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Zwar haben die Kartellwächter die Boykottaktivitäten der deutschen Milchbauern kürzlich tüchtig in die Zange genommen, die Unterstützung der Bevölkerung beim Milchstreik in diesem Frühsommer war den Milcherzeugern jedoch sicher. Außerdem sind Verbraucher grundsätzlich bereit, einen höheren Milchpreis zu bezahlen. Das hat eine Studie der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen ergeben. Die Agrarwissenschaftler vom Lehrstuhl für Agrarmarketing befragten kürzlich fast 600 Verbraucher zu diesem Thema und wollten unter anderem wissen: Wie groß ist das Verständnis für die streikenden Bauern, die ihre Milch nicht an die Molkereien auslieferten, sondern wegkippten? Das Ergebnis ist eindeutig: Fast 70 Prozent der Konsumenten haben Verständnis für den Streik und 56 Prozent bewerten ihn grundsätzlich als positiv.
Politik und Einzelhandel sind Schuld an Misere
Die Argumente für einen Milchlieferstopp (Anspruch auf angemessenes Einkommen, gestiegene Betriebskosten, etc.) unterstützen die Verbraucher ausdrücklich und stellen sich dabei - sicher in ihrer Sichtweise auch durch die Medien beeinflusst - auf die Seite der vermeintlich "schwachen" Milchbauern. "Die Verantwortung sehen die Verbraucher bei der Politik, dem Einzelhandel und den Molkereien. Gleichzeitig sehen die befragten Verbraucher Politik und Wirtschaft am ehesten in der Lage, die Situation angemessen zu verbessern. Die wahren Opfer des Milchlieferboykotts sind daher aus Sicht der Befragten auch nicht die großen Unternehmen der Molkereibranche oder der Lebensmitteleinzelhandel, sondern die Milchbauern sowie die Verbraucher selbst", sagt der Leiter der Studie Justus Böhm vom Lehrstuhl für Agrarmarketing.
Ob sich Kaufverhalten ändert, bleibt abzuwarten
Tatsächliches Opfer des Milchstreiks sind dabei die wenigsten Verbraucher: Nur ein Fünftel der Befragten gab an, während des Lieferboykotts im Einkaufsverhalten bei Milchprodukten eingeschränkt gewesen zu sein. Lichtblick für die Landwirte: Auch wenn die Milchbauern seit dem Streik bislang keine Verbesserung der Lage verzeichnen können, wären die Verbraucher bereit, einen höheren Preis für Milch zu zahlen. Etwa 43 Prozent geben an, 20 Cent oder mehr zusätzlich für einen Liter Milch auszugeben. Ob diese Zahlungsbereitschaft dem tatsächlichen Kaufverhalten entspricht, bleibe abzuwarten, schränken die Agrarwissenschaftler ein.
"Grundsätzlich zeigen sich die deutschen Verbraucher bereit, die Einkommenslage der Milchbauern zu verbessern. Um dies zu erreichen, sehen sie jedoch Politik, Industrie und den Lebensmitteleinzelhandel in der Pflicht. Die Mehrheit der Verbraucher selbst wird aber auch in Zukunft eher zum günstigeren Milchprodukt greifen. Wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen, dass sich der deutsche Milchmarkt nicht ohne weiteres aushebeln lässt. Daher muss sich zeigen, welche Ergebnisse sich über die Absichtserklärungen des Milchgipfels hinaus für die Milchbauern erreichen lassen", ergänzt Prof. Dr. Achim Spiller, Lehrstuhl für Agrarmarketing. (Mühlhausen/Landpixel.de)

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