Fiedrichsdorf - Der Verband Deutscher Agrarjournalisten (VDAJ) hat den Preis für die beste "Grüne Reportage" vergeben. Den ersten Platz belegte Hans Dreier vom Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt.
Catrin Hahn, NL-Redakteurin, belegte Platz 2, Maximilian Riesberg vom Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt belegte mit seiner Reportage Platz drei.
© VDAJ
Die ersten drei Plätze beim Journalisten-Preis "Grüne Reportage" gingen allesamt an Redakteure des Deutschen Landwirtschaftsverlags - ebenso wie der VDAJ-Sonderpreis.
Hans Dreier vom Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt belegte mit seiner Reportage "Klasse Milch, faire Preise" den ersten Platz. Veröffentlicht wurde dieser Beitrag im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt Ausgabe 10/2010.
Mit der Reportage "Von Bienen und Bauern" belegte Catrin Hahn den zweiten Platz. Catrin Hahn ist Redakteurin bei der überregional erscheinenden Zeitschrift "Neue Landwirtschaft" (NL) vom Deutschen Landwirtschaftsverlag. Die Reportage war in der NL-Ausgabe 8/2010 veröffentlicht worden.
Die dritte Platzierung holte sich Maximilian Riesberg, ebenfalls vom Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt, mit seiner Reportage "Von der Alm mit dem Vieh über`n See", die in der Zeitschrift "Der Almbauer" im Dezember 2010 erschienen ist.
Ein VDAJ-Sonderpreis ging an Julia Davids vom dlz agrarmagazin für Ihren Beitrag "Rechts abhaken".
In Vertretung für seine Juroren-Kollegen übernahm Prof. Dr. Andreas
Schümchen, Journalist und Professor an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg,
die Aufgabe, die Beurteilungen zu erläutern und zitierte zur
Siegerreportage seinen Kollegen Florian Ditges:
"Die Reportage "Klasse Milch, faire Preise" von Hans Dreier
transportiert das Bild der "Milchwerke Berchtesgardener Land"
vortrefflich an den vielleicht zunächst nur mäßig interessierten Leser.
Mit den markanten Kennzeichen dieser hier ausgezeichneten
journalistischen Darstellungsform: rausfahren, schauen, hören, riechen,
fühlen, gelingt es Dreier, im Leser Bilder und damit Spannung, Interesse
und Lust aufs Weiterlesen zu erzeugen. In diesem Fall erweist sich die
Reportage als besonders mehrwertig, ergänzt sie doch mit einem enormen
Erkenntnisgewinn die Nachrichten aus der Wirtschaft, die wir alle zuvor
schon einmal über die Protagonisten gelesen oder gehört hatten.
Information und Meinung vereinen sich hier zu einem gut konsumierbaren
Ganzen. Hans Dreier vermittelt von Anfang an - bereits mit einem auch
stilistisch originellen Einstieg - den Eindruck, Augenzeuge zu sein,
weniger eines einzigen Ereignisses, wie es vielleicht sonst bei einer
Reportage üblich ist, sondern es gelingt ihm vielmehr, einen
wahrhaftigen wirtschaftlichen Prozess mit all seinen Chancen und Risiken
spannend und stilistisch sauber zu reportieren. Hans Dreier sieht sich
mit einer sehr wachen und objektiven Beobachtungsgabe für den Leser in
der Welt der "Milchwerke Berchtesgardner Land" und darüber hinaus um,
und er sagt uns zudem, was er, der Leser, davon zu halten hat: in jeder
Hinsicht eine Erfolgsgeschichte.
Platz 2: 'Von Bienen und Imkern'
Georg Küffner, Redakteur im Ressort Technik und Motor bei der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung, formulierte seine Laudatio für den
Beitrag "Von Bienen und Bauern" von Catrin Hahn wie folgt:
"Die Reportage "Von Bienen und Bauern" beschreibt nüchtern und
informativ das Verhältnis zwischen Landwirten und Imkern. Die Autorin
räumt mit dem Vorurteil auf, dass beide Berufsgruppen sich mehr oder
weniger unversöhnlich gegenüberstehen. Ganz im Gegenteil, Catrin Hahn
erklärt zwar, warum es mitunter zwischen Landwirten und Imkern zu
Spannungen kommt. Die Ursache erläutert sie unter anderem mit der
Unkenntnis so manchen Imkers, der seinen Bienenvölkern im Winter zu
wenig Nahrung anbietet, den Verlust des Volkes dann aber dem Landwirt
bzw. dem von ihm ausgebrachten Spritzmittel zuschreibt.
Catrin Hahn bezieht sich bei ihrer Darstellung auf die Aussagen eines
professionellen Imkers, den sie interviewt - und zwar gemeinsam mit
einem
Landwirt - so dass sie deren Verhältnis bzw. Umgangston
miteinander beschreiben kann. Beiden Gesprächspartnern stellt sie die
für das Thema relevanten Fragen, so dass der Leser jede Menge Details
erfährt, die in diesem Zusammenhang wichtig sind. Das gilt für die
geheimnisvolle "Welt der Bienen" wie auch für das Bemühen der EU, mit
subventionierten Blühstreifen die Artenvielfalt zu erhalten.
Catrin Hahn wählt für ihren Beitrag eine unaufgeregte, sachliche
Sprache, was dem Thema gut tut. Der dargestellte Sachverhalt ist daher
stets gut nachvollziehbar; dennoch gelingt es der Autorin, auch die
Stimmungslage bei ihren Interviews einzufangen. Die eine oder andere
Zwischenzeile ist zudem nicht ohne Witz.
Platz 3: 'Von der Alm mit dem Vieh über’n See'
"Tiefer Nebel hängt über dem Königssee, der weltberühmten
Wallfahrtskirche St. Bartholomä und der Saletalm am Südufer des
fjordähnlichen Gewässers. Ungemütlich ist es geworden. Das Laub der
Bäume hat sich verfärbt, doch heute leuchtet es nicht in der sanften
Herbstsonne, sondern segelt lautlos zu Boden." - So beginnt der Beitrag "Von der Alm mit dem Vieh über’n See" von Max Riesberg. Und nimmt uns
gleich gefangen mit einer Anschaulichkeit, die die Atmosphäre am
Königssee unmittelbar spüren lässt, schreibt Prof. Dr. Andreas
Schümchen über diese Reportage. "Im Mittelpunkt der Geschichte steht die
24-jährige Sennerin Anna Schmid. Vor dem Hintergrund seiner
Beobachtungen an einem Oktobermorgen, dem Tag des feierlichen
Almabtriebs, schildert der Autor einen Ausschnitt des Almbauernlebens.
Dabei erfahren wir nicht nur etwas über die Traditionen und Abläufe und
über das Leben von Anna Schmid - wir bekommen auch ein Gefühl für das
Leben am Königssee vermittelt. Max Riesberg gelingt dies, indem er die
journalistische Form der Reportage vorbildlich anwendet, genau
beobachtet und treffend formuliert. Er schafft es, für uns Leser Auge
und Ohr zu sein, so dass wir den Eindruck haben, dabei zu sein.
Sonderpreis für Julia Davids
In diesem Jahr hat sich der VDAJ entschlossen, einen Sonderpreis an
Julia Davids zu vergeben. Sie ist Redakteurin beim "dlz agrarmagazin".
Ihr Beitrag "Rechts abhaken" wurde in der Mai-Ausgabe von "dlz next"
veröffentlicht. Er setzt sich mit dem Rechtsextremismus auf dem Lande
auseinander, beleuchtet, wo die Gefahren für junge Menschen lauern und
beschreibt Beispiele, wie Junglandwirte Flagge gegen Rechtextremismus
zeigen. Der Mut zum Thema und die handwerklich gelungene Umsetzung
wurden mit einer besonderen Erwähnung belohnt.
Es geht weiter in 2012
Mit dem VDAJ-Journalistenpreis "Die Grüne Reportage" wurden bereits zum
zweiten Mal herausragende Leistungen aus dem Print-Bereich gewürdigt. "Die Grüne Reportage" wird für 2012
erneut ausgeschrieben. Die drei
Sieger-Reportagen aus diesem Jahr sind unter
www.vdaj.de veröffentlicht.