Freunde finden, politische Interessen vertreten, für Vereine oder sich selbst werben - das sind nur einige Aktivitäten in sozialen Netzwerken, den so genannten „Social Webs“.
Jugendliche sowie junge Erwachsene, aber auch immer mehr Nutzer über 40 und Vereine treffen und präsentieren sich im Internet. Sie kommunizieren auf Plattformen wie Facebook, Lokalisten oder landlive.de. Lisa (25) hat Paul seit zehn Jahren nicht mehr gesehen. Sie gibt seinen Namen in die Suchmaske im sozialen Netzwerk Facebook ein. Auf seinem Profilbild lächelt er keck in die Kamera. Ein paar Lachfalten sind dazugekommen. „Hallo Paul, wie geht es Dir? Was machst Du so?“ - und dann der Klick auf: Nachricht senden. Sie entdeckt in seiner Freundesliste noch weitere ihrer ehemaligen Klassenkameraden. Mittlerweile nutzen weltweit über 500 Millionen Menschen dieses soziale Netzwerk.
Damit Lisa mit Paul über Facebook Kontakt aufnehmen kann, muss sie sich anmelden und ein Profil anlegen. Allgemeine Infos wie Name oder Geburtsdatum werden abgefragt. Wer möchte, sucht ein schickes Profilbild aus und lädt es hoch. Wichtig ist es, die Privatsphäre-Einstellungen vorzunehmen. Die Nutzer können festlegen, wer das eigene Profil anschauen darf und welche Informationen für andere Nutzer - auch User genannt - sichtbar sind.
Wenn Sorglosigkeit im Netz gefährlich wird
Eine Studie der Universität Leipzig zeigt, dass nur etwa ein Prozent der befragten Jugendlichen und Kinder die Offenheit im Netz als ein Problem ansehen. Diese Sorglosigkeit kann auch gefährlich werden. Stichwort: Cyber-Grooming - Erwachsene können sich im Chat als gleichaltrig ausgeben und sich dadurch jungen User annähern und sich mit ihnen verabreden.
Eine weitere Gefahr ist das Cyber-Mobbing: Private Fotos oder Videos werden, ohne Wissen derer, die darauf abgebildet sind, ins Netz gestellt, um jemanden gezielt bloßzustellen.
Nutzer sollten genau darauf achten, was sie veröffentlichen, denn auch aktuelle und zukünftige Arbeitgeber tummeln sich im Netz. Peinliche Fotos und Lästereien über Chefs und Kollegen können zum „Karriere-Killer“ werden. Daher ist es wichtig, Jugendliche über die Gefahren beim Chatten und Netzwerken aufzuklären.
Für die Agrarbranche interessant
Neben den Risiken bieten solziale Netzwerke etliche Chancen. So wie Lisa finden viele User ehemalige Freunde wieder - auch Liebesgeschichten mit Happy End werden geschrieben.
Politisch spielen soziale Online-Netzwerke ebenfalls eine Rolle. Parteien nutzen diese
vor allem während ihres Wahlkampfes. Ob Gudio Westerwelle oder Angela Merkel: Sie informieren über aktuelle Tätigkeiten oder können von Nutzer „gegruschelt“ werden - gruscheln ist eine Wortneuschöpfung des VZ-Netzwerkes (www.studivz.de, www.schuelervz.de und www.meinvz.de), das sich aus grüßen und kuscheln zusammensetzt.
Auch Protestgruppen nutzen soziale Online-Plattformen für ihre Öffentlichkeitsarbeit. So diskutieren Landwirte, Tierschützer und weitere Interessierte auf Facebook die Kampagne „Stoppt den Terror gegen unsere Tierhalter“ des Monatsmagazins dlz agrarmagazin. „Gegner“ dieser Kampagne legten daraufhin das Profil „Stoppt den Terror gegen die Tiere“ an. Viele öffentliche Diskussionen finden heutzutage im Internet statt. Es ist daher wichtig, sich mit diesen Netzwerken zu beschäftigen, Inhalte auch kritisch zu beobachten und Verbraucher aufzuklären.
Kontakt zu Interessierten aufnehmen
Das Social Web wird jedoch nicht nur politisch genutzt, sondern auch, um für Vereins-
tätigkeiten und das Ehrenamt zu werben. Die Landfrauen Weilheim-Schongau aus Bayern haben auf Facebook mittlerweile knapp 800 Freunde. Hauswirtschaftsmeisterin Silvia Schlögel (41) aus Peiting pflegt seit dem 1. Januar 2011 in ihrer Funktion als Kreisbäuerin des Bayerischen Bauernverbandes die Landfrauenseite auf Facebook. „Wir müssen auf unsere Verbraucher zugehen und dies können wir in sozialen Netzwerken super und relativ einfach angehen“, argumentiert die Landfrau. Sie freut sich über die vielen Anfragen, die sie erreichen.
Lisa freut sich ebenfalls, denn sie hat Post. Eine Nachricht von Paul: „Hallo Lisa, schön nach so langer Zeit von Dir zu hören. Mir geht es super. Was ich so mache? Ich denke, diese Frage sollten wir persönlich beim Kaffee beantworten. Wann hast Du Zeit?“
Carolin Hasemann
Was ist eigentlich was?
Übersicht Für Schüler, Studenten, Kinder, Berufseinsteiger oder Nachwuchsmusiker - es gibt eine große Auswahl an sozialen Netzwerken:Facebook (www.facebook.de) ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle offen, die älter als 13 Jahre sind. Facebook hat nach eigenen Angaben über 500 Millionen Mitglieder weltweit.
Sehr bekannt sind die VZ-Netzwerke. Sie verfügen mit schülerVZ, studiVZ und meinVZ (www.schuelerVZ.de, www.studiVZ.de, www.mein VZ.de) über Online-Netzwerke für alle Internetnutzer ab 12 Jahren. Knapp 17 Millionen Mitglieder laden jeden Tag mehr als zwei Millionen Fotos hoch und versenden 13 Millionen Nachrichten an Freunde, Kollegen und Bekannte. Das Unternehmen VZnet Netzwerke Ltd. wurde im Oktober 2005 gegründet und gehört seit Januar 2007 zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.
Die Lokalisten (www.lokalisten.de) wurden von fünf Freunden aus München und Umgebung zunächst für den eigenen Freundeskreisim Mai 2005 entwickelt. Es steht für alle ab 14 Jahren offen und hat nach eigenen Angaben etwa 3,6 Millionen Nutzer.
MySpace.com hat nach eigenen Angaben mehr als 220 Millionen registrierte Nutzer und ist beliebt bei Nachwuchsmusikern. Hier kann man sich unter Pseudonym oder mit Künstlernamen anmelden. In die Kritik geriet MySpace, weil Pädophile hier versuchten Kontakt zu Minderjährigen aufzunehmen.
Landlive.de ist eine Web-Community für alle, die Natur nicht nur lieben, sondern leben. Landlive.de besteht aus von Usern generierten Inhalten, die sich themenbezogen in Subcommunities untergliedern: Landwirtschaft, Jagd, Garten, Land und Natur, Imkerei, Pferde. Es deckt somit das gesamte Spektrum im Themenfeld “Land und Natur” ab. Registrierte User: über 25.000.
Für Kinder gibt es eigene Chats wie www.cyber-zwerge.de, www.kindernetz.de, www.seitenstark.de, www.tivi.de oder www.toggo.de. Hier hat die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg und die Initiative der Jugendminister der Länder „Jugendschutz in Telemedien“ das Label ‚Kein Risiko‘ vergeben. Ebenso für das spezielle Mädchen-Angebot
www.lizzynet.de
Andrea Reiche