saudi Arabiens. Das US-Landwirtschaftsministerium schätzt, dass das Königreich 2011 insgesamt 830.000 Tonnen Hähnchenfleisch importieren wird; das wären fast 150.000 Tonnen oder 22 % mehr als 2010. Und 2012 sollen es 880.000 Tonnen werden, womit Saudi Arabien Japan als wichtigstes Einfuhrland ablösen würde. Auch die Bezugsmengen der VAE werden nach Einschätzung des US-Agrarressorts weiter zunehmen, und zwar von schätzungsweise 330.000 Tonnen in diesem auf 360.000 Tonnen im nächsten Jahr. Zu den asiatischen Ländern mit wachsendem Importbedarf an Hähnchenfleisch gehört auch Vietnam, das 2011 davon 325.000 Tonnen importieren dürfte, fast drei Mal so viel wie 2007. Für 2012 wird ein weiteres Plus auf 350.000 Tonnen vorausgesagt. Wieder zunehmen sollen außerdem die Bezüge des Irak und Hongkongs, die sich zuletzt rückläufig entwickelten.
Die wachsende Nachfrage asiatischer Länder nach Hähnchenfleisch hat auch
die Stellung der Europäischen Union im globalen Handel mit diesem
Produkt verändert. Vom einstigen Nettoimporteur entwickelte sich die
Gemeinschaft zu einem bedeutenden Nettoexporteur. Für das laufende
Kalenderjahr schätzt das Landwirtschaftsministerium in Washington die
Hähnchenfleischeinfuhren der EU-27 auf 700.000 Tonnen; das wären gut 3 % mehr
als 2010. Gleichzeitig soll der Export um rund 11 % auf 1,10 Millionen Tonnen
steigen, womit sich die Nettoausfuhrmenge um 85.000 Tonnen auf 400.000 Tonnen
erhöhen würde. Die Europäische Kommission meldete für den Zeitraum
Januar bis August 2011 bezüglich des gesamten Außenhandels mit
Geflügelfleisch und bezogen auf das Produktgewicht eine Steigerung des
Exports im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 % auf 903.600 Tonnen und
eine Zunahme der Importe um 3 % auf 543.200 Tonnen.
Wichtigste Abnehmer des
EU-Geflügelfleisches waren dabei Hongkong, Saudi Arabien, Benin und
Russland. Die Lieferungen in die EU kamen im Wesentlichen aus Brasilien
und Thailand. Im nächsten Jahr sollen die Hähnchenfleischausfuhren aus
der Gemeinschaft laut US-Prognose 1,12 Millionen Tonnen erreichen, die Importe
710.000 Tonnen. Relativ hohe Futterkosten, ein härterer Wettbewerb und die
geringere Nachfrage Russlands stehen einer anhaltend dynamischen
Entwicklung im Export entgegen. Dabei gehen die Washingtoner Fachleute
von einer Steigerung der EU-Hähnchenfleischerzeugung um gut 1 % auf
9,63 Millionen Tonnen aus, nach einem Plus von wahrscheinlich fast 3 % in diesem
Jahr.
An Schwung verlieren wird den US-Fachleuten zufolge auch die
Verbrauchsentwicklung: Der diesjährige Hähnchenfleischkonsum in der
EU-27 wird auf 9,10 Millionen Tonnen veranschlagt, was eine Zunahme von 2 %
bedeuten würde; 2012 soll der Verbrauch um 1 % auf 9,22 Millionen Tonnen wachsen.
Von dem Hähnchenfleischboom im Mittleren Osten profitiert neben der EU
auch Brasilien als größter Exporteur. Nach dem spürbaren Ausfuhrrückgang
im Jahr 2009, als die weltweite Importnachfrage eher schwach ausfiel
und der brasilianische Real eine kräftige Aufwertung verzeichnete, hat
sich der Hähnchenfleischexport des südamerikanischen Landes wieder
erholt. Für 2011 schätzt das US-Agrarministerium den Export auf
3,30 Millionen Tonnen; das wären fast 120.000 Tonnen oder etwa 4 % mehr als 2010
beziehungsweise rund 60.000 Tonnen mehr als im bisherigen Rekordexportjahr
2008. Im ersten Halbjahr 2011 lieferte Brasilien 1,84 Millionen Tonnen
Hähnchenfleisch ins Ausland, was eine Zunahme um 7 % bedeutete. Dabei
konnten die Ausfuhren nach Saudi Arabien um 19 % auf 296.900 Tonnen, nach
Japan um 20 % auf 224.600 Tonnen und in die EU um 21 % auf 154.200 Tonnen
gesteigert werden.
Die Lieferungen nach Hongkong gingen zwar um 9 % auf
159.900 Tonnen zurück; diese Abnahme ist aber im Zusammenhang mit dem
gleichzeitig starken Anstieg der Exporte nach China zu sehen, das im
ersten Halbjahr 83.200 Tonnen Hähnchenfleisch aus Brasilien bezog gegenüber
48.900 Tonnen in der Vorjahresperiode. Zugute kommt den brasilianischen
Mästern neben der Erholung des Exports auch die stetig steigende
Inlandsnachfrage aufgrund des wachsenden Wohlstands. Die Washingtoner
Marktexperten veranschlagen den Verbrauch in Brasilien für dieses Jahr
auf 9,66 Millionen Tonnnen; das wären fast 6 % mehr als 2010. Im nächsten Jahr
sollen Inlandsbedarf und Exporte um jeweils 5 % wachsen, und zwar auf
10,14 Millionen Tonnen sowie 3,47 Millionen Tonnen. Die Produktion, die in diesem Jahr um gut
5 % auf 12,95 Millionen Tonnen steigen dürfte, soll 2012 erneut um 5 % auf dann
13,60 Millionen Tonnen zunehmen. Ob diese Steigerungsrate tatsächlich gehalten
werden kann, wird aber davon abhängen, dass sich die Futtermittelkosten
stabil entwickeln. Dieses Jahr profitierte die Geflügelwirtschaft in
Brasilien von einer Rekordernte an Soja und Getreide.
US-Geflügelwirtschaft unter Druck
Derweil kämpft die Geflügelwirtschaft in den USA aktuell mit recht hohen
Futtermittelkosten und relativ niedrigen Produktpreisen. Für das eigene
Land erwartet das Agrarministerium deshalb einen Rückgang der
Hähnchenfleischerzeugung um knapp 1 % auf 16,60 Millionen Tonnen im nächsten Jahr,
während es für 2011 noch von einer Zunahme um gut 1 % auf 16,78 Millionen Tonnen
ausgeht. Zuletzt haben die Mäster jedoch die Einstallungen im Vergleich
zum Vorjahr deutlich reduziert, und zwar um bis zu 6 %. Damit reagierten
sie auf die mittlerweile schwächere Inlandsnachfrage sowie Einbußen im
Export. Während der Hähnchenfleischverbrauch im laufenden Jahr nach der
aktuellen Schätzung des US-Landwirtschaftsressort noch um gut 3 % auf
13,89 Millionen Tonnen zunehmen dürfte, wird aufgrund der schwierigen
wirtschaftlichen Entwicklung für 2012 mit einem Rückgang um 2 % auf
13,61 Millionen Tonnen gerechnet. Demnach steht die Position der Vereinigten
Staaten als weltweit größter Hähnchenfleischverbraucher auf der Kippe,
denn für China wird eine Konsummenge von 13,605 Millionen Tonnen im kommenden Jahr
vorausgesagt.
Der US-Export von Hähnchenfleisch soll sich 2012
allerdings erholen, nachdem sich für 2011 hier aufgrund der geringeren
Nachfrage Russlands eine Abnahme um mehr als 3 % auf 2,97 Millionen Tonnen
abzeichnet. Weiter profitieren sollen die US-Exporteure dabei von der
Nachfrage aus Mexiko, das den Hähnchenfleischimport in diesem Jahr um
7,5 % auf 590.000 Tonnen steigern dürfte. Für 2012 wird eine Zunahme der
Bezüge Mexikos auf 625.000 Tonnen vorausgesagt. Dann sollen auch die
US-Hähnchenfleischausfuhren insgesamt wachsen, nämlich um 2,5 % auf
3,04 Millionen Tonnen.